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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 10:33 Uhr

Naher Osten : Sehnsucht nach Israel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Cliff Lüers aus Handewitt reist seit fast 40 Jahren in den Nahen Osten und lebt die fremde Kultur in Deutschland.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2016 | 13:00 Uhr

Handewitt | Wenn man Cliff Lüers fragt, was ihm am besten an Israel gefällt, weiß er gar nicht, wo er anfangen soll. „Das Land, die Menschen und die Kultur“, sagt er und gerät ins Schwärmen. Im Wohnzimmer seines Hauses in Handewitt steht eine israelische Flagge, daneben die deutsche. Aus dem Radio tönt leise die Musik des Senders „The Voice of Peace“ (Die Stimme des Friedens). Israel ist für den 53-Jährigen nicht irgendein Land, in dem er gern Urlaub macht: „Es ist meine zweite Heimat.“

Während andere Leute nach Mallorca oder in die Türkei fliegen, zieht es Cliff Lüers, der kein Jude, sondern Christ ist, zweimal im Jahr in den Nahen Osten. Und das seit fast 40 Jahren. „Die Liebe zu Israel wurde mir in die Wiege gelegt“, erzählt er. Und zwar durch seinen Vater. Dieser hatte während seines Studiums für sechs Monate in einem Kibbuz – einer Gemeinschaftssiedlung – gearbeitet. „Seitdem haben ihn Land und Leute nicht mehr losgelassen“, so Lüers, der in Langballig aufwuchs. Über 50 Aufenthalte verbrachte der Vater im Nahen Osten. 1974 flog der damals elfjährige Cliff Lüers zum ersten Mal mit. An die Ankunft in Tel Aviv erinnert er sich noch genau: „Als das Flugzeug zum Landeanflug auf den Ben-Gurion-Airport ansetzte, kam aus den Lautsprechern das Lied ,Shalom Aleichem‘. Alle Passagiere sangen lautstark mit und beim Aufsetzen feierten, lachten und freuten sie sich, wieder in der Heimat zu sein. Ich war begeistert und sprachlos.“

Zwölf Jahre lang verbrachte Cliff Lüers, der Prokurist beim Verkehrsunternehmen „Die Linie“ im Hamburger Raum ist, jeden Sommer vier Wochen in Netanya und bereiste von dort aus das ganze Land. Das Tote Meer, den Gaza-Streifen, Jerusalem und das Grab von Jesus Christus hat er gesehen. Außerdem schlossen die Lüers Freundschaften mit einigen Israelis. Eine besondere Beziehung entwickelte sich Ende der 1970er Jahre zu einer Familie, die der Handewitter auf jeder Reise besucht und die auch in Deutschland war.

In Cliff Lüers’ Elternhaus in Langballig drehte sich alles um das Land am Mittelmeer. Im Garten wehte die blau-weiße Flagge mit dem Davidstern, im Haus hörte die Familie Radioprogramme, die sie während des Urlaubs auf Kassette aufgenommen hatten. Im Dorf kam die Israel-Liebe nicht bei allen gut an. „Manchmal ist mein Vater als ,Judenschwein‘ beschimpft worden“, sagt der 53-Jährige. Als der Vater vor sechs Jahren starb, wollte er in Israel beerdigt werden. Doch statt eines Grabes bekam er einen Baum, den Cliff Lüers dort für ihn pflanzte.

Wie seinen Vater begleitet auch ihn die Liebe zu Israel im Alltag. So bestellt er ab und zu israelische Lebensmittel aus einem speziellen Online-Shop und isst gerne Humus. Auch die Radiosender aus seiner „zweiten Heimat“ hört er regelmäßig über das Internet. Eine Fahne hängt jedoch nicht im heimischen Garten, denn seine Frau habe Angst, öffentlich zu dem Land zu stehen. Er selbst habe nach eigener Aussage kein Problem damit, von seiner Begeisterung für den Staat in der Öffentlichkeit zu erzählen. Im Gegenteil: „Ich stehe dazu“, betont er. Begeistert erzählt er von der Herzlichkeit der Einheimischen, die die Deutschen sehr mögen, und den spontanen Gesprächen während einer Busfahrt. Ein paar Sätze auf Hebräisch könne er sagen, doch es fehle ihm die Zeit, um die Sprache richtig zu lernen. Zu gerne möchte er nach Israel auswandern, doch das würde seine Frau nicht mitmachen. Auch wenn er sie und die beiden Söhne Brian und Tim, 26 und 25 Jahre alt, mit dem Israel-Fieber angesteckt hat. Allerdings sei nur Brian so verrückt wie er, sagt er und lacht. Der habe sich seinen Vornamen auf Hebräisch auf den Arm tätowieren lassen.

In seinem Freundes- und Bekanntenkreis ist er ein Exot, und oft bekommt er den Satz „Ich kenne keinen, der da hinfährt“, zu hören. Cliff Lüers erklärt, dass die meisten Menschen bei Israel immer nur an die politische Situation und den Krieg denken. Natürlich, sagt er, gebe es Probleme. Ihm gefalle es zum Beispiel nicht, dass die Einwohner ihr Land nur mit dem Flugzeug verlassen können. „Einfach mit dem Auto über die Grenze fahren, geht nicht.“ Dass Israel kein sicheres Land ist, kann Cliff Lüers nicht bestätigen. Man wird, erzählt er, an vielen Orten kontrolliert. So müsse man in einem Einkaufszentrum durch eine Sicherheitsschranke gehen. „Am Flughafen läuft das Sicherheitspersonal nicht mit Waffen herum, sondern es ist getarnt, zum Beispiel als Feger“, fügt er hinzu. „Wenn etwas passiert, sind sie sofort da.“

Um seine Freunde macht er sich trotzdem Sorgen. Vor kurzem habe es in Israel 70 Brände gegeben und er war erleichtert, als er hörte, dass es allen gut geht. Für die Zukunft seiner „zweiten Heimat“ hat er nur einen Wunsch: „Ich möchte, dass es in Israel endlich Frieden gibt“, sagt er und schaut aus dem Fenster.

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