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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 19:34 Uhr

Wees : Seit 60 Jahren verheiratet

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gerda und Bruno Schulz feiern heute Diamantene Hochzeit.

Wees | Nach Abschluss ihrer hauswirtschaftlichen Lehre war die Leitung des Speisesaals in der Heilstätte Satteldüne auf der Insel Amrum für Gerda Schmidtke die erste berufliche Station. Dort traf sie den Malergesellen Bruno Schulz, der im Auftrag seiner Flensburger Firma in der Heilstätte tätig war. Seinetwegen wechselte Gerda Schmidtke später in einen Flensburger Haushalt und dann als Stationsmitarbeiterin in das Haus Pniel der Diakonissenanstalt. Vor genau 60 Jahren heiratete das Paar und begeht heute das Fest der Diamantenen Hochzeit.

Die 80-jährige Jubilarin wurde in der Nähe von Tilsit im früheren Ostpreußen geboren. Bei Kriegsende geflüchtet, fand die Familie in Sittensen in Niedersachsen ein neues Zuhause. „Nach Abschluss der Lehre auf einem Bauernhof folgte ich dann dem Vorschlag einer Nachbarin und ging nach Amrum.“

Der junge Mann, den sie auf der Insel traf, ist heute 86 Jahre alt und stammt aus Danzig. Dort erlebte er den Beginn des Zweiten Weltkrieges durch die Beschießung und Bombardierung der Westerplatte, einer polnischen Enklave mit Munitionsdepot innerhalb des Danziger Hafengebietes und zwei Kilometer vom Elternhaus entfernt, unmittelbar mit. Gegen Ende des Krieges entzog er sich einem Gestellungsbefehl als Flakhelfer. Im Rahmen der Flucht getrennt, kam die Familie später in Flensburg wieder zusammen. Dort absolvierte Schulz eine dreijährige Malerlehre, die er 1950 abschloss. Ein Auftrag führte ihn schließlich 1953 nach Amrum.

Nach der Heirat wohnte das junge Paar zunächst in einem Zimmer. Durch eisernes Sparen und mit familiärer Unterstützung wurde 1959 das heute noch bewohnte Haus in Wees erbaut. 1964 kam Sohn Frank zur Welt. Viele Jahre half Gerda Schulz ihrer Schwiegermutter auf einen Marktstand für Obst und Gemüse. Schließlich arbeitete sie noch zehn Jahre lang in den Seniorenwohnanlagen Valentiner Hof und Friesischer Berg und ging 1996 in Rente. Ihr Mann war bereits 1982 frühverrentet worden. Die langjährige Arbeit mit Farben, chemischen Flüssigkeiten und Dämmstoffen hatte seine Lunge schwer geschädigt.

Gemeinsames Hobby der Eheleute war der 3000 Quadratmeter große Garten mit Teichen, Volieren und Terrarien. Dort hielten sie viele Arten von Reptilien, Vögeln und Fischen. Mit ihnen und mit vom Jubilar gemalten Bildern und Porträts beschickten sie einige Ausstellungen. Mittlerweile muss das Paar dem Alter Tribut zollen und hat die Arbeit im Garten deutlich zurückgefahren. Dort fanden sie auch immer Erholung, in den Urlaub fuhren sie nie.

Dankbar sind beide für eine tolle Nachbarschaft. „Wir haben hier eine gute Ecke zu fassen!“ Am heutigen Festtag gibt es einen Empfang, und morgen schließt sich ein Essen in kleinem Kreise an.

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