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Love Story in Flensburg : „Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach 35 Jahren in Kanada trifft ein Flensburger seine Jugendliebe wieder – jetzt feiern die beiden Hochzeit in Brandon.

Liebe kennt keine Grenzen. Liebe überwindet Raum und Zeit. Alles nur Schwärmerei, Pathos, Kitsch? Der Stoff, aus dem ein schnulzig trivialer Roman gestrickt ist? „Nicht jedem ist diese Erfahrung vergönnt“, sagen selig lächelnd Iris Jannsen und Herbert Goos. Sie selbst haben es erlebt – sind seit 43 Jahren ineinander verliebt, obwohl 35 Jahre lang ohne jeden Kontakt, getrennt durch 7400 Kilometer Luftlinie. „Dennoch fanden wir wieder zusammen.“ Und es klingt, als hätten sie gar keine andere Wahl gehabt.

Sie ist 14, er zwei Jahre älter, als sie sich zum ersten Mal begegnen. Bei einer Konfirmationsfeier in Flensburg nimmt das Schicksal seinen Lauf. Iris verliebt sich das erste Mal – so unsterblich, wie man sich wohl nur in diesem Alter verlieben kann. „Es war etwas ganz Besonderes“, sagt auch Herbert. Dann unterbricht die Bundeswehr die Liaison. Er geht für ein Jahr nach Kanada, Provinz Manitoba, zum 1. Korps des Heeres in der deutschen Militärbasis Shilo. Das schafft er schon ohne mich, denkt die inzwischen 17-Jährige, und er kommt ja wieder.

Er kommt wieder. Doch als er ihr ein Jahr später offenbart, er wolle in Kanada bleiben und sie mitnehmen will über den großen Teich, lehnt sie ab. „Ich hatte einen Job, in dem ich gutes Geld verdiente, eine hübsche Wohnung, meine Freunde“, sagt die Flensburgerin. All das will sie nicht aufgeben für eine ungewisse Zukunft in der Fremde.

Dann bricht der Kontakt ab – 35 Jahre gehen ins Land. Beide heiraten, zwei Kinder werden geboren, im jeweils gleichen Jahr. Doch je länger die Trennung dauert, desto intensiver werden die Gefühle von Herbert für seine Jugendliebe. „Sie ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf.“ Mit seiner Frau spricht er darüber nicht.

Im Gegensatz zu Iris, die ihrem Ehemann über ihre Emotionen nicht im Unklaren lässt. „Wir waren ein gutes Team und er ein guter Mann. Aber es fehlte die Liebe.“ Er habe es verstanden und akzeptiert, wenn sie gesagt habe: „Der Mann, den ich liebe, lebt in Kanada.“ Es habe aus dieser großen Distanz schließlich keine akute Gefahr für die Ehe gedroht. Dennoch zerbrechen im Laufe der Zeit beide Beziehungen.

Im Jahr 2011 will Herbert Goos es wissen. Er reist an die Förde – mit dem festen Vorsatz, Iris ausfindig zu machen. „Ich musste sie aus dem Kopf kriegen“, sagt er, „wollte damit abschließen.“ Tatsächlich kam es durch einen sogenannten Zufall zu der ersehnten Begegnung. Zunächst am Telefon. Man verabredete sich im Restaurant Piet Henningsen. Sie: „Ich wusste, gleich passiert hier etwas Großes.“ Er: „Mein Herz klopfte bis zum Hals.“

Beide kommen sie eine halbe Stunde zu früh. Und sofort sei die alte Vertrautheit da gewesen, sagen sie unisono. „Ein Blick nur – und es war wieder passiert.“

Zweimal reist Iris nach Kanada, eine Art Ehe auf Probe. Sie ist begeistert von der Mentalität der Menschen dort. „Irgendwie skandinavisch.“ Offen, ehrlich, entspannt. „Ich wurde sofort herzlich aufgenommen“, sagt sie. Atmet Kultur wie Natur, sieht Schwarzbären, Kojoten, Wölfe und Elche. Testet den harten Winter. „Wenn ich den überstehe, sagt sie zu sich, überstehe ich auch den Rest des Jahres.“

Der Rest ist nur noch Formsache. In Flensburg kündigt Iris, die ihren Mädchennamen Lund wieder angenommen hat, ihre Arbeit, verabschiedet sich von ihren Kindern, ihren Freunden. Die Hochzeit am 28. Juni 2013 feiern sie in Brandon. In Deutschland, klagen sie, habe es zu große bürokratische Hürden gegeben. „Verdacht auf Scheinehe, Formulare ohne Ende. Schrecklich!“

Seit einigen Tagen sieht man das Ehepaar verliebt durch Flensburg bummeln, im Gepäck die Frage: Wo wollen wir alt werden – hier oder in Kanada? Beide wissen, die Entscheidung soll zügig fallen. „Jetzt muss etwas passieren“, sagt Iris, „wir wollen den Schwung mitnehmen.“

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erstellt am 18.Sep.2013 | 05:55 Uhr

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