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Lüttfischerhafen Flensburg : Sicher segeln mit Greta

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Segel-Oldtimer Greta für junge Leute: Flensburger Firmen spenden 2500 Euro für ein Erfolgsprojekt

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2017 | 12:38 Uhr

Spät in ihrer Laufbahn ist „Greta“ dann doch wieder ein Fischkutter geworden – ein Menschenfischer. Nach ihrem Stapellauf 1904 schaffte sie von ihren Fanggründen auf der Elbe Aale, Zander, Schollen, Stinte und Barsche heran. Als es mit der Fischerei weniger wurde, wechselte sie Ende der 70er Jahre das Fach und wurde Lustboot und Revolutionärin. Immerhin war Greta mit dabei, als das Flensburger Bohlwerk von einer Schar junger Wilder als Reservat der letzten segelnden traditionellen Arbeitsschiffe der Ost- und Nordseeküste besetzt wurde. Jetzt wird die Umgebung um sie herum zumindest wieder er jung.

Als Projektschiff hat sie binnen kürzester Zeit 70 neue, überwiegend junge Mitglieder für den Museumshafen und die dahinter stehende Idee gefangen. Die deutschen Museumshäfen präsentieren das maritime Erbe der Küstenstädte. Doch die Frauen und Männer, die vor 30 und mehr Jahren diesem Erbe den ihm gebührenden Platz erkämpften, hatten berechtigte Sorge, dass jüngere, Technik-affine Generationen kein Interesse an den schwerfälligen und arbeitsintensiven Schiffen des jungen Industriezeitalters entwickeln könnten. Auch deshalb erfand der Flensburger Museumshafen das Generationenprojekt „Greta“. Mit eigenem Förderverein soll sie junge Leute für wenig Geld aufs Wasser bringen und auf eine unbezahlbare Zeitreise in die Erlebniswelt der Seefahrt vor Erfindung der Dampfmaschine mitnehmen.

In der Hütte des Lüttfischerhafens steht ein Pulk junger Menschen und freut sich. Soeben hat eine großzügige Spende ein großes Sicherheitsproblem gelöst: Günter Fenner, Vorsitzender des Vereins Flensburger Firmen für Region und Mensch (FFRM), kam mit einem Scheck über 2500 Euro zum Museumshafen. Der Verein ist maritim aufgestellt, er sicherte schon die Restaurierung der Hinweistafeln entlang des beliebten Flensburger Kapitänsweges ab – und jetzt die Zukunft der Greta. Jan Christian Rössler (30), der Vorsitzende, und Schatzmeister Morten Petersen (29) sind hoch erfreut. Die Spende, sagt Rössler, ermöglicht wieder einen Schritt mehr in Richtung des regelmäßigen Schiffsbetriebs. Zwei Jahre nach dem Verkauf Gretas zum symbolischen Preis durch ihren vorherigen Eigner Uwe Brümmer arbeitet eine wachsende Schar neuer Mitglieder an dem Vereinsschiff – mit dem Ziel stetiger Nutzung. Für Jugendarbeit, Schularbeit, Expeditionen in die dänische Südsee, Kulturregatten wie die Kongelig Classics. „Unsere Spielwiese wird die dänische Südsee sein“, freut sich Rössler. In der dänischen Südsee aber ist nicht immer eitel Sonnenschein, und moderne Rettungsmittel sind Pflicht.

Greta hat schon Einiges gekostet. 2015 mussten in Egernsund eine Menge Planken ausgetauscht werden, dann gab’s neue Segel, dann kam das Deck dran. Schließlich müssen noch die Aufbauten überholt werden, und unter Deck ist auch noch reichlich zu tun. Alles auf ehrenamtlicher Basis bei kleinen Vereinsbeiträgen. Da sind Spenden Gold wert.

Die vier jungen Greta-Freunde – Tina Röper (31) und Cora Verdenhalven (26) waren ebenfalls zur Spendenübergabe gekommen – zeigten sich von dem Projekt überzeugt. „Jeder kann bei uns mitmachen und findet etwas zu tun“, sagt Petersen. „Wir haben Mitglieder von 20 bis 70 Lebensjahren, zwei Drittel der Leute gehören der jüngeren Generation an.“ Dass ausgerechnet eine leicht pummelige Seniorin von 13 Metern Länge und zehn Tonnen Gewicht nach 114 Jahren so viel Attraktivität entfaltet, sieht Rössler in den auf den ersten Blick unattraktiven Eigenschaften der alten Segelfahrzeuge. Rössler, der auf schnellen Yachten groß geworden ist, schätzt die Zeit auf Greta sehr. „Man läuft ein paar Grad weniger Höhe und ein paar Knoten langsamer. Dafür ist es die perfekte Entschleunigung.“

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