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Schoko-Bons für ein nicht ganz jugendfreies 90er-Jahre-Medley

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2017 | 06:00 Uhr

Breit grinsend trat Luke Mockridge am Sonnabendabend der ausverkauften Flens-Arena mit einem fröhlichen „Moin“ entgegen. So weit im Norden wäre er noch nie gewesen, und Flensburg sei auch „so ein süßer, unschuldiger Ort“, so der 28-Jährige. „Die einzigen Ausländer sind Dänen, und das Bier schmeckt auch noch gut!“ Das überwiegend junge Publikum dankte ihm die Komplimente mit begeistertem Applaus, während über dem Comedy-Preis-Gewinner ein riesiger, gelber „Lucky-Man“-Schriftzug munter vor sich her blinkte.

Mit viel Musik, Nebel und bunten Scheinwerfern feierte Mockridge in über zwei Stunden zusammen mit den Zuschauern die 90er – das Jahrzehnt, in dem er aufwuchs und das ihn bis heute prägt. Seine Generation sei dabei, erwachsen zu werden, so Mockridge. In seinem Programm wolle er deswegen versuchen, wenigstens ein paar Fragen seiner Kindheit zu beantworten.

Eine großartige Zeit war das, so der Comedian, in der die Kinder noch draußen spielen durften und erst nach Hause mussten, als die Straßenlaternen angingen. Enthusiastisch und voller Energie läuft er die Bühne auf und ab, erzählt von verhassten Gruppenreferaten in der Schule und singt zwischendurch mit dem Publikum lauthals „Wir sind die Kinder vom Süderhof“.

Er plaudert mit zwei Frauen aus der ersten Reihe über deren Studiengänge und flitzt für ein Selfie mit Fans von der Bühne. Mit großem Charme trägt er selbst altbekannte Witze vor. Am Klavier und an der Gitarre interpretiert er unter großem Gelächter mit seiner wirklich guten Stimme (Kinder)Lieder mit einem guten Anteil an anstößigen Textzeilen neu. Zwischendurch lästert er über Trump und die AfD.

Auf seiner Reise zurück in seine Kindheit und Jugend nahm Luke Mockridge kein Blatt vor den Mund und traf dabei anscheinend genau den Nerv des Publikums. Unverfroren und nicht immer jugendfrei plauderte er über Sturzbetrunkene auf WG-Partys, Gottesdienstbesuche unter Drogeneinfluss oder den Schwierigkeiten beim Sex in der Dusche und wurde dafür eifrig bejubelt. Weil die Erzählungen manchmal sehr schamlos waren, bekam Bosse (10) vorn immer wieder Schoko-Bons als Entschuldigung vom Comedian zugeworfen.

Den krönenden Abschluss bildete ein Medley der bekanntesten Hits der 90er Jahre. Spätestens bei dem von Mockridge zur Hymne des Jahrzehnts erklärten Titelsong der „Gummibärchenbande“ hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Plätzen. Sein Appell am Ende der Show war allerdings beinahe schon wirklich erwachsen: „Hört auf das Kind in euch, nicht auf falsche Freunde im Internet!“

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