Op Platt : "Schneeschoh"

Sie schreibt gerade ihr zweites Buch: Die 86-jährige Inge Nissen. Foto: Marcus Dewanger
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Sie schreibt gerade ihr zweites Buch: Die 86-jährige Inge Nissen. Foto: Marcus Dewanger

Mit Inge Nissens Geschichte endet unsere Serie gesammelter Winter-Geschichten von Bewohnern des AWO-Servicehauses Sandberg. Das Buch heißt "Schnee von gestern".

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06. Januar 2009, 12:22 Uhr

Ick hev een ganz nette Nohbersch und de hett sik jetzt een besonders scheunen Wihnachtsmann köfft. Made in China, da denkt man doch an een anner Wihnachtsmann as wie em kennen. Aber wiet gefehlt. He is man eenmal scheun, hett een brun karrerten Antoch mit Pelsbesatz an, un um sien dicken Buk een Gürtel ut Weide mit ördentlich veel Kätzchen dran. Ob sien Rüch en groten Bund Reisig, dann an de eene Siet von sien Gürt een Kort mit allerlei bin un ob de eene Siet een Sack. Dat scheunste aber sünd richtige Schneeschoh, so wie se de Lappen in er kohlen Heimat un denn veelen Schnee bruken. Un een wunnerscheuen groten Bart hett he og noch uns China-Wihnachtsmann. - De Schneeschoh aber repen een scheune Erinnerungen wach, de liggt nu schon ganz veele Johr trüch. Ick wer an Backen för mien Geburtstag un da passert doch een Malheur und de Koken fallt dol und alls is voll Krümel un zerbroken Koken. Na ja, Schadenfreut is wohl de gröttste Freud, op jedenfall beglückte man mi denn ton Geburtstag zweemal mit een " Kokenretter" , süht so ähnlich ut as een Tennisschläger un de is ut Plastik. Ik dach denn so bi mi, allwedder son Krom, de die de Schaps füllt un de du doch nich bruken kannst. Aber wiet gefehlt. Da keem ja de Schneekatastrophe, un Flensburg versunk in Schnee. Mien Dochter, de een Stück Wegen fun uns wohnte, hett sik dürch denn Schnee to uns arbeitet. Se wull de Kokenretter in Besitz nehm. Da dach ik, wat schall denn dat, awer 1,2,3, har se mit nem Bindfaden de Kokenretter an ehr Stebel bunnen un schon har se de scheunsten Schneeschoh. Da kann man wedder sehen, wat passiert, wenn man wat "zweckentfremdet". Is doch reif för en Patent nich wor?


Das Buch
Die von uns veröffentlichten Weihnachts- und Wintergeschichten sind vom Initiator, der Arbeiterwohlfahrt, zu einem kleinen Buch zusammen gestellt worden. Der Titel: Wintergeschichten – „Schnee von gestern“ mit Spuren von heute. Es ist 28 Seiten stark und enthält neben den Texten auch zahlreiche, eigene Illustrationen. In den AWO-Servicehäusern am Sandberg, Schulze-Delitzsch-Straße 21, und Fruerlund, Mürwiker Straße 81 - 83, wird es an Interessenten kostenlos abgegeben
Von Heimat- und Bücherliebe
Inge Nissen schreibt schon, seit sie denken kann. In der Schule wurde ihr Talent auffällig. „Der Inhalt war immer sehr gut, nur bei der Interpunktion hat es gehapert“, schmunzelt die 86-Jährige. Seit vielen Jahren ist sie im Flensburger Autorentreff aktiv: „Das heißt aber nicht, dass ich mich als Schriftstellerin fühle.“ An ihrer alten Schreibmaschine tippt sie gerade ihr zweites Buch. Es enthält plattdeutsche Kurzgeschichten. In Neumünster geboren, beendet sie 1940 die Schule. Im Krieg wurde sie bei Tarnow als Arzthelferin und Mädchen für alles eingesetzt. Dort lernte sie ihren Mann kennen, den sie 1950 heiratete. Nach dem Krieg absolvierte sie eine kaufmännische Lehre und arbeitete im Porzellan- und Kunstgewerbe. Nach dem Krieg zog sie zu den Großeltern nach Flensburg. Hier lebt sie seit über 60 Jahren. „Das Schönste an jedem Urlaub ist das Nachhausekommen“, zeigt sie ihre Verbundenheit zur Fördestadt. Die Mutter von zwei Kindern und Oma von vier Enkeln ist eine wahre Büchernärrin. Als sie in die AWO--Wohnanlage zog, fehlte ihr etwas. Auf ihre Initiative hin entstand eine gemütliche Bücherei. Für alle Mitbewohner ist die Bibliothek zum „gemütlichen Wohnzimmer“ geworden. Vier mal im Jahr organisiert sie dort eine Lesung. Ihre Geschichte „De Schneeschoh“ schrieb sie im Sibirien-Winter 1978/79 und beruht auf einer wahren Begebenheit. Wer weiß, vielleicht veröffentlicht die rüstige Frau irgendwann ein drittes Buch.

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