Tipps zum Jahreswechsel : Silvester-Böller stressen Haustiere

Ronny nimmt Silvester gelassen - ganz zur Freude seiner Besitzerin Carla Thomas. Foto: wel
Ronny nimmt Silvester gelassen - ganz zur Freude seiner Besitzerin Carla Thomas. Foto: wel

An Silvester leiden Hunde, Katzen und Vögel besonders unter dem Lärm und dem Licht der Böller und Raketen. Experten geben Tipps für einen tierischen Rutsch ins neue Jahr.

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29. Dezember 2012, 12:05 Uhr

Schleswig-Flensburg | Schäferhundmischling Ronny reagiert auf Silvester sehr locker, findet die lauten Geräusche und Lichter eher spannend als störend. Aber so gelassen wie der Hund von Carla Thomas, der Tierheimleiterin in Schleswig, nehmen nicht alle Vierbeiner den Jahreswechsel. Deshalb werden im Tierheim einige Vorkehrungen getroffen: Die letzte Fütterung findet am frühen Nachmittag statt, "damit die Tiere keine Magendrehung vor Aufregung bekommen", weiß Yvonne Wiegers, Vorsitzende des Tierschutzvereins der Stadt Schleswig und des Kreises Schleswig-Flensburg.
Außerdem sind in der Silvesternacht zwei Mitarbeiter des Tierheims vor Ort und sehen in regelmäßigen Rundgängen nach dem Rechten. "Bisher ist aber nichts passiert. Wir hatten erst einen einzigen Hund, der richtig Panik bekommen hat, der ist aber schon seit Jahren nicht mehr hier", berichtet Carla Thomas.

Feines Gehör macht Silvester unerträglich

In der direkten Nachbarschaft des Tierheimes wird vergleichsweise wenig geböllert, nach zehn Minuten ist das Gröbste überstanden. Aber nicht nur die erste Viertelstunde des neuen Jahres ist kritisch: Bereits etwa zwei Tage vor Silvester werden die ersten Kracher gezündet und wecken den Fluchtinstinkt mancher Tiere. "Etwa fünf entlaufene Hunde beherbergen wir jedes Mal rund um den Jahreswechsel", so Wiegers. Natürlich würden sie alle wieder abgeholt werden, aber für die Unvorsichtigkeit mancher Hundehalter kann sie sichtlich kein Verständnis aufbringen und rät eindringlich, die Vierbeiner mehrere Tage an der Leine zu führen und in der Silvesternacht nicht mit hinaus zu nehmen.
Wiegers eigene Hunde zeigen sehr unterschiedliche Reaktionen auf das Feuerwerk: "Von schierer Panik bis zu Neugier ist alles dabei." Sie hat die Strategie, alle Fenster zu schließen und die Vorhänge zuzuziehen, damit neben den akustischen Reizen nicht auch noch die optischen stören. Außerdem lässt sie in normaler Lautstärke das Radio laufen, damit die Böller nicht so laut wirken. "Das bringt natürlich nicht viel, bei dem guten Gehör der Tiere, ist aber wenigstens etwas." Das feine Gehör ist es auch, was Silvester für viele Tiere unerträglich oder zumindest sehr stressig macht.

Angstlösende Medikamente

Deshalb hat Tierärztin Gabriele Harting-Harms aus Steinbergkirche einige Tipps parat: Sie betont, dass es wichtig sei, die Tiere auf Silvester vorzubereiten und frühzeitig mit einem Training zu beginnen. Zum Beispiel könne es helfen, Hunde an laute Geräusche zu gewöhnen und diese Geräusche mit etwas Positivem zu verbinden. Beim Abspielen von beängstigenden Lauten (beispielsweise von einer CD), könne ein Leckerli helfen. Besonders wichtig sei bei der Behandlung von Angstzuständen aber das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, sagt die Veterinärmedizinerin. Der Hundehalter solle sich als Rudelführer geben und durch angstfreies selbstbewusstes Auftreten dem Tier Sicherheit bieten.
In besonders schlimmen Fällen rät sie zu einem frühzeitigen Besuch beim Tierarzt, der könne nötigenfalls angstlösende Mittel verschreiben. Helfen könne es bei Hunden und Katzen auch, ihnen ein ruhiges Refugium anzubieten: Eine mit Decken abgedeckte Box zum Schlafen oder ein vorübergehender Umzug mit der gewohnten Schlafstätte in ruhigere Bereiche des Hauses. An diese besondere Situation müssen die Tiere aber erst gewöhnt werden und am Wichtigsten ist: Sie müssen sich wohl fühlen.

"Katzen leiden still"

Harting-Harms schätzt, dass über 30 Prozent der Hunde Probleme an Silvester haben. Nach den Erfahrungen im Schleswiger Tierheim sind Katzen da etwas ruhiger, das kann laut dem Kappelner Veterinär Thomas Meyer aber auch daran liegen, dass diese Tiere anders reagieren: "Katzen leiden ähnlich wie Hunde, ziehen sich aber stärker zurück und leiden still." Meyer ist besonders auf Vögel spezialisiert. Ihnen mache weniger der Lärm etwas aus, schlimmer seien die Lichtblitze. Deshalb rät der Tierarzt, den Käfig besonders gut abzudecken und das Radio laufen zu lassen. Die menschlichen Stimmen geben ihnen ein Schwarmgefühl und deshalb Sicherheit.
Aber nicht nur Haustiere haben Probleme mit dem lautstarken Jahreswechsel. Sehr schlimm ist es auch für in Ställen und in der freien Wildbahn lebende Tiere. "Besonders Pferde können sich schwer verletzen, wenn sie in ihrer Box Panik bekommen", sagt Tierschützerin Wiegers. Sie rät dringend davon ab, in der Nähe von Ställen, Waldrändern, Parkanlagen und Naturschutzgebieten Feuerwerke zu zünden.
Schließlich können nicht alle Tiere so entspannt sein wie Ronny. "Wenn er die ersten Böller sieht, würde er sie am liebsten fangen gehen", sagt Carla Thomas.

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