Twedter Plack Flensburg : Selfie-Spaß im Parklet am Plack

Nordlichter-Spaß: Die Facebook-Freunde um Anet Schumer (vorn) probieren die Parklets am Twedter Plack aus.
Nordlichter-Spaß: Die Facebook-Freunde um Anet Schumer (vorn) probieren die Parklets am Twedter Plack aus.

Facebook-Freunde des Tageblatts sind jedoch geteilter Meinung über diesen Beitrag des städtischen Verkehrsexperiments

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20. Juli 2018, 06:11 Uhr

Diese Nordlichter gehen zum Lachen nicht in den Keller, sondern lümmeln sich für ein lustiges Selfie schon mal in einem der vier Parklets in Flensburg. Die Facebook-Gruppe, die sich „Ü30-Nordlichter haben Spaß“ nennt, wirbt mit dem Foto für das sommerliche Verkehrsexperiment der Stadt. Seit dem 28. Juni und bis September laufen „vier Leuchtturm-Projekte“ (wir berichteten), darunter die vier Parklets. Die hölzernen und bepflanzten Sitzecken sind ursprünglich eine amerikanische Erfindung und besetzen in Flensburg jeweils einen Parkplatz am Twedter Plack in Mürwik, in der Norderstraße, in der Angelburger Straße und – in Form eines Fahrradständers – am Zob.

Fotografin Anet Schumer und ihre fröhlichen Freunde betrachten die Sitzgelegenheiten als Aufwertung: „schön und einladend“. Das Foto mit Botschaft hat im Facebook-Auftritt des Flensburger Tageblatts bislang fast 4500 Menschen erreicht und eine Diskussion entfacht. „Viel mehr von den Dingern!“, kommentiert zum Beispiel Sven Wölk aus Flensburg und kritisiert das „ständige Rumgeheule wegen der angespannten Parksituation“. Um die Lage zu entspannen, empfiehlt er nur denen mit dem Auto in die Stadt zu fahren, die keine andere Möglichkeit haben, und rät aus gesundheitlichen Gründen zum Umstieg aufs Rad.

Der Flensburger Martin Jahn sieht das Projekt als Schritt zu „mehr Gerechtigkeit bei der Nutzung des öffentlichen Raumes“ und erinnert die Kritiker daran, dass es nur verhältnismäßig wenige Parkplätze wegfallen.

Auch der Facebook-Nutzer mit dem Namen Björn Bond begrüßt die „super Idee“ und schreibt: „Wir nutzen das Parklet, um uns mit Freunden zu treffen.“ Ein Facebook-Freund namens Rolf G. Balearis ist skeptisch, dass die Möbel das Experiment heil überstehen. Er befürchtet, dass das von Steuern bezahlte (und vom JAW gezimmerte) Werk früher oder später Vandalen zum Opfer fällt.

Stefan Krüger äußert einen Zwiespalt: Einerseits befürwortet er die Sitzgelegenheiten, andererseits bezweifelt er stark, dass dafür „Parkmöglichkeiten geopfert werden mussten“. Seine Vermutung: Die Parkplätze sollten ohnehin entfernt werden. „Wenn es jemanden interessiert, wie man dasselbe Ergebnis erzielt hätte, ohne, dass es auch nur einen Parkplatz gekostet hätte, der sollte mal mit offenen Augen durch die Neustadt fahren.“

Ebenfalls hin und hergerissen ist Julia Gäckle, die der Maßnahme zwar etwas abgewinnen kann, sie aber für „vollkommen falsch platziert“ hält. „Hier in der Angelburger Straße gibt es nun wirklich kaum Parkplätze, dafür aber mehrere Restaurants, Dönerbuden und Kneipen.“ Sie sehe nie jemanden in den Parklets sitzen, was nicht verwunderlich sei: Denn außer herunterfahrender Busse und Autos gebe es hier „nichts zu bewundern“. Noch ein Nachteil: „Leider parken nun immer mehr Leute auf den Gehwegen, weil sie schlichtweg keine andere Wahl haben.“ Sie fügt hinzu, dass sie kein Auto habe, zu Fuß gehe oder mit dem Bus fahre.

Nico Köster drückt seine Meinung weniger diplomatisch aus: Mit diesem „Blödsinn“ würden die ohnehin wenigen Parkplätze blockiert. Er sagt: „Sitzecke gerne, aber woanders.“ Auch Beate Selle-Sander findet die Parklets „total blöd“. Die Flensburgerin erklärt, dass sie jede Woche eine fast 90-jährige Frau zum Friseur bringe und „nie einen Parkplatz“ bekomme. Auf dem Behinderten-Parkplatz parkten Leute, „die nicht behindert sind“, höchstens im Kopf, schreibt sie zynisch.

Und Frank Fischer wüsste jemanden, der sich für die Parklets auf jeden Fall begeistern würde: „Tante Maaß und ihre Martha hätten bestimmt auch ihre Freude dran.“

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