Stadtwerke Flensburg: Fristlos Entlassen : Schmutzige Trennung bei IT Power

Die Stadtwerke und ihre Töchter sorgten nicht immer für positive Schlagzeilen. Die Abwicklung von IT Power wird von hässlichen Nebengeräuschen begleitet.
Die Stadtwerke und ihre Töchter sorgten nicht immer für positive Schlagzeilen. Die Abwicklung von IT Power wird von hässlichen Nebengeräuschen begleitet.

Stadtwerke lösen IT Power bis Ende September auf und entlassen Geschäftsführer fristlos. Der will klagen.

shz.de von
12. Mai 2015, 08:00 Uhr

Es ist eine heikle Personalie, vielleicht auch eine fragwürdige. Wie im Februar angekündigt, lösen die Stadtwerke ihre Tochter IT Power GmbH zum 30. September auf. Betroffen sind 18 Mitarbeiter – für sie seien, so Stadtwerke-Geschäftsführer Maik Render in einer Pressemitteilung, mit dem Betriebsrat sehr gute und für die Stadtwerke tragbare Lösungen gefunden worden. Für alle, nur für einen nicht: Sven L., seit 2012 Geschäftsführer der IT Power, wurde fristlos gekündigt.

Die städtische Tochter ging diese Personalie mit ungewöhnlicher und unüblicher Schärfe an. Die Pressemitteilung kommt als Pranger daher, der betroffene Mitarbeiter wird mit vollem Namen genannt, die Wortwahl lässt keinen Zweifel, dass der Kündigung schwerste Vorwürfe zugrunde liegen. Sein Fehlverhalten habe keine andere Wahl gelassen, schreibt das Unternehmen, es gebe – juristisch betrachtet – keine Zweifel an der Richtigkeit und Notwendigkeit dieser Entscheidung. „Rein menschlich tut es mir sehr Leid“, wird Render noch zitiert.

Auf Nachfrage unserer Zeitung deutet er später an, dass im Hintergrund der Straftatbestand der Untreue eine Rolle spiele. „Die Verfehlungen waren nicht tragbar“, sagt Render. „Wir haben uns zu einem Schritt mit großem Getöse entschieden, ehe in der Öffentlichkeit viele Fragezeichen kursieren.“

Es gibt noch eine zweite Ebene. Die Moral. Sven L. ist schwer erkrankt. Gegenüber unserer Zeitung sagte der 42-Jährige, er sei dabei, deshalb seine Berufsunfähigkeitsrente zu beantragen. Dem Vorwurf des Arbeitgebers, der zur fristlosen Entlassung führte, widerspricht L. vehement. „Die Stadtwerke haben mir ihre Begründung nicht nachvollziehbar dargelegt“, sagt L. Die Zahlen der IT Power seien voll im Wirtschaftsplan gewesen. Er sei krankheitsbedingt im Urlaub gewesen. Als er sich kurzzeitig in der Firma aufhielt, sei ihm von einem Vertreter der Personalabteilung die Kündigung überreicht worden, Render habe ihm danach zwar mitgeteilt, um was es geht. „Ich habe das alles aber nicht verstanden“, sagt L. „Ich war geschockt. Ich habe nichts getan, was diesen Schritt rechtfertigt!“

Nach seiner Entlassung stehen Sven L. und Familie ohne Bezüge da. Klar. Er wird gegen die Entlassung auf dem Rechtsweg vorgehen. Aber das kostet Zeit. Und Kraft. Maik Render ist dabei nicht wohl in seiner Haut. Render stand im Konflikt zwischen moralischem Empfinden und der aufs Ganze gerichteten Unternehmensethik. Render wählte den harten Schnitt. Er sagt, es gab keine Wahl. „Wir hatten Herrn L. ein Vergleichsangebot unterbreitet, um die Sache einvernehmlich zu lösen. Das wollte er nicht. Da haben wir uns entschieden, in die Offensive zu gehen, ehe es anders herum läuft.“

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