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Übung vor Dagebüll : Schnelle Rettung, wenn die Flut steigt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seenotretter üben den Ernstfall und bergen mehrere Frauen und Männer vor Dagebüll. Bei der Übung soll die Kommunikation der Mannschaft verbessert werden.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 15:00 Uhr

Eben noch war die Sandbank in Höhe der Tonne 44 zwischen Dagebüll und Föhr gut sichtbar. Doch jetzt kommt die Flut. Das Wasser kriecht in guter Laufgeschwindigkeit, über den Schlick, lässt die kleine Sandinsel zusehends schrumpfen. Die Gruppe aus Wattläufern rückt immer enger zusammen – automatisch. Auch, wenn es sich bei ihnen um erfahrene Wattführer handelt. Die Elf gehören dem Fachverband „De Wattenlöpers“ mit rund 40 Mitgliedern an, kommen vom Festland aus Dithmarschen und Nordfriesland, dem Kreis Schleswig-Flensburg und von den Halligen. Eine der seltenen Bergeübungen mit der Mannschaft des Seenotrettungskreuzers „Vormann Leiss“ steht an. „Der Grundgedanke ist, uns kennen zu lernen und abzusprechen, die Kommunikation zu verbessern“, sagt Wattführer Boy Boysen.

Wo eben noch viel Platz zwischen den Wasserzungen war, ist drei Minuten später nichts mehr zu sehen. Die Nachbarsandbank, auf der eben noch ein Kormoran seine ausgestreckten Flügel in der Sonne hat trocknen lassen, ist verschwunden. An eine Rückkehr zu Fuß wäre jetzt nicht mehr zu denken. Schon auf dem 2,5 Kilometer langen Weg raus ins Watt ging den Läufern das Wasser in den Prielen bis zur Hüfte. Jetzt kommt auch noch die Strömung hinzu.

Zwar weiß jeder Teilnehmer zu Beginn einer Führung, worauf er sich einlässt, erklärt Boy Boysen. Und alle werden auch vorher gefragt, ob sie sich gesundheitlich in der Lage fühlen, die Wanderung mitzumachen. „Aber wenn ein Mensch sich erst einmal in den Kopf gesetzt hat, von A nach B zu gelangen, dann tut er das auch.“ Schwierig ist es dann, die Gruppe in einer Notfallsituation zusammenzuhalten. Angst und Panik, häufig völlig unbegründet, kommen hinzu. Wattführer müssen darauf achten, stets Herr der Lage zu bleiben und sich nicht von Außenstehenden das Heft aus der Hand nehmen zu lassen. Dafür müssen sie wissen, wie eine Rettung abläuft und sie auch üben.

Die Männer der „Vormann Leiss“, zwei Maschinisten und zwei Nautiker, haben die Gruppe von Anfang an nicht aus den Augen gelassen. Nun lassen sie ihr 270 PS starkes Tochterboot „Japsand“ zu Wasser. Direkt können sie die Wattläufer heute nicht ansteuern, Sandbänke machen es unmöglich. Rettungsmann Rolf Pultz steigt aus, kommt in seinem Überlebensanzug mit einem Rettungsfloß der Gruppe entgegen. „Für uns ist es das Wichtigste, die Menschen möglichst schnell aus dem Wasser zu bekommen“, erklärt der 2. Maschinist Haark Seesemann. Das Umsteigen auf das Gummigefährt ist eine wackelige Angelegenheit. Zurück geht es zum Tochterboot und an Bord. Eng und stickig ist es in der schmalen Kabine. Die elf Geretteten stehen gebückt, knieen oder kauern auf dem Boden. Aber im Ernstfall wäre ihnen das egal. Sie wären froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein. An Bord befindet sich auch ein Rucksack mit medizinischer Ausrüstung. Dann geht’s weiter zum Kreuzer „Vormann Leiss“. Nachdem sich das Team um die Bergung und die Erstversorgung der Geretteten gekümmert hat, steuert der 2. Vormann (Kapitän) Manfred Pahlke (51) den Hafen von Dagebüll an. „Eine Stunde etwa würde die ’Vormann Leiss’ bei einer Alarmierung über die Nummer der Leitstelle in Bremen 124 124 oder die 112 von Wittdün auf Amrum bis zur Bergestelle benötigen“, erklärt Pahlke. In dieser Zeit wäre das Wasser etwa 60 Zentimeter gestiegen. Je früher die Retter informiert werden, umso besser. Angst vor einer Alarmierung sollte niemand haben. Manfred Pahlke: „Wir fahren lieber einmal vergebens raus.“

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