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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 07:59 Uhr

Nordschleswig : Schöne Weihnachtsstadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nachbauten historischer Häuser auf dem Markt in Apenrade / Alle Waren gegen Spenden / Einkünfte für bedürftige Familien

Er ist schön, und für ihn wurde eine originelle Geschäftsidee erfunden: Vom Punsch bis zum Crêpe – alles ist umsonst – auf dem Weihnachtsmarkt Apenrade. Trotzdem stimmen die Einnahmen. Die Besucher sind um Spenden gebeten, und die Bitte stößt auf offene Ohren und offene Geldbörsen.

Dieser Weihnachtsmarkt ist ein Augenschmaus: Besonders schöne, alte Häuser der Stadt Apenrade wurden im kleineren Maßstab nachgebaut – als Marktbuden. Im Hofladen, neben der Schlossmühle, steht eines der neuen Häuschen der Stadt. Am Apenrader Miniatur-Bahnhof hält in diesem Jahr erstmalig auch ein Zug. Drei Jahre lang arbeitete die Produktionsschule aus Rothenkrug an der traditionellen Lokomotive. Nun bringt der „Juletog“ kleine Reisende auf einer Rundfahrt durch die Fußgängerzone auch am echten alten Rathaus vorbei.

Der Wohltätigkeitsverein „Et hjerte for alle“ (Ein Herz für alle) organisiert seit nunmehr fünf Jahren die einzigartige Ausstellung mit Miniaturnachbauten. Mit dem Bau der Häuschen sind verschiedene Firmen und Privatleute das ganze Jahr über beschäftigt – natürlich ebenfalls uneigennützig und unentgeltlich.

Und dann die zweite Besonderheit, die den Weihnachtsmarkt in Apenrade von anderen Städten abhebt: „Alles ist gratis, alles ist freiwillig, und alles kommt von Herzen. Nirgendwo sonst findet man so eine Weihnachtsstadt“, schwärmt Hauptinitiatorin Malene Bruhn. Nicht der kommerzielle Nutzen stehe im Vordergrund, sondern der gute Zweck. Alle Angebote – von duftendem Milchreis, Julegløgg, Kaffee und Kakao sowie das Musikprogramm und Vorstellungen von Puppenspielern – sind kostenlos. „Den Besuchern wird viel Gutes und Herzerwärmendes geboten“, sagt Malene Bruhn. Getreu dem Motto: „Wer Gutes bekommt, gibt Gutes zurück“ spenden die zahlreichen Gäste gern in die Sammeldosen des Vereins. Sämtliche Einnahmen kommen bedürftigen Familien zugute, die den Obolus gerade zur Weihnachtszeit gebrauchen können. Diese „gute Sache“ treibt ordentlich Spendengelder ein: Allein in den ersten neun Tagen wurden in diesem Jahr 48 000 Kronen gesammelt, wie Malene Bruhn stolz erzählt.

„Wir merkten schnell, dass das Konzept aufgeht. Der Verein bekommt für die Weihnachtsstadt viel geschenkt, es gibt unzählige Sponsoren, die sich beteiligen. Wir geben den Besuchern ein schönes Weihnachtserlebnis. Dafür spenden sie gerne. Erst recht, wenn sie wissen, dass es bedürftigen Familien zugute kommt. Es ist einfach eine Herzenssache“, begründet Pia Schmidt, Mitwirkende der Juleby, die große Spendenbereitschaft. Unter ihrer Obhut stehen das Vægterhus, welches als überdimensionales Puppenhaus Spielzimmer für die kleinen Besucher ist, und das Folkehjem, in dem Kaffee, Kakao und Kuchen serviert werden.

Angefangen von Bastelmaterial und Dekoration, Geschirr, Lebensmitteln und allen weiteren Zutaten für die weihnachtlichen Leckereien (übrigens allesamt ökologisch) sind jegliche Mittel und Ausstattungen den Sponsoren zu verdanken.

Von so vielen fleißigen, freiwilligen Helfern kann selbst der Rauschebart in seiner Weihnachtswerkstatt wohl nur träumen: Zugführer und Nissemann, Kaffee-Köche, Kuchenbäcker und Gløgg-Ausschenkende arbeiten ehrenamtlich wie zum Beispiel Birte Kenrad, Margarethe Callesen und Helen Nielsen, die im Hjertehus kostenlose Pförtchen servieren: „Es ist schön, die Leute glücklich zu machen und etwas Gutes zu tun. Deswegen sind wir hier.“

Neben weihnachtlicher Livemusik und Chorgesang wird auch Puppentheater aufgeführt. Die Puppenspieler haben eigens für die Vorstellungen in der Weihnachtsstadt neue Programme entwickelt, in denen sie die Weihnachtsgeschichte auf witzige und anschauliche Weise umsetzen.

Die Weihnachtsstadt wächst und „boomt“ trotz oder gerade, weil sie keine kommerziellen Ziele verfolgt. Und langsam wird es eng auf dem Storetorv. „Wir würden gerne das Museum von Apenrade nachbauen“, so Malene Bruhn, die mit überzeugender Gestik hinzufügt: „Alles, was möglich ist, machen wir!“

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