Havetoftloit : Schwimmen in der alten Meierei

Immer den Kopf oben halten:  In dem kleinen Schimmbecken herrscht reger Betrieb.
Immer den Kopf oben halten: In dem kleinen Schimmbecken herrscht reger Betrieb.

Wo einst Milch verarbeitet wurde, geht es nun um Aqua-Fitness und das Seepferdchen-Abzeichen.

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16. Januar 2017, 16:30 Uhr

Havetoftloit | Freitagnachmittag im ehemaligen Meiereigebäude in Havetoftloit: Sechs Kinder planschen fröhlich im Pool und warten darauf, dass Heidi Schmidt mit ihnen einige Schwimmübungen ausprobiert. Am Rande des Beckens beobachten Eltern die fröhlichen Wasserspiele ihrer Sprösslinge.

Heidis Schwimmschule ist inzwischen ein Geheimtipp in Angeln. War es früher die Bundeswehrschwimmhalle in Ellenberg, die mit ihrem Aqua-Programm die Besucher anlockte, sind es heute kleine Bäder, wie in Havetoftloit, die die Nachfrage nach „Aqua Fitness“ bedienen. „Unser Programm spricht alle Altersgruppen an“, sagt Melanie Erdmann, die gemeinsam mit ihrer Mutter Heidi die Kurse im Schwimmbecken in dem früheren Meiereigebäude leitet. Es sind insbesondere die Senioren, die fit bleiben möchten und im Wasser ihre Bewegungseinschränkungen überwinden. Bis zu acht Teilnehmer bevölkern das 7,50 mal 3,50 Meter große Becken. Heidi Schmidt findet: „Eine schöne Gruppengröße.“ So habe sie alle im Blick und könne auf jeden eingehen. Inzwischen haben sich langjährige Gemeinschaften gebildet. Die Schwimmgruppen kommen nicht nur zur körperlichen Ertüchtigung zusammen, sie treffen sich auch zum Kaffeetrinken oder gehen gemeinsam Essen. Neben den Senioren sind es vor allem die Kinder, die gerne in die Schwimmschule kommen. Dort lernen sie Schwimmen bis zum Seepferdchen und verbessern ihre körperliche Motorik.

Das Gebäude, in dem Heidis Schwimmschule heute zu Hause ist, kann auf eine bewegte Geschichte zurück blicken. Es wurde 1888 gebaut, um die Milch der umliegenden Bauern zu verarbeiten. 1960 erfolgte ein Umbau, und vier Jahre später wurde der Betrieb stillgelegt, da die Genossenschaft mit der Meierei Havetoft fusioniert hatte. Ein Maler, der das Gebäude erwarb, baute sich einen Pool ein, genau dort, wo früher die Technik der Meierei stand. Es folgten verschiedene neue Eigentümer, darunter auch ein Swinger-Club, der jedoch nach Protesten der Nachbarn das Wasser wieder aus dem Pool lassen musste.

2004 ersteigerte Familie Schmidt das Anwesen. Dass sie damit auch einen betriebsbereiten Pool erworben hatte, wurde ihr erst später klar. „Das Gebäude war in einem erbärmlichen Zustand“, erinnert sich Melanie Erdmann. Die Familie musste viel renovieren, hatte aber auch ihren Spaß an ihrem eigenen Pool im Haus. Das Interesse ließ aber bald nach, zumal auch die Unterhaltungskosten nicht unerheblich waren.

Als Heidi Schmidt, die damals als Verkäuferin arbeitete, vor zehn Jahren einen Artikel über „Aqua Fitness“ las, war sie sich mit Tochter Melanie schnell einig: „Das ist ein Projekt für uns.“ Doch Beratung und Unterstützung für ihr Anliegen bekamen sie zunächst nicht, bis Melanie Erdmann einen Ansprechpartner bei der Arbeitsagentur fand, der Wege aufzeigte, um das Projekt Schwimmschule umzusetzen. Mutter und Tochter ließen sich im Rahmen eines Lehrganges in die Geheimnisse der „Aqua Fitness“ einweihen und gingen mit viel Mut an ihr Vorhaben. Eine Fragebogenaktion half den beiden, die Wünsche ihres Klientel zu erkennen, sodass bereits zur Eröffnung viele Kurse ausgebucht waren.

Das Besondere dieser Einrichtung liegt in der Überschaubarkeit mit familiärer Atmosphäre. Vor allem ältere Menschen haben Hemmungen in großen Anlagen, da kommt das kleine Bad in der ehemaligen Meierei gerade richtig. Immer noch ist der Aufwand enorm, die Kosten sind erheblich, aber die ganze Familie packt mit an, damit Heidis Schwimmschule eine Erfolgsgeschichte bleibt. Bei den Besuchern ist sie es schon lange.

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