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Am Rande bemerkt : Schwerter, Axt und Bölkstoff

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shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 09:46 Uhr

Wenn sich die Wikinger von ihrem Tor zur Ostsee - Haithabu - in Richtung Nordsee aufmachten, haben sie nicht ihre Schiffe bestiegen, bei Gegenwind die Schlei durchkreuzt und den gefährlichen Weg um Skagen gewählt. Sie haben ihre Schiffe mit Sack und Pack über die engste Landverbindung bis Hollingstedt an der Treene gezogen. Dafür war jede Menge Manpower von Nöten - sicher deutlich mehr als die Organisatoren des Laufes zwischen den Meeren ihren freiwilligen Helfern heutzutage abverlangen. Allerdings hinkt der Vergleich: Wer weiß schließlich, was die Nordmannen mit am Wegesrand unter Vorhaltung von Schwert und Axt zwangsrekrutierten Schleppern gemacht haben, wenn diese einfach ihren Dienst verweigerten?

Derlei Schreckensszenarien brauchen die Feuerwehrmänner aus dem Amt Haddeby sicher nicht zu fürchten. Sie haben kürzlich die Reißleine gezogen, weil ihnen die Lauf-Veranstaltung zu aufwendig und zu kommerziell wurde. Überdies soll es auch atmosphärische Störungen gegeben haben. Das Dilemma liegt auf der Hand: Die Lauf-Organisatoren aus Damp und Kiel gingen offenbar davon aus, dass sie trotz stetigem Wachstum ihrer Veranstaltung wie selbstverständlich auf die Dienste der Feuerwehren zurückgreifen können. Diese wiederum haben ihre eigenen Probleme - wie die Nachwuchsgewinnung und den steten Kampf um die Einsatzbereitschaft im Ernstfall.

Daraus resultieren auch Empfindlichkeiten. Wer sich mit dem Feuerwehrwesen im Land beschäftigt, weiß das. Und der kann nachvollziehen, dass es aus dieser Warte heraus mit einem Fass Bier als Gegenleistung nicht getan ist. Als die Veranstaltung klein und neu war, war das anders. Jetzt jedoch werden hohe Summen bewegt, das Event ist erwachsen geworden, der Aufwand deutlich gestiegen. Wen wundert es da, wenn die ehrenamtlichen Helfer erwarten, dass auch sie professionell behandelt werden?

Für dieses Jahr scheint der Drops gelutscht, aber im nächsten Jahr gibt es bestimmt eine neue Chance, mit den Brandschützern ins Geschäft zu kommen. Gleichwohl könnte das Haddebyer Debakel auch als Warnschuss für die Veranstalter verstanden werden. Wer weiß, ob es nicht bei anderen Wehren auch schon brodelt? Schade wär’s auf jeden Fall, wenn die Veranstaltung Schaden nehmen würde. Sie ist inzwischen schließlich auch ein echtes Aushängeschild für die Region geworden - wie die Wikinger und ihr beschwerlicher Lauf zwischen den Meeren auch.

An anderer Stelle im Blatt haben wir vor wenigen Tagen über ein kurioses Schild berichtet. Am Ortsausgang von Struxdorf hatte eine Kollegin einen Hinweis auf das fünf Kilometer entfernte "Bölklund" entdeckt. Wenn auch - wie wir inzwischen aus sicherer Quelle wissen - beim Aufstellen des falschen Schildes definitiv keinerlei Bölkstoff im Spiel war, so sind wir uns im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung nicht so sicher.

Denn offenkundig empfanden aufmerksame Mitbürger den verfremdeten Bök lund-Wegweiser als so attraktiv, dass sie ihn in der Nacht zu gestern einfach mitnahmen. Es spricht einiges dafür, dass das gelbe Metallschild inzwischen an der Wand eines gut versteckten Partykellers in der Umgebung hängt, um zur Belustigung in bierseeliger Runde beizutragen - wenn es der Bölkstoff allein nicht mehr bringt.

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