Glücksburg : „Sie ist eine Bereicherung für unseren Club“

Nazik mit ihrem Vater Karen Yeremyan (l.) und dem Vorsitzenden des Flensburger Schachclubs, Holger Martens, sowie den beiden in Deutschland erspielten Schach-Pokalen.
Nazik mit ihrem Vater Karen Yeremyan (l.) und dem Vorsitzenden des Flensburger Schachclubs, Holger Martens, sowie den beiden in Deutschland erspielten Schach-Pokalen.

Nazik Yeremyan aus Armenien spielt sehr gut Schach. Ob sie jedoch in Glücksburg bleiben kann, ist ungewiss – ihrer Familie droht die Abschiebung.

shz.de von
27. April 2018, 12:01 Uhr

Glücksburg | Die Neu-Glücksburgerin Nazik Yeremyan (16) aus Armenien liebt das Schachspiel. Darin ist sie richtig gut. In ihrer Heimat war sie Jugendschachmeisterin und besuchte ein Schach-Gymnasium, erzählt sie noch ein bisschen stockend auf Deutsch. Anfang des Monats gewann sie die schleswig-holsteinischen Landes-Jugendmeisterschaften in der Klasse U18 und im Blitz-Schach. Ab 19. Mai spielt sie um die Deutsche Meisterschaft im hessischen Willingen und wenn es nach ihrem Betreuer, Johann Meerbach, geht, wird sie danach um die Europa- und die Weltmeisterschaft spielen.

Fünf Stunden am Stück kann sie sich dem Schachspiel widmen, ohne müde zu werden. Sie trainiert jeden Tag entweder im Flensburger Schachclub von 1876, wo sie kurz nach ihrer Ankunft in Flensburg im September 2017 Mitglied wurde, in der Flensburger Stadtbücherei oder via Skype mit einem armenischen Großmeister. Familie Yeremyan zog inzwischen von Flensburg nach Glücksburg. Nazik besucht eine DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache)der Hannah-Arendt-Schule.

„Sie ist eine Bereicherung für unseren Club“, sagt Schachclub-Vorsitzender Holger Martens, der bereits gegen Nazik verloren hat. Der Schachclub sei stolz auf Naziks Leistung und unterstütze sie finanziell. „Ich finde, die ganze Familie integriert sich vorbildlich“, ergänzt Johann Meerbach. Dennoch, so der Flüchtlings-Lotse, drohe der Familie – Vater, Mutter, Nazik und ihrem Bruder – die Abschiebung. In Armenien, da ist sich Meerbach sicher, ist Leib und Leben der Familie in Gefahr. Naziks Onkel sitze wegen Ermordung armenischer Politiker im Gefängnis. „Die Machthaber wollen sich an der gesamten Familie rächen“, vermutet Meerbach.

Eine missverständliche Angabe von Wehrdienst- und Studienzeiten sowie die Einreise eines Teils der Familie über Italien hätten die deutschen Behörden zur Abschiebung bewogen. „Wir klagen dagegen“, so Meerbach, „aber im Grunde ist so ein Urteil unumstößlich.“ Das Schicksal der Familie Yeremyan geht ihm so nahe, dass er sein Ehrenamt niederlegen will, sollte es zu der befürchteten Abschiebung kommen.



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