zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 01:54 Uhr

Schneller per Bahn nach Nord und Süd

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dänische Gutachter: Reisezeit zwischen Hamburg und Aarhus lässt sich allein durch optimierten Betrieb um rund eine Stunde verkürzen

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Aus Dänemark kommt ein neuer Impuls, die Bahnverbindung durch Schleswig-Holstein und Jütland zu beschleunigen: Eine Studie des Verkehrsgutachters Atkins gelangt zu dem Ergebnis, dass die Fahrzeit zwischen Aarhus, Flensburg und Hamburg allein durch einen optimierten Betrieb der bestehenden Strecke um gut eine Stunde verkürzt werden könnte. Heute liegt die Reisezeit bei viereinhalb Stunden, während es per Auto nur dreieinhalb Stunden dauert. 17 jütländische Kommunen zwischen Hadersleben und Randers haben die Analyse in Auftrag gegeben.

Als ersten Schritt empfiehlt das Papier, die heute bereits zulässige Höchstgeschwindigkeit auf allen Abschnitten und mit allen Zügen auszunutzen. Dies könne eine Ersparnis von 27 Minuten bringen. Würden fünf der zwölf Halte auf der Strecke gestrichen, gewänne man noch einmal 17 Minuten. Dabei lässt die Studie offen, ob sie deutsche oder dänische Bahnhöfe ins Visier nimmt. 15 bis 30 Minuten könnten wegfallen, wenn die Deutsche und Dänische Bahn die so genannte Fahrzeit-Reserve nicht mehr im bisherigen Umfang ausschöpfen würden. Dabei handelt es sich um die Unsicherheits-Marge, die dem Zugführer eingeräumt wird, um den Fahrplan einzuhalten. Die internationale Dachorganisation der Eisenbahngesellschaften, UIC, rät zu einer Fahrzeit-Reserve von fünf Prozent. Zwischen Hamburg-Aarhus liegt sie bei 19 Prozent.

Bis 2025 empfiehlt die Studie außerdem, die Bahn im südlichen Dänemark komplett zweispurig auszubauen und zu elektrifizieren, einen neuen Flensburger Fernbahnhof im Stadtteil Weiche zu errichten und eine neue Querung des Nord-Ostsee-Kanals, möglichst als Tunnel ohne zeitäufwändige Auf- und Abfahrt. Mit diesen Schritten wären nach Einschätzung von Atkins auch ohne aufwändige Hochgeschwindigkeitstrassen Reisezeiten von unter drei Stunden zwischen Aarhus und Hamburg möglich.

Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) will die Ergebnisse der Studie grenzüberschreitend in die politische Diskussion einspeisen. Er bezeichnete die Aussagen gestern als „wegweisend“. Schnellere und komfortablere Bahnverbindungen nach Norden und Süden seien für Flensburg von strategischem Interesse. Der OB gibt zu bedenken: Die vergleichsweise niedrigen Fahrgastzahlen heute hätten laut Umfragen vor allem mit der wenig konkurrenzfähigen Taktung und Geschwindigkeit zu tun. „Die neue Studie macht deutlich, dass bei entsprechender Optimierung auch aus der bestehenden Infrastruktur noch mehr herauszuholen sei. Mit gezielten, aber überschaubaren Investitionen in Trassen, Signalanlagen und Bahnhöfe könnte Flensburg bis 2025 eine wirklich attraktive und leistungsfähige Bahn-Anbindung erhalten. Höhere Passagierzahlen generieren sich durch Tempo, Taktung und Begradigung der Hauptstrecke. Die Studie setzt damit genau die richtigen Akzente.“

Bereits heute will Faber die Ergebnisse bei einem Gespräch mit der dänischen Verkehrsministerin Pia Dyhr Olsen in Kopenhagen erörtern. Er kündigte zudem an, der Flensburger Ratsversammlung und weiteren Entscheidungsträgern auf der deutschen Seite eine komprimierte Übersetzung der bisher nur auf dänisch abgefassten Studie vorzulegen.

„Eine schnelle Verbindung zwischen dem östlichen Jütland und dem Wachstumszentrum Hamburg ist für uns von großer Bedeutung“, betont auch Aarhus’ Bürgermeister Jacob Bundsgaard. Gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus den anderen Auftraggeber-Kommunen wundert er sich über das Missverhältnis zwischen den Ressourcen für die Anbindung Kopenhagens und Jütlands. Auf der Fehmarnbelt-Querung würden derzeit 20 Zugverbindungen für voraussichtlich 27 500 Passagiere täglich geplant. Demgegenüber würden die heute 73 000 Passagiere auf der Jütland-Norddeutschland-Route nur von zwei durchgehenden Zügen pro Tag bedient.

Die Atkins-Gutachter halten es für möglich, dass sich die Fahrgastzahlen zwischen Hamburg und Aarhus verdoppeln, wenn sich das Angebot wie vorgeschlagen verbessert. Das würde weitere 500 000 Zugpassagiere zwischen Ostjütland und Hamburg bedeuten. Hinzukommen könnte eine Steigerung der Fahrgäste im regionalen Verkehr auf der Strecke.

Vor einem Jahr hatte Atkins im Auftrag der Region Süddänemark ein Gutachten für eine Hochgeschwindigkeitstrasse vorgelegt, die die Fahrzeit sogar auf bis zu anderthalb Stunden drücken sollte – allerdings bei einem Streckenverlauf über Kiel, nur drei Zwischenhalten und gigantischen, wenn auch nicht näher bezifferten Investitionen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen