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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 23:57 Uhr

Harrislee : Schwimmstunde für Bootsflüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In seiner Freizeit gibt er jeden Freitag sechzehn Flüchtlingen in zwei Gruppen kostenlosen Schwimmunterricht. Schwimmmeister Jürgen Steingreber wagt sich in Harrislee an ein Projekt, das viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Flensburg | Pure Lebensfreude erfüllt die Harrisleer Schwimmhalle. Bis zur Brust im Wasser stehend, umringen sieben junge Männer aus Syrien, dem Jemen und Eritrea Schwimmmeister Jürgen Steingreber. „One, two, three: moin moin“: Lautstark erschallt die fröhliche Begrüßung. „Sie wollen unbedingt schwimmen lernen. Und sie bringen unheimlich viel Lebensfreude mit“, sagt Harrislees hauptberuflicher Schwimmmeister lächelnd: „Das färbt auch auf mich ab.“

In seiner Freizeit erteilt er jeden Freitag insgesamt sechzehn Flüchtlingen in zwei Gruppen kostenlosen Schwimmunterricht. Fast alle sind Bootsflüchtlinge, haben die Flucht über das Meer gewagt, berichtet Steingreber: „Es hat sehr viel Fingerspitzengefühl gekostet, sie ins Wasser zu bekommen, dass sie den Kopf auch einmal unter Wasser tauchen“.

Von dieser Angst ist in der Schwimmstunde nichts mehr zu spüren. Die großen Jungs springen ins Wasser, versuchen hochmotiviert die richtigen Schwimmbewegungen hinzubekommen, nach Ringen zu tauchen. Noch hat das Becken Stehhöhe; in zehn bis zwölf Stunden will Steingreber seine Schüler zum Bronze-Schwimmabzeichen führen. „Sie bringen so viel Lust und Freude mit. Und sie wollen, dass ich deutsch mit Ihnen spreche, wollen auch unbedingt deutsch lernen“, sagt Steingreber voll partnerschaftlicher Fröhlichkeit.

Viele der Flüchtlinge wollten, wenn es die Situation zulasse, in ihre Heimat zurück, erzählt er: „Das sind keine Wirtschaftsflüchtlinge“. Ein Lehrer, ein Zahnarzt, ein Elektriker, ein Medizinstudent sei unter seinen Schwimmschülern. Momentan seien es ausschließlich Männer: „Ich arbeite daran, auch die Familien ’ranzuholen“. „Danke Deutschland, ich liebe Deutschland“, ruft ein junger Syrer nach der Schwimmstunde.

Angefangen hat das ehrenamtliche Engagement Steingrebers mit einer Email des Bundesfachverbandes der deutschen Schwimmmeister. Sie wies darauf hin, dass fast hundert Prozent der Flüchtlinge Nichtschwimmer seien, dass es schon tragische Badeunfälle gegeben habe. Seitdem engagiert sich Steingreber, möchte Vorreiter sein für weitere Schwimmbäder. Yvonne Bubolz von der Gemeinde und Bürgermeister Martin Ellermann unterstützen seine Idee.

Dankbar berichtet Margret Rathje, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, dass Sport Möller und Intersport Hans Jürgensen die nötigen Badehosen gespendet haben.


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