Warnstreik auf dem Südermarkt : Signale setzen für bessere Bezahlung

Mit Pfeifen, Fahnen und Megaphon für mehr Lohn: Etwa 1400 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zogen gestern in einem Protestmarsch durch die Stadt. Foto: Borm
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Mit Pfeifen, Fahnen und Megaphon für mehr Lohn: Etwa 1400 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zogen gestern in einem Protestmarsch durch die Stadt. Foto: Borm

Etwa 1400 Arbeitnehmer aus dem öffentlichen Dienst am Warnstreik beteiligt / Gewerkschaften zufrieden / Eltern beklagen geschlossene Kitas

shz.de von
07. März 2012, 08:15 Uhr

Flensburg | Eindringliches Pfeifen und Trommeldröhnen, ein Meer aus pinkfarbenen und roten Fahnen weht. In Flensburg standen gestern die Zeichen auf Streik. Mit einem Protestmarsch vom Deutschen Haus durch die Innenstadt und einer anschließenden Kundgebung auf dem Südermarkt haben rund 1400 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ihrer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn Nachdruck verliehen. Die Gewerkschaften dbb (Deutscher Beamtenbund und Tarifunion) und Verdi haben die Aktion gemeinsam auf die Beine gestellt.

"Mir kommen die Tränen", kommentierte Melanie Karstens die Lohnsitua tion im öffentlichen Dienst. Seit elf Jahren hilft sie Flensburgern bei der Suche nach einem Job - als Vermittlerin bei der Agentur für Arbeit. Doch nun ist es an der Zeit, sich auch für die eigenen Belange stark zu machen. "Die Arbeit wird immer mehr, der Reallohn immer weniger."

Jens Mahler, Landesfachbereichsleiter der Gewerkschaft Verdi, beklagte: "Die Schere zwischen Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst ist zu groß. Deshalb müssen die Löhne dringend angeglichen werden." Der öffentliche Dienst müsse attraktiv bleiben - vor allem für junge Jobsuchende. Bessere Bedingungen für Auszubildende seien deshalb neben der Lohnforderung ein wichtiger Aspekt.

Mit Silke Büchert, Kathrin Raedel und Dörte Herrmann war auch das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt auf dem Südermarkt vertreten. "Wir wollen für gute Arbeit gutes Geld", erklärte Raedel. Bisherige Erhöhungen seien stets sehr gering und unbefriedigend gewesen. "Der Unterschied zur Privatwirtschaft ist einfach frustrierend."

Zufrieden mit der Aktion zeigten sich die Vertreter aller beteiligten Gewerkschaften. "Für Flensburg ist das eine tolle Aktion", war sich Helmut Overbeck sicher. Als Tarifkoordinator des dbb hat er in den letzten Tagen schon viele Warnstreiks gesehen. "Dass auch hier am Rande der Republik so eine große Aktionsbereitschaft herrscht, beeindruckt mich." Auch Udo Andersen war einer der rund 1400 Menschen, die sich gestern mit Mütze, Weste und Trillerpfeife ausgestattet für mehr Lohn stark machten. Als Beschäftigter in der Poststelle der Agentur für Arbeit gehört er nach eigener Aussage "zu den Geringverdienern". "Es muss doch möglich sein, mit seinem Gehalt die Lebenshaltungskosten zu decken", sagte er.

Dass die Flensburger die Auswirkungen des Warnstreiks auch in ihrem Alltag spüren würden, war sich Christian Dirschauer, Angestellter der Stadtverwaltung und Streikleiter der Gewerkschaft Komba, sicher: "Das Bürgerbüro war nur spärlich besetzt, der Müll blieb stehen und die städtischen Kitas waren geschlossen." Viele Eltern mussten sich spontan eine Betreuungsalternative suchen. So hatte Tagesmutter Sandra Fey einige Sprösslinge mehr zu versorgen. "Der Großteil der Mütter zeigte Verständnis für den Warnstreik, aber manche bemängelten die späte Benachrichtigung über den Ausfall", berichtete sie.

Stephanie Audrich bringt ihr Kind normalerweise jeden Morgen in die Kita Stuhrsallee. Beim Abholen erfuhr sie am Montag von der kurzzeitigen Schließung. "Ich konnte problemlos eine Alternative finden", so Audrich. Andere hätten es aber schwerer, eine Unterbringung zu organisieren. Auf eine rasche Einigung im Tarifkonflikt drängen daher nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Bürger.

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