Flensburgs Oberbürgermeister : Simon Faber ist oben angekommen

Gesucht - gefunden: Die Schilder in der 13. Etage und in den Fahrstühlen sind bereits montiert.
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Gesucht - gefunden: Die Schilder in der 13. Etage und in den Fahrstühlen sind bereits montiert.

Binnen zwei Tagen haben Handwerker den Büro-Umzug des Flensburger Oberbürgermeisters bewältigt. Ab sofort residiert Simon Faber im 13. Stock.

shz.de von
17. Mai 2012, 10:05 Uhr

flensburg | Der Stadtpräsident stand am Dienstag in etwa 40 Metern Höhe auf dem Balkon des Rathauses, zündete sich eine Zigarette an und ließ seinen Blick genüsslich über das Stadtpanorama schweifen. Aber das Bild täuscht. Denn Christian Dewanger verbleibt auf Ebene H, ist also nicht dort oben angekommen - im Gegensatz zu Oberbürgermeister Simon Faber. Ganz oben im 13. Stock.
Vielleicht ließ Dewanger sich noch einmal die Worte durch den Kopf gehen, die er anschließend zum Empfang der neuen musikalischen Helden von Flensburg fallen lassen wollte. Denn der Eintrag von Santiano in das Goldene Buch der Stadt war der erste offizielle Termin im großzügig bemessenen Flensburg-Zimmer. Ganz oben im 13. Stock.
Kostenpunkt: rund 50.000 Euro - Nutzen: umstritten
Handwerker und Techniker hatten am Freitag und Montag das Rathaus fest im Griff. Sie mussten den im Vorfeld lange und heftig umstrittenen Umzug über die Bühne bringen. Ihnen wurde eine Engelsgeduld abverlangt. Das Warten im Hauptgeschoss auf einen der drei Aufzüge war angesichts des Zeitdrucks etwas enervierend, denn die Arbeitsabläufe sollten möglichst wenig tangiert werden. Diese Geduld wird künftig auch den in luftiger Höhe arbeitenden städtischen Angestellten abverlangt. Aber sie tragen es mit Fassung, werden sie doch mit einer grandiosen Aussicht hinunter auf die Fördestadt entschädigt.
Die schon vor der Inthronisierung des Oberbürgermeisters bekannt gewordenen Pläne hatten seinerzeit einen Sturm der Entrüstung entfacht. Nicht nur beim Bürger, der angesichts finanzieller Engpässe lieber andere Prioritäten gesehen hätte, sondern auch in der Politik. Insbesondere wurde in Frage gestellt, ob die avisierte Beschleunigung von Verwaltungsprozessen tatsächlich geschätzte Kosten von 50.000 Euro rechtfertigte. Auch die Anmietung externer Flächen stand in der Kritik.
Müttern mit Kinderwagen bleibt der Aufzug erspart
Doch die Stadt steht nach wie vor zu dem Umzug, da er Wege und Ressourcen spare. Und Stadtsprecher Clemens Teschendorf bemüht das gern wiederholte Argument, dass die Anliegen von Kunden der Leistungsabteilung der Gesundheits- und Sozialbehörde künftig ebenerdig abgewickelt werden können - und hat dabei besonders die vielen Mütter mit Kinderwagen im Blick, denen der Aufzug erspart bleibe.
Nicht nur Simon Faber residiert nun weit entfernt von ebener Erde, auch Bürgermeister Henning Brüggemann hat sein Büro im 13. Stock; die beiden beschäftigen ein Doppelsekretariat. Das Büro für Grundsatzangelegenheiten befindet sich nun auch ganz oben und ist, wie Teschendorf erklärt, enger zusammengerückt. Er selbst teilt sich ein Büro mit Berit Erichsen, Koordinatorin für deutsch-dänische Zusammenarbeit, daneben sitzen zwei weitere Mitarbeiter der Abteilung. Doch nicht das gesamte Büro für Grundsatzangelegenheiten findet Platz in der 13. Etage. Abteilungsleiter Thomas Kuchel und vier weitere Kräfte arbeiten einen Stock darunter. Dort ist auch ein Besprechnungszimmer für Bürgermeister Brüggemann eingerichtet worden. Das Flensburg-Zimmer darüber soll als Sitzungszimmer für verschiedenste Bereiche fungieren. "Es ist kostbar und oft belegt", sagt der Stadtsprecher.
Neue Räume für Rechnungsprüfungsamt gemietet
Damit auch jeder findet, was er sucht, haben Handwerker entsprechende Hinweisschilder auf den jeweiligen Etagen und in den Fahrstühlen angebracht. Im Hauptgeschoss sind sie derweil dabei, Wände neu zu ziehen und zu streichen. Eventuell Mitte des nächsten Monats könnte dann der publikumsintensive Fachbereich Jugend, Soziales und Gesundheit dort einziehen.
Ab Juni terminiert ist auch der Umzug von 21 Mitarbeitern der Eingliederungshilfe vom Gesundheitshaus in der Norderstraße in das "Mutterrhaus" am Pferdewasser. In dem frisch renovierten Gebäude geht es reichlich gedrängt zu. Die Rückkehrer ins Rathaus sollen, betont der Verwaltungssprecher, im Erdgeschoss an andere Abteilungen sinnvoll angebunden werden.
Wo aber ist das laut Teschendorf "am einfachsten auszugliedernde" Rechnungsprüfungsamt geblieben, das zuvor hoch oben tolle Perspektiven genoss? Es sitzt nun komplett in unmittelbarer Nähe des Standesamtes. Die Stadt hat für die acht Mitarbeiter Räume angemietet - im benachbarten Therapiehaus.

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