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Comedy auf dem Campus : Schwarze Weisheiten in Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dave Davis, Träger des Deutschen Comedypreises 2010, erklärt morgen auf dem Campus den „African way of life“ und rheinischen Frohsinn an die Förde

Dave Davis ist ein Hingucker. „Wenn ich durch die Straße laufe, weiß jeder: Okay, das ist kein Schwede“, sagt der Rheinländer. Seine Eltern stammen aus Uganda. Die hätten ihn gleich zweifach verschleppt – das zweite Mal von Köln nach Bonn, wo er jetzt lebt. Dort entdeckt und erfindet Davis im „Gag-Labor“ Pointen für seine Comedy. Mit seinem brandneuen, zweiten Solo-Programm schaut der 40-Jährige am Freitag auf dem Flensburger Campus vorbei. Es trägt den Titel: „Live und in Farbe“.

Dave Davis hat eine herrlich ehrliche und entspannte Einstellung zum „Thema Schwarzsein“. Das Ausländersein interessiere ihn, und daraus speist sich ein Großteil seiner Gags und Themengebiete der Show. Aber nicht nur, sagt er und nennt als Beispiel die Ernährung. Wenn sich jemand Pizza bestellt und sie mit Analog-Käse kommt, frage er sich, ob es bald auch Digital-Würstchen gebe. Die bleiben im Hals stecken beim Gedanken an Lampedusa. Davis wird ernst und bezeichnet die Lage als „scheußlich“. Im Programm darf er sich dann die Frage erlauben: „Wo habe ich so viele Menschen auf einem Fleck gesehen? Ja, auf der Überfahrt...“ Nicht nur bloßes Amüsement ist sein Motiv, wenngleich die Zuschauer häufig nach der Show mit den Worten nach Hause gingen, es sei ein „schöner Abend“ gewesen. Auch grübeln dürfen sie auf dem Heimweg.

Während der Rheinländer in seinem ersten Solo-Programm den mit weißem Hygienehäubchen ausstaffierten Toilettenmann Motombo Umbokko mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus und Afro-Dialekt sprechen lässt, so beantwortet er nun als Dave Davis die Frage: Was kann der Europäer vom Afrikaner lernen? Dieser sei prädestiniert als Krisenmanager. „Der lebt ja in der Krise und ist trotzdem gut drauf.“ Wenn Umbokko den Mund aufmacht, klingt Hartz IV schon mal wie „Hass vier“ und verliert er nicht den Faden, sondern die „Liane“.

Das passiert dem wahren Dave Davis nicht: Der liebt die Improvisation und Interaktion und greift gern auf, was ihm Gäste im Publikum zuwerfen. „Einfach machen. Just do it“ ist sein Leitspruch, der ihn schlagfertig parieren lässt. „Ich mach’s jedes Mal anders“, sagt er, weil er das interessanter findet – und das Publikum vermutlich ebenfalls. Das setze sich übrigens schön gemischt aus Jungen und Alten, ausländischen und einheimischen Menschen zusammen und darf „Zettel ausfüllen, was sie schon immer einen Afrikaner fragen wollten“. Seine Antwort ist in jedem Fall der „African way of life“.

Aus Dave Davis hätte auch ein Schreibtischtäter werden können, hat er doch tatsächlich die höhere Handelsschule besucht und auch ein paar Jährchen als Versicherungskaufmann gearbeitet. Doch zum Glück fiel er auf und hatte den Willen zum Auffallen. „Ich wollte immer Popstar werden“, verrät er und erzählt, dass er sich deshalb Gitarre und Klavier beibrachte. Tatsächlich sei in sehr jungen Jahren ein Tatort-Musik-Komponist auf ihn aufmerksam geworden, so dass er sofort alles schmiss für seinen Traum von der Bühne. Nach seinem Versicherungs-Intermezzo sattelte er noch einen Bachelor-Abschluss im Audio Engineering – „zwischen Tontechniker und Tonmeister“ – auf und blieb der Musik treu, von Hörbüchern bis Klingeltönen. Davis erklärt: „Weil ich nicht als Konjunktiv-Existenz enden wollte.“ Davon profitiert sein Programm, denn er singt auch. Er habe schnell in der Branche Fuß gefasst; zahlreiche Auszeichnungen zeugen davon. Auf kleinere Preise, darunter der „Goldene Arsch mit Ohren“ im Rahmen des internationalen Kleinkunstfestivals in Koblenz, folgten große wie der Deutsche Comedypreis in der Kategorie Bester Newcomer 2010.

Auch auf die Leinwand hat er es schon geschafft in der Pfarrersrolle der Verfilmung von Tommy Jauds „Resturlaub“. Der Mann gehört einfach auf die Bühne. Davis doziert erfrischend farbig seine „schwarzen Weisheiten“, lehrt zum Beispiel, dass Gesellschaften daran erkennbar sind, wie sie mit Kindern und wie sie mit alten Menschen umgehen. Hierzulande gilt: „Kinder? Kinder finde ich toll. Aber nicht in der Wohnung.“ Und während die Älteren in Deutschland ins Heim abgeschoben werden, spiele die Familie eine Rolle in der Heimat seiner Eltern. Morgen im Audimax in Flensburg verteilt Dave Davis Lachauslöser und Denkanstöße.

 


Dave Davis zeigt am Freitag, 25. Oktober, sein zweites Soloprogramm mit dem Titel „Live und in Farbe“ im Audimax auf dem Flensburger Campus. Beginn ist ab 20 Uhr. Tickets kosten 25,90 Euro beziehungsweise 19,90 Euro für Studenten; Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.

 

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erstellt am 24.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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