Ochseninseln : Seehund-Besuch in der Flensburger Förde

Ein Sonnenbad auf einem Fels bei den Ochseninseln nahm ein Seehund in der Flensburger Förde. Foto: Sönke Behrens
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Ein Sonnenbad auf einem Fels bei den Ochseninseln nahm ein Seehund in der Flensburger Förde. Foto: Sönke Behrens

So ein Gast schaut nicht täglich vorbei: Ein Seehund genoss am Wochenende die Sonne in der Nähe der Ochseninseln bei Flensburg. shz.de-Leser Sönke Behrens hat Fotos gemacht.

shz.de von
07. Juni 2013, 04:34 Uhr

Flensburg | Paddeltour mit unerwartetem Highlight: Als Sönke Behrens am Sonntag auf der dänischen Seite der Flensburger Förde unterwegs war, blinzelte ihm plötzlich ein Seehund entgegen. "Der sonnte sich ganz entspannt auf einem Stein zirka drei Kilometer östlich der Ochseninseln", berichtet der Bootsfahrer aus Wees.
Meerestier-Experte Andreas Pfander aus Kappeln schätzt den Gast als echte Rarität ein. "Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Seehunde in diesen Gebieten quasi ausgerottet", erklärt er. Der Grund: Die Tiere wurden als Konkurrenz zu den Fischern angesehen. Eine Prämie für die Tötung der Tiere wurde ausgesetzt. "Die Fangprämie von 5 bis 10 Mark stellte einen willkommenen Zusatzverdienst für die Fischer dar", weiß Pfander.
Achtung, süß aber bissig!
Doch so langsam kommen sie zurück in die Ostsee. Bei unseren nördlichen Nachbarn, in der Nähe des dänischen Rødby, habe sich schon eine ganze Kolonie niedergelassen, sagt Pfander. Und auch in deutschen Gewässern schauen sie wieder häufiger vorbei. Vereinzelte Seehunde wurden an den Osteestränden von Schleswig-Holstein zuletzt beinahe jeden Sommer gesichtet. 2010 hatte Seehunddame "Trudi" für Aufmerksamkeit gesorgt, als sie es sich an einem strahlend schönen Tag am Strand von Eckernförde bequem machte. Ein Jahr später war es an derselben Stelle "Tilda", im Sommer 2012 meldete Damp den Besuch eines männlichen Heulers.
Müssen sich die Förde-Fischer nun um ihren Fang sorgen? "Auf keinen Fall", meint Andreas Pfander. "Sie fressen hauptsächlich nicht die Fische, die bei Menschen auf den Tellern landen". Zum Beispiel Grundeln und Landaale. Aber auch wenn die Heuler niedlich aussehen ist Vorsicht geboten. "Das Raubtiergebiss des Seehundes kann zu ernsthaften Verletzungen bei aufdringlichen Annäherungsversuchen von Menschen führen", warnt der Experte. Deshalb sei ein Sicherheitsabstand von 20 Metern unbedingt einzuhalten.
Der Seehund kommt vor allem im Atlantik und Pazifik vor. Weltweit gibt es eine halbe Million Seehunde. 90.000 davon leben an europäischen Küsten. Während der Seehund an der gesamten Nordseeküste verbreitet ist, ist er in der Ostsee eine Seltenheit. Der dortige Bestand wird auf 250 Tiere geschätzt. Die Ostsee-Seehunde leben an den Küsten dänischer Inseln und des südlichen Schwedens. Umherwandernde junge Seehunde kommen manchmal auch an deutsche Ostseeküsten.

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