zur Navigation springen

Leuchttürme : Seezeichen für Dänen und Deutsche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Gleichtakt blinkt das Leuchtfeuer Holnis rot, weiß und grün in Richtung Flensburg und Ostsee. Es ersetzte 1967 den Turm von 1896.

Glücksburg | Das rot-weiß gestreifte Wahrzeichen in Glücksburg-Schausende wäre noch lange nicht an der (historischen) Reihe, wenn da nicht sein Vorgänger gewesen wäre, das erste Leuchtfeuer Holnis. „Im Jahre 1896 ließ das ‚Königliche Staatsministerium zu Berlin‘ das Leuchtfeuer Holnis bauen“, schrieb Johannes Stüdtje 1976 im dritten Band der Chronik Munkbrarup. Und fuhr fort: „Es besteht aus einem Leuchtturm, woran das Wohnhaus für den Leuchtfeuerwärter angebaut ist und aus einem Wirtschaftsgebäude.“ Der Turm hatte Stüdtje zufolge eine Landhöhe von 12,70 Metern. Der Standort war der höchste der Umgebung und – hier ein kleiner Hinweis für Ortskenner – von Kobbellück aus über Schausende zu erreichen.

Schon damals hatte das Leuchtfeuer mit seinen in der Chronik verzeichneten 14 Seemeilen Sichtweite die Aufgabe, „ein sicherer Wegweiser für alle Schiffe zu sein, die bei Tag und Nacht von der Ostsee her Flensburg anfahren bzw. für die, welche Flensburg verlassen, um in die Ostsee und auf das weite Weltmeer hinauszufahren.“ Für die Funktionstüchtigkeit sorgte ein Leuchtfeuerwärter. Der erste war ein Piepkorn, dessen Vorname und Geschlecht in der Chronik nicht genannt werden. Es ist davon auszugehen, dass diese Arbeit zu der Zeit Männern vorbehalten war, und es ein Herr Piepkorn gewesen sein muss, der von 1896 bis 1910 seinen Dienst im steinernen Bauwerk leistete. Auf seinen Antrag hin wurde ihm 1897 ein Gehilfe zur Seite gestellt. Die Chronik verzeichnet die Gehilfen Clausen und Schwete sowie den Hilfswärter Chr. Hansen aus Schausende.

Die Männer leisteten körperliche Arbeit. Per Schiff wurden Energiequellen wie Kohle geliefert, wie Frenz Stüdtje berichtet. Er ist der Sohn von Chronist Johannes Stüdtje und Vorsitzender des Kirchspiel-Archiv-Vereins in Munkbrarup. Dort, wo heute der Badesteg an der Promenade in Schausende steht, sei damals ein Schiffsanleger gewesen, erinnert sich Frenz Stüdtje. Der Anlager soll etwa 1960 verschwunden sein.

Das erste Leuchtfeuer war anfänglich mit Fresnelschen Apparaten ausgestattet, die mit Petroleum befeuert wurden. Sohn Frenz ergänzt, dass später mit der Kohle auch Gas für den Leuchtfeuerbetrieb geliefert worden sei.

So verlässlich wie der Betrieb des Signals sein musste, so verlässlich waren wohl auch die Leuchtfeuerwärter. Auf den ersten Amtsinhaber Piepkorn, der 14 Jahre seine Arbeit verrichtete, folgte 1910 Hans Hinrichsen, der bis 1946 als Leuchtfeuerwärter geführt wurde. Ihm folgte, jedoch nur vier Jahre lang, ein Herr Neumann. Dessen Nachfolger Kalkbrenner blieb wieder länger, von 1950 bis 1961. Ihm half damals die erste Gehilfin, eine Frau P. Kalkbrenner.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts verfüget der Regierungspräsident in Schleswig weitere Aufgaben. So ordnete er 1906 an, alle zwei Stunden die Nachbarfeuer Richtfeuer Rinkenis und Laagmai zu beobachten.

Als Einkommen nennt Johannes Stüdtje 600 Reichsmark. Das Geld zahlte die Königliche Wasserbauinspektion aus. Der Gehilfe erhielt sein Gehalt in Geld und Naturalien. Der Wärter hatte die Möglichkeit eines Zubrots, war das Leuchtfeuer damals doch noch öffentlich zugänglich. Im April 1901 zahlte ein Besucher 30 Pfennige. Von den Jahreseinnahmen konnte der Wärter, nach Abzug der Unkosten, 150 Mark behalten.

Heute ist das Gelände mit Turm und Schalthaus der Öffentlichkeit verschlossen. Die am Leuchtturm installierte Funkanlage nutzen der Zoll, das Wasser- und Schifffahrtsamt und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Nur Techniker wie Thomas Saloschin (33) dürfen während der Arbeit einen Blick auf die Förde mit dem angrenzenden Dänemark werfen. Alle drei Monate steigt der Elektroinstallateur des Wasser- und Schifffahrtsamtes die Wendeltreppe hinauf. In 26 Metern Höhe wechselt Saloschin eine der beiden Glühbirnen, die Signale in Leitsektor, Steuerbordwarn- und Orientierungssektor senden. Dem Elektriker gefällt, was er tut. „Ich arbeite dort, wo andere Urlaub machen“, sagt er und genießt: „Hier oben ist kein Publikumsverkehr.“ Dafür gehören auch andere Aufgaben zu seiner Tätigkeit. Saloschin putzt regelmäßig das Leuchtfeuer und auch die Außenverglasung.

Der Ersatz für den in die Jahre gekommenen Leuchtturm ist 1964 errichtet und in den folgenden Jahren ausgestattet worden. Am 26. Mai 1967 berichtete unsere Zeitung von der Inbetriebnahme des 450 000 Mark teuren Turms am 10. Mai. Er ersetzte ein „feuchtes Ungetüm“.

 

zur Startseite

von
erstellt am 07.Apr.2015 | 11:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen