Maasholm : Seenotretter ziehen Bilanz

Seenotretter aus Überzeugung: die Maschinisten Dirk Doose (v.l.) und Reinhold Schulz mit Vormann Dirk Höper.
Seenotretter aus Überzeugung: die Maschinisten Dirk Doose (v.l.) und Reinhold Schulz mit Vormann Dirk Höper.

Hauptamtliche Einsatzkräfte werden 2018 von Maasholm nach Olpenitz verlegt. Vormann spricht von einem normalen Einsatzjahr

shz.de von
22. Dezember 2017, 16:35 Uhr

Ein letztes Mal ziehen die Seenotretter in Maasholm Bilanz, denn: Auf Weisung der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen werden sie im Laufe des kommenden Jahres ins Ostseeresort Olpenitz verlegt. Wann genau das sein wird, da gibt es noch einige Fragezeichen. Denn ausgestattet werden die neun Hauptamtler mit einem neuen Seenotkreuzer, der noch gebaut wird. Wenn der fertig ist, heißt es „good bye Maasholm“. Dann werden die neun Hauptamtler in einem noch im Bau befindlichen Unterkunftsgebäude in Olpenitz stationiert.

Zu denen, die derzeit Dienst an Bord – noch bis zum 27. Dezember – haben, gehören neben Vormann Dirk Höper die Maschinisten Dirk Doose und Reinhold Schulz. Sie stehen seit etlichen Jahren in Diensten der DGzRS und sind gebürtige Maasholmer. Der 57-jährige Reinhold Schulz war einst Matrose auf einem Fahrgastschiff und wechselte 1986 zur DGzRS. Der 53-jährige Dirk Höper, ehedem selbstständiger Fischwirtschaftsmeister in Maasholm, ist seit 2003 dabei – seit 2011 Vormann der Crew. Mit seinen 44 Jahren ist Dirk Doose, gelernter Maschinenbauer, „unser Jüngster“ und gehört seit zehn Jahren dazu.

Was nun die diesjährige Einsatzstatistik betrifft, so spricht Vormann Dirk Höper rückblickend auf 2017 von 57 Hilfeleistungen, zwölf Kranken- und Verletzten-Transporten für insgesamt 468 Personen. Unternommen wurden 180 Kontrollfahrten im Bereich zwischen Eckernförde und Langballigau – dabei wurden insgesamt 3754 Seemeilen zurückgelegt.

Hinter den nackten Zahlen verbergen sich Ereignisse, an die sich Höper, Doose und Schulz noch gut erinnern. Da musste nicht nur Wasser aus Booten gelenzt werden, da galt es auch, auf Grund gelaufene Boote wieder flott zu machen. In einem anderen Fall gab es an Bord einen Ausfall der Maschinen. Die Crew mit der „Nis Randers“ war rasch zur Stelle und leistete Schleppdienste zum Flensburger Hafen. DGzRS-Hilfe gab es auch auf der Schlei für ein Fahrgastschiff, das mit 250 Passagieren an Bord unterwegs war und Probleme hatte. Auf der Flensburger Förde bei den Ochseninseln hatte sich ein anderes Fahrgastschiff mit einer Hochzeitsgesellschaft an Bord festgefahren – die Seenotretter schleppten das Schiff frei.

Die Seenotretter können sich auch noch gut an jenen Tag im Sommer erinnern, als eine Frau in Schleimünde ins Wasser gefallen war. Die Seenotretter holten sie heraus, verständigten den Rettungsdienst und sorgten dafür, dass die völlig unterkühlte Frau von Maasholm aus ins Krankenhaus transportiert wurde. Hilfe wurde auch geleistet, als auf einem Traditionssegler die Füße einer hochschwangeren Frau so stark angeschwollen waren, dass sie nicht mehr laufen konnte. Auch sie versorgten die Retter aus Maasholm. Schließlich unvergessen ist auch noch einen Unfall auf einem Fahrgastschiff auf der Schlei zwischen Maasholm und Kappeln. Dort war ein Vater mit seiner vierjährigen Tochter auf dem Arm gestürzt – die Seenotretter halfen. Gerufen wurden sie zudem, als sich ein Segler im Maasholmer Yachthafen sein neues Hüftgelenk brach. Wieder lief die Hilfsmaschinerie Seenotretter/Rettungsdienst an – der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht. Für die Hauptamtler ist das Alltag, und deshalb spricht Vormann Höper mit Blick auf 2017 auch von einem „normalen Jahr“.

Die Abzug der hauptamtlichen Seenotretter aus Maasholm hat in der Gemeinde für großes Unverständnis gesorgt. DGzRS und Maasholm – das gehöre zusammen, hieß es. Dies bekräftigten auch die Gemeindevertreter immer wieder, schon als vor eineinhalb Jahren bekannt wurde, dass die Verlegung stattfinden werde. Alle Bemühungen die hauptamtlichen Retter in Maasholm zu halten, scheiterten jedoch. Was bleibt ist eine Rettungsstation mit einer Freiwilligen-Crew und dem Rettungsboot „Nis Randers“ als Reserveschiff. Da die Schumacherbrücke, der übliche Liegeplatz für die „Nis Randers“, zurzeit abgerissen und dann durch einen Neubauersetzt wird, liegt das Schiff bis zur Fertigstellung an Steg E in der Schleigemeinde. Von dort aus können die Seenotretter, während sie auf ihren nächsten Einsatz warten, die Baufortschritte an der neuen Brücke beobachten.

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