Ärger in Flensburger Baugebiet : Schwarzer Tag am Schwarzen Weg

Bange Blicke auf den Plan: Heinz und Ursula Thomas mit Matthias Schröder (M.) an der Stelle, wo die Wand des Reihenhauses stehen wird; hinten Thomas’ Haus.
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Bange Blicke auf den Plan: Heinz und Ursula Thomas mit Matthias Schröder (M.) an der Stelle, wo die Wand des Reihenhauses stehen wird; hinten Thomas’ Haus.

Flensburger Hausbesitzer fühlen sich hintergangen: Für sie könnte sich der Traum vom Eigenheim zum Albtraum entwickeln.

shz.de von
22. November 2013, 08:44 Uhr

Flensburg | Die Sitzecke ist schon aufgebaut, die Kaffeemaschine angeschlossen, aber direkt daneben stehen noch jede Menge voller Umzugskartons. Matthias Schröder und Gunnar Drews sind erst vor wenigen Tagen eingezogen in ihr nagelneues Haus am Schwarzen Weg. Doch die Freude ist seit Sonnabend großer Ernüchterung gewichen. „Da wurde ein Lebenstraum zerstört“, schimpft Schröder. „Das kostet uns schlaflose Nächte!“, klagt auch Nachbarin Ursula Thomas. Noch ist es nicht soweit, aber vieles deutet darauf hin, dass sich bei beiden der Traum vom neuen Eigenheim zu einem Albtraum mit ungewissem Ausgang auswachsen könnte.

Der letzte Sonnabend war für das Ehepaar Thomas sowie für Matthias Schröder und seinen Partner Gunnar Drews ein schwarzer Tag am Schwarzen Weg. Da wurden auf ihren jeweiligen Nachbargrundstücken, nur ein paar Meter vom Haus entfernt, die Umrisse der zu bauenden Häuser abgesteckt – „eingeschnürt“, wie das Baufachmann sagt. Heinz Thomas ist einer: „Das werden Reihenhäuser“, sagt er. „Das geht dann hier sieben Meter senkrecht hoch.“ Das Ehepaar Thomas und die beiden frischgebackenen Hausbesitzer Schröder und Drews sind bis vor wenigen Tagen fest davon überzeugt gewesen, dass auf den verbleibenden Grundstücken ebenfalls Einfamilienhäuser gebaut werden.

Mit gutem Grund. Das kleine Baufeld am Schwarzen Weg im Stadtteil Ramsharde hat eine kleine Vorgeschichte. Früher standen hier Bunker, die wurden irgendwann abgerissen. Dann kaufte der Selbsthilfebauverein das knapp 9000 Quadratmeter große Areal, um dort zur Hälfte Reihenhäuser und Einfamilien- oder Doppelhäuser zu bauen. 2009 wurde eine entsprechende Bauvoranfrage von der Stadt positiv beschieden. Doch dann ließ man beim SBV von den Plänen ab und entschied sich, die Grundstücke einzeln an Häuslebauer zu verkaufen – und zwar komplett, also für elf bis 15 Einfamilienhäuser. Den Verkauf übernahm die Höft & Olsen GmbH. Auf der Homepage der Stadt wird die Fläche bis heute als Gebiet für Einfamilienhäuser beworben.

Nur: Einen Bebauungsplan mit genauen Festlegungen von Baugrenzen, First- und Traufhöhen gibt es nicht. Das heißt, dass Bauanträge nach § 34 Baugesetzbuch beurteilt werden, wonach sich ein Bauvorhaben in die nähere Umgebung einfügen muss. Außerdem müssen „die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse gewahrt bleiben“, zitiert Heinz Thomas die Vorschrift. „Und das ist hier mit Sicherheit nicht der Fall: keine Sonne, keine Sicht.“

Matthias Schröder und Gunnar Drews haben zwar selbst eine Art Stadtvilla mit zwei Vollgeschossen bezogen, aber auf einer deutlich kleineren Grundfläche als die offenbar geplanten Reihenhäuser. „Und wir haben vorher mit unseren Nachbarn gesprochen und uns deren Einverständnis geholt“, betont Schröder. Und das sei bei den Reihenhäusern nicht geschehen: „Niemand hat uns informiert. Wir fühlen uns hintergangen!“

Stadt-Sprecher Clemens Teschendorf kann den betroffenen Hausbesitzern, die eine Unterschriftensammlung planen und einen Rechtsanwalt eingeschaltet haben, wenig Hoffnung machen. „Der ursprüngliche Vorbescheid hat immer noch Gültigkeit“, sagt er. Nach § 34 müsse die Stadt die Reihenhäuser genehmigen, da sie sich in die Umgebung – und dazu zähle auch die gegenüberliegende Straßenseite – einfügen.

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