Einzelhandel Flensburg : Schöne Worte, aber Mieter fehlen

Flensburger Holmpassage – für manche in der Innenstadt nur noch ein trockener Durchgang vom Holm zum Zob.
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Flensburger Holmpassage – für manche in der Innenstadt nur noch ein trockener Durchgang vom Holm zum Zob.

Holmpassage: Jetzt ist auch Jepsen weg / Gastro-Bereich ist damit komplett leer und dunkel

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25. Januar 2018, 06:23 Uhr

Schafft es die Holmpassage nach längeren Leerständen, unter ihrem neuen Eigentümer Corestate (Luxemburg / Frankfurt) mit einem attraktiven Angebot an den Flensburger Einzelhandelsmarkt zurückzukehren? Der Eigentümer versprüht in einer Pressemitteilung Optimismus, die Tatsachen sprechen eine andere Sprache.

„Çorestate steht in konkreten Mietverhandlungen – sobald es Abschlüsse gibt, werden wir Sie informieren. Von dem Ausgang der Verhandlungen ist auch die Gesamtkonzeption der Holmpassage abhängig.“ Diese Auskunft der mit der Pressearbeit für Corestate beauftragten Agentur ist das aktuelle Ergebnis der regelmäßigen Nachfragen der Tageblatt-Redaktion seit September, welche konkreten Vorstellungen es für die Weiterentwicklung der Passage gibt. Zunächst ist ein weiterer Rückschlag festzustellen: Die Filiale von Schlachter Jepsen mit umfangreichen Thekenverkauf sowie dem gerade in den Mittagsstunden intensiv frequentierten Imbissbereich hat dicht gemacht. Christoph Westrich, dessen Fleischverarbeitungsbetrieb die Firma Jepsen aus der Insolvenz übernahm, begründet seine Entscheidung für die Stilllegung zunächst mit der geringen Kundenfrequenz in der Passage. Außerdem habe er mit dem Inhaber der Passage Gespräche über die Entwicklung der Jepsen-Filiale aufnehmen wollen. Diese Bemühungen seien ergebnislos verlaufen.

Damit ist der gesamte Gastrobereich (früher mit Bäcker Hansen, Fisch Lund, Apfelsinchen und bulgarischen Spezialitäten) komplett von den Anbietern geräumt. Tristesse und Düsternis haben sich breit gemacht, weil die Ladenflächen gänzlich unbeleuchtet sind – böse Zungen lästern über das „Grab des Flensburger Einzelhandels“.

Die Töne waren optimistischer im Herbst 2016, nachdem die Corestate Capital Group die Holmpassage gekauft hatte. Damals war von der Unternehmensgruppe extra ein Objektmanager eingesetzt worden, der sich um die Zukunft der Immobilie kümmern sollte. Er erkundete zunächst den Flensburger Markt. Die Holmpassage bezeichnete er als „ungeschliffenen Rohdiamanten“. Der Manager widersprach damals dem Gerücht, der neue Eigentümer wolle alle Mietverhältnisse beenden und die Flächen freimachen: „Es ist doch nicht mein Interesse, die Passage leerzuräumen, sondern sie zu füllen.“ Für die Situation des Flensburger Einzelhandels fand er positive Worte. Die Lage sei stabil. Im übrigen sei die Flensburger Fußgängerzone eine der schönsten in Deutschland. Und die dänischen Kunden seien zusätzlich positiv für den Flensburger Handel.

Die Innenstadt-Einzelhändler, bei denen sich der Passagen-Manager auch vorstellte, wollten vor einer Beurteilung zunächst Taten abwarten. Von der Seite ist nichts mehr zu erwarten: Der Manager wurde abberufen.

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