zur Navigation springen

Flensburger Bahnhof : Sexueller Übergriff von Flüchtlingen auf Frau war frei erfunden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Nordafrikaner sollten eine Frau in Bahnhofnähe belästigt haben. Wochen später kam die Anzeige. Zu Unrecht.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2016 | 11:10 Uhr

Flensburg | Am 25. Januar meldete eine 61 Jahre alte Frau mit vierwöchiger Verspätung einen sexuellen Übergriff durch Flüchtlinge auf dem Flensburger Bahnhof. Die Bahnhofshalle, damals noch Durchgangsstation für Tausende Flüchtende, soll am Dienstag, 29. Dezember, Tatort gewesen sein. In aller Öffentlichkeit hätten zwei Nordafrikaner eine Frau sexuell belästigt. Nun stellt sich heraus: Das stimmte nicht.

Dass männliche Flüchtlinge gegen Frau sexuelle Gewalt ausüben könnten ist ein oft geschürtes Vorurteil. Der Flensburger Alarm passte perfekt in die bundesweit grassierende Hysterie, die den Ereignissen der Silvesternacht vom Kölner Hauptbahnhof folgte.

Die Schilderung des damals – vermeintlich – Beobachteten war ziemlich detailreich. Um 17.45 Uhr wollte die Zeugin beobachtet haben, wie einer von zwei jungen Nordafrikanern eine Frau in der Bahnhofshalle unsittlich berührte, während der Zweite sich dazu selbst befriedigte. Das Opfer habe lautstark protestiert, sie – die Zeugin – habe sich eingemischt, die Täter vertrieben, sich um die weinende Frau gekümmert, die ärztliche und polizeiliche Hilfe abgelehnt habe. Die Frau sei in einen Zug nach Kiel eingestiegen, ihre Spur habe sich verloren.

Der Flensburger Ratspolitiker Heinz-Werner Jezewski gehörte damals zu den zahlreichen Helfern, die sich in der Flüchtlingshilfe engagierten. Er hatte die damals erfolgte Publikation in den Medien verfolgt und hakte Wochen später nach, was aus der polizeilichen Fahndung geworden war. Zu seiner Überraschung erfuhr er, dass die Ermittlungen eingestellt worden waren, weil sich die Beschuldigung gegen Unbekannt nicht aufrecht erhalten ließ. Heinz-Werner Jezewski fand: „Dann muss man auch diesen Teil der Geschichte erzählen.“ Als Flüchtlingshelfer ist es ihm wichtig, dass nicht auf diese Weise Vorurteile, Vorbehalte und Unfrieden genährt werden.

Ulrike Stahlmann-Liebelt bestätigte als Sprecherin der Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens. Die Ermittlungen hätten keinen Hinweis erbracht auf ein solches Geschehen. Als Zeugen befragte Bundespolizisten, die in unmittelbarer Nähe des angeblichen Tatorts waren, hätten nichts gesehen.

Nach dieser ersten Ermittlungsrunde, so Polizeisprecherin Franziska Jurga, sei die Zeugin nochmals befragt worden. Die Frau sei dann in dieser zweiten Zeugenvernehmung von der ursprünglichen Darstellung abgerückt und habe gesagt, sei sei von den Polizeibeamten bei der Aufnahme der Anzeige missverstanden worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert