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Handball : SG Flensburg-Handewitt: Katerstimmung bei den Fans

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der vollbesetzten Club 100 Lounge haben etliche Fans der SG Flensburg-Handewitt beim Finale um den Deutschen Handballpokal mitgefiebert.

Flensburg | „Jaaaaa!“ Der Jubel ist selbst vor der Club 100 Lounge an der Campushalle nicht zu überhören. Es ist Sonntagnachmittag, kurz nach 16 Uhr. Noch ist die Welt in Ordnung in der vollbesetzten Bar. Sie ist bis auf den letzten Platz gefüllt mit Handball-Fans der SG Flensburg-Handewitt. Die Mannschaft kämpft zur Sekunde im Finale des Deutschen Handball-Pokals. Und das offenbar vor allem mit ihren Nerven.

Holger Jensen schlägt mit der Faust auf den Tisch. „Das gibt es doch nicht.“ Dann ist er wieder ruhig, geradezu lethargisch. Der Blick des 52-Jährigen weicht keinen Augenblick von der Leinwand, auf der das Endspiel übertragen wird. Auch die übrigen Zuschauer, weit mehr als 100, harren auf ihren Barhockern aus, die Augen starr nach vorn gerichtet.

Einige sind in SG-Trikots gekommen, Holger Jensen hat sich einen Fanschal umgehängt. „Seit 20 Jahren habe ich eine Dauerkarte“, sagt er während einer Auszeit. „Schon als Schüler war ich bei Spielen dabei.“ Damals habe der Verein noch TSB Flensburg geheißen und in der Sporthalle der Kurt-Tucholsky-Schule gespielt.

Es ist stickig, leichter Schweißgeruch liegt in der Luft in der Club 100 Lounge. Doch das interessiert niemanden. Zu spannend ist der Spielverlauf in der zweiten Halbzeit. „Der Puls ist ganz schön hoch“, sagt Holger Jensen. „Ich habe gedacht, dass die SG das Spiel souverän gewinnt.“ Davon ist das Team jedoch weit entfernt. Als die Flensburger nach einer gelungenen Abwehraktion einen Gegenstoß starten, klatschen einige Zuschauer rhythmisch. Davon bekommen die Handballer in der Hamburger Halle natürlich nichts mit. Doch die Fans brauchen irgendein Ventil, um ihre Emotionen herauszulassen. Der Ball ist drin. Ohrenbetäubender Jubel, die Stimmung steigt.

Dann erzielt Konstantin Igropulo den nächsten Treffer für die Berliner. „Beim Griechen gehen wir die nächste Zeit nicht essen“, sagt Holger Jensen lachend zu seiner Frau. Igropulo ist zwar Russe, aber seine Familie stammt aus Griechenland. Holger Jensen ist das egal. Anders als mit Galgenhumor ist die Situation für ihn nicht zu ertragen. Flensburg schafft es nicht, dem Spiel eine Wende zu geben, fast immer laufen sie einem knappen Rückstand hinterher. Daher werden auch die Zuschauer in der Lounge ungeduldig. Jede Entscheidung des Schiedsrichter-Gespanns wird lautstark kommentiert. Für Flensburg ist es das vierte Pokal-Finale in Folge, gewonnen haben sie davon keines. Auch dieses Mal nicht. Direkt nach der Schlusssirene ist es still in der Lounge, keiner sagt etwas. Einige schütteln mit dem Kopf, andere wischen sich mit einer Hand durch das Gesicht. Wortlos verlassen die Fans die Bar. Zwei Minuten nach Spielende ist die Lounge zur Hälfte geleert. Die Fans, die fünf Minuten zuvor noch mit ihrer Mannschaft fieberten, verteilen sich in alle Himmelsrichtungen. Holger Jensen gehört zu den letzten Gästen in der Lounge. „Die Chance war groß dieses Jahr, doch nächstes Jahr ist ein neues Jahr“, sagt er resigniert und geht.

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