Flensburg: Kultur über Grenzen : Schüler basteln Riechdöschen

So sieht heute eine Hunde-Aquamanile aus: Zwei Schüler aus Holsted und drei Schülerinnen aus Husum haben sich für diese farbenfrohe Neuschöpfung zusammengetan.
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So sieht heute eine Hunde-Aquamanile aus: Zwei Schüler aus Holsted und drei Schülerinnen aus Husum haben sich für diese farbenfrohe Neuschöpfung zusammengetan.

Deutsch-dänische Kulturakademie 2018: Großes Projekt mit neun Museumspaaren und 72 Schulen beiderseits der Grenze

shz.de von
09. Februar 2018, 07:52 Uhr

Es sieht ein bisschen gefährlich aus, wie der Zehntklässler Marc-Henry da mit dem Teppichmesser an dem Plastikteil herumsäbelt. Aber er ist ganz vorsichtig und passt auf, dass kein Blut fließt. Marc-Henry besucht die Theodor-Storm-Schule in Husum, doch heute ist er im Souterrain des Heinrich-Sauermann-Hauses auf dem Flensburger Museumsberg aktiv. Er nimmt mit einem Teil seiner Klasse an der Kulturakademie 2018 teil.

„Das wird ein Riechdöschen“, sagt Marc-Henry. Er lächelt etwas verlegen, als er das große Fragezeichen im Gesicht seines Gegenübers wahrnimmt. Vorbild sind Exponate aus unterschiedlichen Epochen, die im Flensburger Museum gezeigt und erklärt werden. Die Schüler haben die Aufgabe, historische Exponate in die Jetztzeit zu übertragen und neu herzustellen. Marc-Henry versucht, zusammen mit einem anderen Schüler aus einem ehemaligen Behälter für Farbstifte ein Riechdöschen zu schnitzen.

Doch die Bastelfertigkeiten der Schüler stehen nicht im Mittelpunkt des Projektes. Es geht um viel mehr. In dem kleinen Raum der Museumspädagogik wuseln rund 20 Schüler herum. Sie sprechen Deutsch, Dänisch, Englisch und manchmal alles durcheinander. Die Partner der Theodor-Storm-Schüler sind Neuntklässler und kommen von der Højmarkskolen in Holsted. Das liegt zwischen Kolding und Esbjerg.

Die dänische Lehrerin Majbritt Andersen begrüßt das Projekt, „weil die Schüler hier die Sprache des Nachbarlandes üben können.“ Sie sollen kleine Gruppen mit Schülern der jeweils anderen Schule bilden; das klappt nicht immer, aber manchmal schon. Das Quintett aus drei Husumer Mädchen und zwei Jungen aus Holsted hat ein buntes lustiges Ding gebaut, das einer Hunde-Aquamanile nachempfunden ist. „Das ist letztlich eine Gießkanne“, erklärt Museumsdirektor Michael Fuhr ganz sachlich. Das Original stammt aus der Zeit um 1400 und wurde angeblich in Nürnberg von einem Kunsthandwerker gestaltet.

In Flensburg haben die beiden Kunst-Pädagoginnen Kirsten Piper und Inga Momsen das Projekt vorbereitet. Das Ziel war letztlich, die Schüler irgendwie für die alten Dinge zu interessieren und diese in die Gegenwart zu holen. Und Museumsdirektor Fuhr freut sich, dass auf diese Weise junge Menschen in sein Museum kommen, die sonst eher einen großen Bogen um das Gebäude gemacht hätten. „Und vielleicht kommt der eine oder andere dann später nochmal wieder“, hofft er.

Die Kulturakademie ist Teil des neuen Interreg-Projekts „KursKultur“. Dabei werde versucht, bei den Schulen im grenznahen Gebiet ein Interesse für die Museen auf der jeweils anderen Seite der Grenze zu wecken, erläutert Angela Jensen, die das Projekt für das Regionalkontor begleitet.

Und es ist ein großes Projekt: Jeweils neun Museen aus beiden Ländern sind dabei und bilden jeweils Paare. So haben die Schüler aus Holsted und Husum am Tag zuvor das Kulturhistorische Museum in Tondern besucht und gemeinsam die Stadt erkundet. Projektleiterin Birgitte Boelt hatte die Aufgabe, insgesamt 72 Schulen zu kontaktieren und teilnehmende Klassen zu gewinnen.

Die ersten grenzüberschreitenden Schüler-Treffen waren im letzten Jahr, das Gesamtprojekt KursKultur, das mit 4,4 Millionen Euro gefördert wird, läuft noch bis 2019.

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