zur Navigation springen

Projekt in Flensburg : Schüler helfen Schülern: Stellt nicht alles ins Internet

vom
Aus der Onlineredaktion

Nicht nur bei WhatsApp lauern Gefahren: In Flensburg bringen ältere Schüler den jüngeren Medienkompetenzen nahe.

Flensburg | Der Fünftklässler weiß nicht so recht, ob er entsetzt sein soll oder belustigt. Gerade hat eine ältere Mitschülerin der gesamten Klasse Dinge über ihn erzählt. Wo er Handball spielt und wie seine Schwester aussieht zum Beispiel. Dabei kennt sie ihn gar nicht. Oder doch? Die 14-jährige Franziska hat den Jungen einfach im Internet gesucht – und wurde im Instagram-Profil fündig.

Die Schülerin wollte ihn aber nicht bloßstellen, sondern ihm und seinen Klassenkameraden demonstrieren: Was man ins Netz stellt, ist nicht mehr geheim. Franziska Rimpel ist einer von elf Medienscouts an ihrer Schule in Flensburg. In dem neuen Projekt am Goethe-Gymnasium sollen die älteren Schüler den jüngeren Medienkompetenzen nahebringen und bei akuten Fragen als Ansprechpartner bereitstehen – denn manche scheuen sich davor, Eltern oder Lehrern beispielsweise von peinlichen Cyber-Mobbingattacken zu erzählen.

Die Frage, wo Kinder Internetwissen lernen sollen, wird immer wieder diskutiert. Viele sehen Eltern in der Pflicht, andere fordern, den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Netz in den Unterricht aufzunehmen. Die Goetheschule setzt mit dem Projekt auf das sogenannte Peer-to-Peer-Lernen.

Lehrerin Nadine Emmerling und Ulf Hansen von der Polizei haben die älteren Jugendlichen geschult und unterstützen sie in ihren Vorträgen vor den Kleineren. „Ich mache meinen Job gut, wenn ich nicht gebraucht werde“, sagt Emmerling. Zwar wissen die Kinder bereits, was Hacken und was Cybermobbing ist, aber sie tauschen sich erstaunt darüber aus, dass mehrere von fremden Erwachsenen in Onlinespielen angeschrieben wurden oder plötzlich in WhatsApp-Gruppen auf 30-Jährige treffen.

Franziska engagiert sich in dem Thema, weil sie selbst einmal von einem angeblich 15-Jährigen belästigt worden ist. Sie hatte ihre Handynummer dem vermeintlichen Chat-Freund aus einem Onlinespiel gegeben. Solche Fehler möchte sie den Jüngeren ersparen und warnt: „Gebt eure Nummern nicht an Leute, die ihr nicht persönlich kennt.“ Der Junge aus der fünften Klasse ist derweil froh, dass keine wirklich brisanten Fakten herauskamen. Doch trotzdem fühle er sich komisch, sagt er. „Als wenn ich gestalkt worden wäre.“

zur Startseite

von
erstellt am 28.Feb.2015 | 04:08 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen