"Santiano" : Seemanns-Pop frisch von der Förde

Im Studio am Harnis: Pete Sage (mit Geige), Axel Stosberg und Andreas Fahnert. Foto: Staudt
Im Studio am Harnis: Pete Sage (mit Geige), Axel Stosberg und Andreas Fahnert. Foto: Staudt

Heute kommen Band und Song "Santiano" auf den Markt / Alte Haudegen peppen maritime Lieder auf und drehen an großen Rädern

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03. Februar 2012, 07:45 Uhr

Flensburg | Heute werden die Anker gelichtet, die Segel gehisst und die Leinen losgeworfen. "Santiano" legt ab und wird, wenn alles läuft wie geplant, ganz Deutschland mit neuer maritimer Popmusik überfluten. Es ist ein regelrechter Coup, der da in einem unscheinbaren Bungalow am Harnis ausgeheckt wurde: Fünf echte Kerle, alte Haudegen der Bühne, gestandene Barden und Meister der Saiten haben sich ein halbes Dutzend alte Songs vorgeknöpft, noch mal so viele neue dazu geschrieben und alles zusammen dermaßen fetzig verpackt und verpoppt, dass bei den Videodreharbeiten im Museumshafen die Schwäne im eisigen Hafen mit rockten.

Ab heute ist das Album "Bis ans Ende der Welt" von "Santiano" auf dem Markt. Beworben wird es bundesweit schon seit Tagen, und zwar im großen Stil als TV-Werbung auf den Privatsendern, aber auch auf der Homepage der Plattenfirma Universal (www.universal-music.de). Natürlich kann man es, ebenso wie einzelne Songs, auch bei Amazon oder I-Tunes online erwerben.

Die Geschichte der Band ist das Gegenteil einer synthetischen Kopfgeburt aus dem Studio. Es war bei einer Party der Soundtüftler von Elephant Music (Hardy Krech, Mark Nissen und Annett Lorenzen-Krech). "Da wurde irgendwann natürlich auch gejamt", berichtet Andreas Fahnert. Pete Sage, der sich zusammen mit Fahnert ein Studio im Elefanten-Haus am Harnis teilt, war ebenso dabei wie der Schauspieler und Sänger Axel Stosberg, der musikalische Altfreund Timm Hinrichsen alias Timmsen und der nordfriesische Kollege Björn Both, Gründer der legendären "Late September Dogs". Irgendwann war der Zeitpunkt für Seemannslieder gekommen, und was die Partygäste da an fetziger Mugge aus ihren Instrumenten zauberten, begeisterte Hardy und Mark sofort und ließ ihnen keine Ruhe mehr.

"Und dann war da dieser Joe", erinnert sich Fahnert. Joe von Universal-Music, ein Musikmanager, der von dem Remake eines alten französischen Seemannsliedes infiziert war, das in Frankreich zum Hit wurde. So etwas müsste doch auch in Deutschland möglich sein! Die "Elephanten" schwärmten Joe von der Flensburger Jamsession vor und konnten ihn am Ende überzeugen. Es ging ans Schreiben, Proben, Aufnehmen, Überarbeiten. Später wurden Videos gedreht und Fotos gemacht. Es gibt Pläne für eine Live-Tournee im Herbst, denn "Santiano" ist keine Studiogeburt, sondern eine richtige Band.

Der Titelsong geht unwiderstehlich in die Gehörgänge, setzt sich dort tagelang fest und marschiert weiter in die Tanzbeine. Alle die in den 60ern und 70ern groß geworden sind, kennen die "Kaperfahrt", kennen Jan und Hein und Klaas und Pit, und auch Männer ohne Bärte gehen da sofort mit. Frauen übrigens auch. Für "Whiskey in the Jar" und "The Irish Rover" ist Pete Sage mit seiner Fiddle zuständig - auch wenn er nicht aus Irland, sondern aus Yorkshire kommt.

"500 Miles" von den "Hooters" ist dabei, und bei "David’s Song" war man vor dem Kitsch-Virus nicht ganz gefeit. "Hier darf man endlich mal richtig pathetisch sein!", freut sich Björn Both, der ebenso wie Axel Stosberg mit seiner kräftig dröhnenden Stimme ganz hervorragend zu den neuen maritimen Pop-Songs aus Flensburg passt.

Dabei ist die musikalische Handschrift der beiden Studiofüchse Krech und Nissen von Anfang bis Ende erkennbar. Sie haben aus den traditionellen Songs und den neuen Stücken charttaug lichen Pop gemacht, der im Sommer 2012 bei keinem Hafenfest fehlen darf. Gespannt sein darf man auch auf die Live-Shows. "Wir können uns das sehr gut unplugged vorstellen", sagt Axel Stosberg und denkt an einen Ort wie das "Shamrock". Doch auch über große TV-Shows werde verhandelt. Wer weiß: Vielleicht segelt "Santiano" ja auch bei der Rum-Regatta oder bei den Nautics ganz vorn mit . . .

www.santiano.de

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