Bahn in Flensburg : Schnellere Züge – aber später am Ziel

Bahnreisenden wird es auch in der Vorweihnachtszeit nicht leicht gemacht: Längere Fahrtzeiten, Umsteigen und Verspätungen sind an der Tagesordnung.
Bahnreisenden wird es auch in der Vorweihnachtszeit nicht leicht gemacht: Längere Fahrtzeiten, Umsteigen und Verspätungen sind an der Tagesordnung.

Nur noch eine Direktverbindung am Tag: Wer von Hamburg nach Flensburg will, muss in Neumünster umsteigen und bis zu 22 Minuten warten

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15. Dezember 2017, 06:36 Uhr

Zu früh gefreut! Da hat die Bahn zum 10. Dezember einen neuen Fahrplan auf den Weg gebracht und im gleichen Atemzug höhere Zuggeschwindigkeiten versprochen. Doch unterm Strich darf sich der ohnehin geplagte Bahnkunde einmal mehr ärgern – ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit.

Doch die frohe Botschaft vorweg: Auf der Strecke von Flensburg nach Hamburg funktioniert derzeit alles planmäßig – heißt, es läuft rund zehn Minuten schneller als vor dem Fahrplanwechsel: gemütliche zwei Stunden Fahrtzeit mit dem Regionalexpress.

Es sei denn, es passiert etwas Außerplanmäßiges. Und das kann schon mal passieren. Aktuell etwa gilt für beide Fahrtrichtungen, dass durch Weichenstörungen im Hamburger Hauptbahnhof Verspätungen von zehn bis 15 Minuten in Kauf genommen werden müssen und Anschlusszüge unter Umständen verpasst werden. Mit weiteren Widrigkeiten müssen die Passagiere rechnen, die sich von der Hanse- in die Fördestadt aufmachen. Durch die schnelleren Züge sollte de facto eine Fahrtzeit von einer Stunde und 45 Minuten möglich sein. Doch Pustekuchen. Während es früher eine stündliche Direktverbindung gab, heißt es jetzt 21 Mal am Tag: Umsteigen in Neumünster. Der Zug Richtung Flensburg wartet am gegenüberliegenden Gleis. Doch erst 22 Minuten später verlässt er den Bahnhof. Ergo: Nach geschlagenen zwei Stunden und 20 Minuten ist man in Flensburg gelandet.

Wer gestern den Intercity um 10.53 Uhr nehmen wollte, um das Umsteigen zu umgehen und in flotten 1,55 Stunden am Ziel zu sein, guckte in die Röhre: Die Verbindung war gestrichen. Und wer den ICE nach Neumünster nutzte, musste zwischen elf und 30 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen, bevor es weiterging.

Roderich Stintzing ist überzeugter Bahnfahrer. „Eigentlich könnte das jetzt Spaß bringen, aber so mies war der Service zwischen Hamburg und Flensburg noch nie!“, schimpft er und moniert: „Die höhere Zuggeschwindigkeit zwischen Neumünster und Flensburg wird dadurch absorbiert, dass alle RE-Züge in Owschlag und Jübek halten.“ Umsteigen, Halt an jedem Bahnhof, verlängerte Fahrtzeiten – all das nervt den Geschäftsmann nachhaltig.

In einer Blitzumfrage äußerten sich einige Passagiere zufrieden. Die Mehrheit aber weniger: Christian Bohl zum Beispiel favorisiert die Bus-Alternative ab Hamburg. „Das ist entspannter und die Verbindungen sind gut aufgestellt.“ Die meisten Befragten hatten auf besagter Strecke unter Verspätungen zu leiden – von bis zu einer Stunde.

Die Bahn begründet den Missstand damit, dass derzeit zu wenig Triebzüge zur Verfügung stünden. Ab Fahrplanwechsel sei vorgesehen gewesen, dass die Züge der Linie RE 7 mit zwei gekuppelten Zugeinheiten zwischen Hamburg und Neumünster fahren. Ab Neumünster sollten die Wege der Züge dann jeweils getrennt nach Flensburg beziehungsweise Kiel führen. Das sogenannte Flügelkonzept sei (noch) nicht durchführbar – doch sobald die vom Hersteller Bombardier versprochenen Triebzüge geliefert werden, soll es zwischen Hamburg und Flensburg wieder stündlich umsteigefreie Verbindungen geben.

Eine Prognose, wann es soweit ist, wagt indes niemand. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis steckt schon mal grob den Rahmen ab: „Bei den Bombardier-Zügen hat es Lieferverzögerungen von bis zu drei Jahren gegen!“ Das sei überaus frustrierend. Er gebe jedoch die Hoffnung nicht auf, „dass „wir noch vor Heiligabend noch ein paar Engpässe beseitigen können“.

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