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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 17:36 Uhr

Infarkt : Sekunden zwischen Leben und Tod

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Szenen aus dem Notarzt-Alltag: Ohne engagierte Ersthelfer sinkt die Überlebenschance drastisch

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2014 | 12:30 Uhr

Es geschieht um die Mittagszeit an einem Donnerstag. Notarzt Jonas Rothbath und Rettungsassistent Harald Ewers machen gerade ihre Mittagspause, als in Harrislee ein 73-jähriger Mann die Filiale einer Bäckerei betritt. Kurze Zeit später kippt der ältere Herr plötzlich und unvermittelt um, Herz-Kreislauf-Stillstand. Sekunden später sind Ersthelfer vor Ort. Notruf und Hilfe übers Telefon. Unter Anleitung des Disponenten der Leitstelle in Harrislee beginnt eine Frau sofort mit der Reanimation.

Zur gleichen Zeit schrillen die Funkmeldeempfänger von Notarzt und Rettungsassistent auf der Wache am Franziskus-Hospital. Keine Minute später rücken Rothbath und Ewers im Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) in Richtung Harrislee aus. „Bewusstseinsstörungen bei einem männlichen Patient, Reanimation eingeleitet“, funkt die Leitstelle, die Uhr tickt. Mit Blaulicht und Martinshorn steuert Ewers den BMW durch den Stadtverkehr, es dauert keine fünf Minuten, dann sind sie am Einsatzort. Notarzt und Rettungsassistent lösen die erschöpfte Ersthelferin bei der Herzdruckmassage ab. Eine Minute später trifft der Rettungswagen ein, das Team ist komplett.

Drei Rettungsassistenten und ein Notarzt kämpfen fortan um das Leben des Mannes. Inkubation, Beatmung. EKG. Zugänge werden gelegt, Medikamente aufgezogen. Immer wieder wird der Mann defibrilliert, um das Kammerflimmern zu durchbrechen. Elf Minuten nach dem Eintreffen des Notarztes schlägt das Herz wieder, der Kreislauf kehrt zurück. Leider nicht von Dauer. Sekunden später folgt erneut ein Herz-Kreislauf-Stillstand. Adrenalin und Blutverdünner werden injeziert. Drei Minuten später, vier erlösende Worte. „Wir haben einen Kreislauf“, sagt Rothbath.

Jetzt geht alles sehr schnell. Der 73-Jährige wird auf die Trage gelegt und schnellstens in die Notaufnahme gebracht, wo bereits ein Ärzteteam wartet. Nach der Untersuchung im Herzkatheterlabor kommt der Patient auf die Intensivstation. Der Mann ist jetzt stabil. Ob Folgen bleiben ist unklar, aber klar ist: Rettungsdienst und Notarzt, vor allem aber die Ersthelfer haben dem Mann das Leben gerettet.

„Da kann man sehen wie wichtig es ist, dass vor Ort jemand anfängt mit der Reanimation“, sagt Notarzt Rothbarth. „Jede Minute, in der nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand keine Reanimationsmaßnahmen eingeleitet werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit zu überleben dramatisch“.

Die Frau, die an diesem Tag durch Zufall zur gleichen Zeit in der Bäckerei vor Ort war und ohne großes Zögern handelte, hat alles richtig gemacht und mehr als vorbildlich gehandelt. „Wirklich etwas falsch machen kann man in diesen Fällen nicht,“ sagt Rothbath. „Nur nichts zu tun ist falsch!“

 

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