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Blockierte Parkplätze : Schrott auf vier Rädern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei verwahrloste Fahrzeuge blockieren seit längerem in Flensburg Parkplätze. Das Ordnungsamt kann nicht „so einfach dagegen vorgehen“.

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2015 | 19:04 Uhr

Flensburg | Da steht er nun schon geschlagene sechs Wochen. Auf einem Fleck – und rührt sich nicht. Der blaue VW Polo mit dänischem Kennzeichen wirkt verwahrlost. Die Sitzflächen der Rückbank fehlen, Plastiktüten fliegen im Innenraum herum, das Lenkrad hat bereits Schimmel angesetzt. Zudem kostet das Vehikel die Stadt eine Menge an Parkgebühren. Denn es steht auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz am „Mauseloch“ unweit des Zobs.

„Bestimmt 250 Euro dürfte die Verwaltung von ordnungsgemäß parkenden und zahlenden Autofahrern in diesem Zeitraum schon eingenommen haben“, schätzt Anwohner Andreas Ganz. Und wundert sich, warum die Ordnungsbehörde nicht längst eingeschritten ist. Zudem fehle dauerhaft ein Parkplatz in diesem Bereich, was den Flensburger ärgert. „Der Parkraum hier ist ohnehin schon äußerst knapp bemessen.“

Ein zweiter Kandidat in diesem Kontext ist ein Citroen-Van, der auf einem Parkstreifen an der Valentiner Allee zwischen Waldorfschule und Bundespolizei abgestellt worden ist. In aller Eile, wie es scheint; weit ab vom Kantstein, schräg bis fast in die Fahrbahn hinein.

Zeugen, die hier fast täglich entlangfahren, sprechen davon, dass das Fahrzeug bestimmt schon über ein Jahr nicht bewegt worden sei. Und danach sieht das Geisterauto mit litauischem Kennzeichen auch aus. Ein platter Reifen, stark verunreinigt im Innern, das Lenkrad sichtbar angeschimmelt. Im Autoradio steckt eine Kassette, der hintere Teil mit einer Art Schlafsack könnte unter Umständen als Nachtlager dienen. Die Schüler spekulieren heftig. Wer weiß, was sich darin noch alles befinden mag. Oder ist es gar ein Auto, dass nach einem Banküberfall oder einer anderen Straftat hier flugs entsorgt worden ist. Tatsache ist, niemand kümmert sich um das geheimnisvolle Gefährt, das da im öffentlichen Raum still vor sich hin gammelt.

„Es ist auch gar nicht so einfach, dagegen etwas zu unternehmen“, sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. Im Fall des dänischen Autos sei eine Halterfeststellung schlechterdings nicht möglich. „Dänemark kooperiert in diesem Bereich leider nicht“, bedauert Teschendorf. Gleichwohl sei die Stadt zuständig, seit die Kooperative Zulassungsstelle gegründet worden ist.

Doch für deutsche wie ausländische Fahrzeuge gilt gleichermaßen: Wenn sie als verwahrlost und objektiver Abfall klassifiziert worden sind, der illegal entsorgt wurde, macht sich der städtische Außendienst auf den Weg, pappt einen roten Aufkleber auf die Karosserie und lässt damit dem Halter einen Monat Zeit, sein Eigentum zu entfernen. „Geschieht das nicht“, so Teschendorf, „entsorgen wir es auf dem Schrottplatz.“ Die Kosten dafür habe der Halter zu tragen, den zudem ein Ordnungswidrigkeitsverfahren erwarte.

Alternativ sei auch eine Verwertung, sprich ein Verkauf, zulässig, sollte der Zustand des Fahrzeugs dies hergeben. Auf der Internetplattform www.zoll.de findet sich ein entsprechender Link.

Schnell gehandelt werden kann dann, wenn es sich um einen Fall von Gefahrenabwehr handelt, etwa dann, wenn Öl aus dem Motorrad tropft. Oder auch dann, wenn ein Fahrzeug ohne Zulassung (und oft auch unversichert) über einen längeren Zeitraum abgestellt wird. Bei einem angemeldeten Fahrzeug allerdings, so drückt es ein Polizeibeamter aus, könne man sein Auto, sofern es zugelassen und versichert ist sowie keine Gefahr oder Behinderung darstelle, „theoretisch abstellen, bis Gras darüber gewachsen ist“.

Andreas Ganz findet das Ganze schlicht zu kompliziert. Ginge es nach ihm, dann würde man das Dänen-Fahrzeug vom Mauseloch kurzerhand über die Grenze schaffen. „Das stellt man es dann an den Straßenrand – und fertig!“

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