Diako Flensburg : „Sie haben sich rührend um mich gekümmert“

„Jeder hat sich Zeit für mich genommen“: Günter Jessen und Waltraud Thauer.
„Jeder hat sich Zeit für mich genommen“: Günter Jessen und Waltraud Thauer.

Wie ein 91-Jähriger, der seine Frau verlor, in der Diako wieder aufgepäppelt wurde

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10. Februar 2018, 10:01 Uhr

Mit dem Begriff Krankenhaus verbinden viele Menschen nicht unbedingt die angenehmsten Gefühle: Wartezeiten, Personalnot, Fachkräftemangel und Überbelegung beklagen die einen, die anderen assoziieren eine Klinik generell mit Angst, Schmerzen, sogar Tod.

Doch es gibt ermutigende Geschichten. Gerade deshalb ist es Waltraud Thauer wichtig, ihre Erfahrungen mitzuteilen.

Die Flensburgerin verlor am 27. Januar ihre Mutter. Ihr Vater Günter Jessen (91) war untröstlich über den Verlust seiner Frau. „Er war sehr schwach, seine Nierenwerte verschlechterten sich rapide, es drohte eine Lungenentzündung“, sagt Waltraud Thauer.

Besonders die Erkrankung der Atemwege machte ihr Sorgen. Denn ihr Vater hatte, bevor er sich umschulen ließ und bis zur Pension beim KBA angestellt war, als Konditormeister gearbeitet. Der Mehlstaub machte ihn asthmakrank.

Es war zu diesem Zeitpunkt mehr als fraglich, ob Günter Jessen an der Trauerfeier würde teilhaben können. Zu den körperlichen Beschwerden kam die seelische Belastung.

Als der Rentner zwei Tage nach dem Tod seiner geliebten Frau ins Krankenhaus eingeliefert wurde, gab es nach nur einer halben Stunde schon eine gründliche, dreistündige medizinische Untersuchung. Ein Patient mit Sauerstoffmaske, Tropf und Katheder, überall verkabelt. „Es sah nicht gut aus. Wir hatten bös’ Angst um ihn“, sagt die Tochter. Auch die Ärzte in der Diako waren skeptisch. Zunächst.

Doch wie durch ein Wunder ging es schnell bergauf. „Ich wurde von einer jungen Ärztin behandelt, die meine Enkelin hätte sein können“, erinnert sich Günter Jessen – und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Das gesamte Personal habe sich rührend um ihn gekümmert.

Am Mittwoch teilte der Soziale Dienst mit, dass der Patient noch nicht nach Hause, geschweige denn zu der Beerdigung seiner Frau kommen könne. Auch eine Kurzzeitpflege sei mit der Pflegestufe I nicht zu realisieren. Aber vielleicht gebe es einen Weg...

„Irgendwie hat man es über Nacht per Eilantrag geschafft, dass die Krankenkasse die Pflegestufe II anerkannte“, erzählt Waltraud Thauer begeistert. So konnte er ohne Komplikationen im Dansk Alderdomshjem an der Nerongsallee aufgenommen werden.

Am Tag der Trauerfeier in der Adelbyer Kirche hatte man ihren Vater im Krankenhaus frühmorgens schon fix und fertig angezogen und alle Sachen gepackt. Er wartete gut gelaunt im schwarzen Anzug. Selbst den Schlips hatte man ihm fachgerecht gebunden.

Die Familie ist dankbar dafür, was das Klinikpersonal trotz schwieriger Bedingungen in diesen Tagen leistete. „Das ist wirklich bewundernswert. Wenn ich geklingelt habe, ist sofort jemand gekommen“, sagt Günter Jessen. Alle seien stets freundlich zu ihm gewesen. „Und selbst über das, was mich innerlich belastet hat, konnte ich sprechen. Jeder hat sich Zeit für mich genommen.“

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