Flensburg : Secop: Die Hälfte der Belegschaft soll gehen

Fünf vor zwölf statt fünf vor halb zehn: Bei Secop an der Mads-Clausen-Straße geht schon wieder die Angst um. Foto: Staudt
Fünf vor zwölf statt fünf vor halb zehn: Bei Secop an der Mads-Clausen-Straße geht schon wieder die Angst um. Foto: Staudt

Nach monatelanger Kurzarbeit will der Flensburger Kompressorhersteller Secop Mitarbeiter entlassen. Etwa 80 Arbeitsplätze sind in Gefahr.

shz.de von
20. Januar 2012, 08:08 Uhr

Flensburg | Es war endlich einmal wieder eine Erfolgsnachricht, als Fachhochschule und Kompressorenhersteller Secop am Dienstag in der FH ihr Motorkompetenzzentrum starteten: FH-Präsident Prof. Herbert Zickfeld, Institutsleiter Prof. Joachim Berg und Wirtschaftsminister Jost de Jager, der die ungewöhnliche Partnerschaft mit angeschoben hatte - sie alle fanden fast euphorische Worte für das Projekt, das die Grenzregion bei effizienter Antriebstechnik und E-Mobilität ganz nach vorne bringen soll. Endlich also eine gute Nachricht aus der Mads-Clausen-Straße, wo nach der kompletten Produktionsverlagerung der Danfoss-Kompressoren ins Ausland, der Übernahme durch Finanzinvestor Aurelius und der Kurzarbeit bei der neuen Firma Secop seit Herbst 2011 positive Meldungen rar geworden sind.
Was weder der Wirtschaftsminister noch der FH-Präsident oder der kooperierende Institutsleiter wussten: Zu diesem Zeitpunkt stand offenbar längst fest, dass Secop seine Belegschaft schon wieder mit der nächsten Hiobsbotschaft konfrontieren würde. 183 Mitarbeiter zählt die einst 2000 Beschäftigte starke frühere Danfoss-Compressors-Belegschaft noch. Es ist die bereits von 250 um fast ein Drittel dezimierte Forschungs-, Entwicklungs- und Vertriebsabteilung, die jetzt unter Secop firmiert. Und was Betriebsratschef Stefan Neubert bereits am gleichen Tag um 15 Uhr und die Belegschaft gestern Nachmittag von Secop-Chef Mogens Søholm zu hören bekam, fasste Neubert gestern so zusammen: "Fast die Hälfte der Stellen soll wegfallen, und wenn man an die Glaubwürdigkeit unserer Geschäftsleitung in der Vergangenheit denkt, dürfte es noch schlimmer kommen." Die Belegschaft ist konsterniert, die überwiegend hochqualifizierten Mitarbeiter haben Angst um ihre Jobs - und Wirtschaftsminister und FH-Präsident fühlen sich von der Secop-Spitze vorgeführt: "An der Fachhochschule und im Ministerium sind wir aus allen Wolken gefallen", schimpfte Ministeriumssprecher Harald Haase - obwohl das Motoren-Kompetenzzentrum mit seinen neun Secop-Leuten von dem neuen Aderlass zunächst unberührt bleibt.
Absatzeinbruch im vergangenen Sommer
Was Betriebsrat Neubert und Flensburgs IG-Metall-Chef Michael Schmidt am Secop-Vorgehen besonders ärgert: Mit der Entlassungsankündigung platzt Søholm mitten in die Vereinbarung über Kurzarbeit, die noch bis September 2012 läuft: "Mit der Zustimmung zur Kurzarbeit wollten wir ja gerade Entlassungen verhindern", beklagt Neubert. Er berichtet, dass die Geschäftsleitung von den Mitarbeitern, die bleiben, verlangt habe, auf Gehaltsbestandteile zu verzichten: "Damit sollen sie die Abfindungen mitfinanzieren."
Secop-Chef Søholm erklärte gestern, noch sei nichts entschieden: Der Geschäftsführer sprach von "70 bis 80 Mitarbeitern", die es treffen könne: "An einem Tag gibt es eine positive Botschaft, an einem Tag eine negative Botschaft - so ist das Leben." Seit dem Absatzeinbruch im vergangenen Sommer würden einfach zu wenig Kühlschränke gekauft - zu wenig energieeffiziente Kühlschränke mit den Secop-Kompressoren. Der neue, von Secop entwickelte, besonders energieeffiziente Kompressor soll ab Juni produziert werden. Einer wird all das nicht mehr verfolgen. Der vor zwei Jahren aus Süddeutschland geholte ambitionierte Secop-Forschungsleiter Siegfried Götz ist schon nicht mehr an Bord.

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