Flensburg : Sie alle wollen den OB ablösen

Er geht: OB Klaus Tscheuschner Foto:  Dewanger
1 von 10
Er geht: OB Klaus Tscheuschner Foto: Dewanger

Zur Oberbürgermeisterwahl in Flensburg am 31. Oktober treten neun Kandidaten an - so viele wie nie zuvor.

shz.de von
15. September 2010, 12:17 Uhr

Flensburg | Der Wahlausschuss zur Kandidatenzulassung tagt zwar erst am Freitag - und das öffentlich ab 16 Uhr im Europa-Raum E67 des Rathauses. Nach Informationen des sh:z steht aber bereits fest: Um den Chefposten im Rathaus kommt es zum zahlenmäßig größten Wahlkampf aller Zeiten. Neben den fünf von Fraktionen nominierten OB-Kandidaten Thede Boysen (SPD), Simon Faber (SSW), Jörg Klose (WiF), Heinz-Werner Jezweski (Die Linke) und Elfi Heesch (CDU und Grüne) haben alle vier unabhängigen Bewerber mindestens 215 Unterstützer-Unterschriften fristgerecht eingereicht.
Wolfgang Brommer-Reuß, der zunächst ungültige, weil auf der Rückseite bedruckte Listen eingereicht hatte, meldete jedenfalls gestern um 16.40 Uhr erfolgreichen Vollzug mit einem 230 Zettel starken Autogramm-Paket: "Wir sind gerade im Rathaus. Es ist alles eingereicht und geprüft." Auch Kay Richert hat Unterschriften in ausreichender Zahl vorgelegt - obwohl er Mitglied im FDP-Kreisvorstand ist: "Ich finde, es ist eine größere Legitimation, von über 200 als von zwei Leuten vorgeschlagen zu werden. Auch der jüngste Bewerber hat nach Angaben seiner Partei genügend Stimmen gesammelt - Matthias Nagel von der Piratenpartei. Der 29-jährige System-Administrator hat "über 230 beglaubigte Unterschriften eingereicht". Auch Ulrich Scholl, einst Manager des Minderheiten-Marathons Youmm, hat seine Unterschriften abgegeben. Jetzt hat er sich vorgenommen, mit möglichst vielen Bürgen, Unternehmen und Institutionen ins Gespräch zu kommen, um so die Wahlbeteiligung zu erhöhen.
Tscheuscher will sich zu seinen Zukunftsplänen nicht äußern
Nur einer hat seinen Hut nicht mehr in den Ring geworfen - auch wenn er das ohne Unterschriftensammlung und Fraktionsnominierung noch gestern Abend um 17.59 Uhr hätte tun können: Amtsinhaber Klaus Tscheuschner hat mit seiner Rückzugsankündigung vom Frühsommer ernst gemacht. "Die Fraktionen hatten eine Chance, sich zu besinnen - statt Klein-Klein für eine gemeinsame Lösung", erklärte der OB gestern auf Tageblatt-Anfrage. Das Beispiel Andreas Breitner in Rendsburg habe vergangenen Sonntag gezeigt, dass es auch anders gehe: "Dort tragen alle Fraktionen den Amtsinhaber mit."
Welche Zukunftspläne Tscheuschner hat? Konkret mochte er sich gestern nicht äußern, sagte aber immerhin: "Ich gehe davon aus, dass ich relativ zügig eine vergleichbare Stelle besetzen werde." Es gebe "unterschiedliche Anfragen und gute Gespräche". Seit seiner Rückzugsankündigung habe er zahlreiche Reaktionen bekommen, von denen er sich bestärkt sieht. Nach Tageblatt-Informationen wird Tscheuschner unter anderem mit dem Landratsposten im Kreis Plön in Verbindung gebracht. Der Chefsessel im Plöner Kreishaus ist gerade ausgeschrieben und soll im Dezember besetzt werden. Ungefähr zeitgleich wird der OB nach sechs Jahren im Flensburger Rathaus im Dezember verabschiedet.
Und: Im Gegensatz zur OB-Wahl hat ein Landratsposten für den Bewerber einen entscheidenden Vorteil: Da die Direktwahl der Landräte abgeschafft ist, könnte Tscheuschner sofort vom Kreistag gewählt werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen