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Diako Flensburg : Schwangerschaft an heißen Tagen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hitze macht werdenden Müttern zu schaffen / Hebamme Alida Ziemer vom Diakonissenkrankenhaus gibt Ratschläge

Gesundheit im Sommer – kein großes Thema in der aktuellen Wetterlage, aber rasant steigende Temperaturen und abrupte Wechsel der Wetterlagen können empfindliche Menschen schon in Schwierigkeiten bringen. Und auch Sportarten, die vor allem im Sommer praktiziert werden, bringen Medizinern viele Behandlungsfälle. Die Fachleute des Diakonissenkrankenhauses geben Hinweise für einen gesunden Sommer.

Hohe Temperaturen, drückende, schwüle Luft – für schwangere Frauen wird diese Wetterlage zur besonderen Belastung. Alida Ziemer, Hebamme und stellvertretende Leitung des Kreißsaales der Frauen- und Kinderklinik, gibt Hinweise. Sie gibt jeder werdenden Mutter eine einfache Faustregel mit: „Auf das eigene Gefühl verlassen! Was sich gut anfühlt, geht in Ordnung. Was nicht – nicht machen!“

Schnell wird bei Hitze ein Problem, sicht- und fühlbar: Der Kreislauf schafft es nicht, Wasser aus Beinen und Füßen zu pumpen, sie schwellen an. „Es kann schon helfen, für eine Weile die Beine hochzulegen.“ Und Alida Ziemer verweist auf den guten, alten Pfarrer Kneipp: „Wassertreten in kühlem Wasser ist ein gutes Mittel, gerade an flachen Stränden wie bei uns in Solitüde oder Holnis-Drei.“ Und wenn alles nichts hilft, dann sollten Kompressionsstrümpfe angezogen werden. Aber bei dicken Beinen auf keinen Fall das Trinken einstellen, mahnt die Hebamme und empfiehlt zwei bis drei Liter am Tag.

Wie sollten schwangere Frauen mit der Sonne umgehen? „Auf keinen Fall in die pralle Sonne legen!“ Wenn es denn keinen Platz im Schatten gebe, dann unbedingt eine Bluse über den Oberkörper ziehen. Bei fortgeschrittener Schwangerschaft könne intensive Sonneneinstrahlung Wehen auslösen.

Das wachsende Kind kann auf den Magen drücken, mit der Folge Sodbrennen. Dagegen hat Alida Ziemer eine ganze Reihe von Tipps parat: „Zunächst sollten schwangere Frauen nicht drei große Mahlzeiten verputzen, sondern das Essen auf mehrere kleine Portionen verteilen.“ Bei Sodbrennen rät sie dazu, Milch zu trinken, oder Mandeln lange zu kauen und den Brei nicht schnell herunterzuschlucken. Anderer Vorschlag der Praktikerin: Eine Kiwi-Scheibe auf die Zunge legen und dort liegen lassen. Der Extrakt von Mandeln wie von Kiwis helfe gegen Sodbrennen.

Insektenstiche, wenn sie nicht in Mengen vorkommen, hält die Hebamme für unproblematisch. „Da bekommt das Kind nichts ab.“ Wenn es passiert sei, helfe die angeschnittene, rohe Zwiebel auf dem Wespenstich oder das Einschmieren mit Antihistamin-Salbe.

Sommerzeit – Reisezeit: Fliegen im Urlaub wird umso kritischer, je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist. „Der Druckunterschied kann zum Blasensprung führen.“ Im übrigen solle die Fluggesellschaft über die Schwangerschaft informiert werden. Sie treffe dann die Entscheidung, ob sie eine werdende Mutter noch mitnimmt.

Sommerzeit – Badezeit: Alida Ziemer sieht für werdende Mütter keine Einschränkungen, mahnt aber zur Vorsicht. Die Wassertemperatur solle zunächst mit den Füßen getestet werden. Ist das Wasser zu kalt, könne sich beim Untertauchen der Bauch verkrampfen. Dann lieber auf das Bad verzichten. Sind die Temperaturen aber angenehm, dann kann das Bad zur echten Erholung werden. Vor allem, weil das Wasser das Gewicht des eigenen Körpers und des Kindes trägt. „Genießen Sie es“, rät Alida Ziemer allen schwangeren Frauen.

Sie bräuchten sich auch keine Sorgen darum zu machen, dass Erreger im Wasser in die Gebärmutter vordringen und das ungeborene Kind gefährden könnten. Der Muttermund sei geschlossen und böte ausreichend Schutz. Das gelte auch für die Fruchtblase. Und auch die Kulturen in der Vagina seien eine gute Abwehr. Von daher hat die Hebamme keine Bedenken gegen ein entspannendes Bad.

Wie kann der Partner über die Monate der Schwangerschaft helfen? Alida Ziemer: „Indem er Arbeit abnimmt und sich um die Kinder kümmert, wenn noch weitere da sind.“ Leide die Frau unter geschwollenen Beinen, sei es hilfreich, wenn er Füße und Unterschenkel massiere. Aber auf keinen Fall auf der Fußsohle. Von dort verlaufen Nerven direkt in die Gebärmutter. Hilfreich sei es auch, wenn der Partner darauf achte, dass die Schwangere die Erholungspausen im Liegen nicht so sehr ausdehne. Der Kreislauf komme sonst nicht wieder in Schwung. „Das Drängeln auf einen Spaziergang durchs Viertel mit Besuch der Eisdiele kann da helfen.“

Sommer, Sonne, leichte Kleidung, der Hormonspiegel steigt. Was sagt die Hebamme zum Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft? „Kein Problem, der Schutz des Kindes ist gegeben.“ Und eine weitere positive Perspektive: Das Sperma des Mannes enthält Prostaglandin. „Der Stoff macht den Muttermund weich“ und erleichtere damit die Geburt, schildert Alida Ziemer.

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erstellt am 02.Aug.2017 | 07:06 Uhr

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