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Projekt mit Verein Lichtblick : Schüler versprühen Hoffnungsfunken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Projektgruppe an der Fridtjof-Nansen-Schule nähert sich dem Thema Suizid und entwickelt ein Präventionsprogramm für Jugendliche. Sie alle haben sich intensiv mit Lebenskrisen beschäftigt.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2015 | 12:00 Uhr

Flensburg | In der Holmpassage begegnen vier Schüler einem Verzweifelten. Es ist offensichtlich, dass er große psychische Probleme hat – ausgelöst durch einen Todesfall in der Familie. „Er sah sehr mitgenommen aus, mit dunklen Augenrändern, richtig fertig“, schildert die 17-jährige Svea Stössel das einschneidende Erlebnis. Sie kommen mit dem jungen Mann ins Gespräch – und vermitteln den Kontakt mit dem Verein „Lichtblick“, der Hilfestellung bei Lebenskrisen und Selbsttötungsgefahr anbietet.

Sie sind 17 und 18 Jahre alt – und haben sich intensiv mit Lebenskrisen beschäftigt. Auch wenn keiner von ihnen persönlich betroffen ist, wissen sie, dass in diesem Alter etwa Suchterkrankungen, Depression, Trennung der Eltern oder der Tod nahe stehender Menschen Reaktionen entfachen können, die im Extremfall in einen Suizid münden. Deshalb hat sich das Quartett von der Fridtjof-Nansen-Schule dieser Materie sensibel angenähert – auch um eine öffentliche Auseinandersetzung mit diesem gesellschaftlich stark tabuisierten Thema in Gang zu setzen.

„Hoffnungsfunke“ nennen die vier aus dem 12. Jahrgang ihr Präventionsprojekt, das sie in enger Abstimmung mit „Lichtblick“ realisiert haben. „Es war uns wichtig, einen Kooperationspartner in Flensburg zu haben, um vor Ort etwas zu bewegen“, sagt Joke Ketels. Und ihre Mitschülerin Jane Fiege ergänzt, dass das Suizidproblem bei ihnen zuvor nur unterschwellig präsent gewesen sei. „Es wird ja nie darüber geredet – wir wollten es in den Blickpunkt rücken. Denn der Tod gehört zum Leben dazu.“

Das ist ihnen offensichtlich gelungen. Es gab nicht nur erfolgreiche Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen in der Goethe-Schule (mit Fragestellungen wie „Was ist Glück“, „Was gibt mir Kraft“ oder „Was wünsche ich mir“), sondern auch eine Abschlusspräsentation in ihrer eigenen Schule, die viel Beachtung fand.

Darüber hinaus hat das Team einen Ratgeber „to go“ entwickelt, in dem darüber informiert wird, wie man Anzeichen erkennt und deutet, ob eine Person gefährdet ist. „Das kann sich äußern in eingeschränkten Freizeitaktivitäten, Passivität, Abbruch von Freundschaften, dem plötzlichen Verschenken von Haustieren, Aggressivität, Fehlen oder Leistungsabfall in der Schule und in vielem mehr“, erläutert Finn Klebe. Auch die Auswirkungen von Mobbing im Allgemeinen, Cybermobbing im Besonderen, seien ein großes Thema. Man habe erlebt, wie schon Elfjährige einen Psychologen aufsuchen müssten. Wichtig sei dabei die Abgrenzung zu „normalen“ Krisen, wie sie die Pubertät mit sich bringe. Ein selbst gestaltetes Plakat „Wir sind dafür da“ rief auf zu Spenden und gibt den Hinweis, wie man zu „Lichtblick“ finden kann. Es war auf den Monitoren in allen Fahrzeugen von Aktiv Bus zu sehen.

Darüber hinaus waren die Schüler mit einem Stand in der Holmpassage sowie auf dem Adventsmarkt in der Walzenmühle vertreten, im Montagskreis der Diako sprachen und diskutierten sie über Suizid-Prävention genauso wie vor dem Rotary-Club Flensburg-Nordertor. Und es gelang ihnen, mit über 1200 Euro eine respektable Geldsumme für den Verein „Lichtblick“ einzuwerben.

Eine zentrale Erkenntnis des Projekts: „Wenn man in Lebenskrisen rechtzeitig ansetzt und Hilfe bietet, kommt es oft nicht zum Schlimmsten“, sagt Joke Ketels. Krise als Chance. Sie verweist auf Untersuchungen, nach denen jeder zweite Suizid bei ausreichender Aufklärung und Prävention vermieden werden könne. Und ihre ureigene Erfahrung während der letzten Monate fassen sie in einem Bild zusammen: „Wir sind in die Krise hinein geschlittert – und wieder herausgekommen.“

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