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Stefan Dobritz in Flensburg : Schlüsselmomente des Schicksals

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stefan Dobritz ist promovierter Mediziner, arbeitet jedoch als Künstler – in der Galerie Bilder im Hof wurde gestern seine Ausstellung eröffnet

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erstellt am 28.Okt.2017 | 12:26 Uhr

Sein Großvater war sein Vorbild. Der Mann hatte eine „typische Hausarztpraxis, Zeit für seine Patienten“, war 24 Stunden am Tag für sie da. Und er bescherte ihm einen wichtigen Schlüsselmoment in seinem Leben. „Ich möchte so werden wie mein Großvater“, habe er gedacht, mit Begeisterung ein Medizinstudium in seiner Heimatstadt Lübeck aufgenommen und mit Promotion beendet.

Dr. Stefan Dobritz, 1965 geboren, interessiert sich jedoch gleichzeitig für viele Dinge. „Am liebsten möchtest Du fünf Berufe ergreifen“, erinnert er sich an seine Gedanken als junger Erwachsener. Neben seinem Studium malt Dobritz in jeder freien Minute. Und dann lernt er 1986 Jürgen Runge bei dessen Bilderausstellung im Lübecker Buddenbrookhaus kennen. Ein weiterer Schlüsselmoment. Er sei sehr beeindruckt gewesen, denkt Dobritz zurück, „das möchtest Du auch können.“ Danach habe er Runge, der in Cismar lebte und Meisterschüler von Oskar Kokoschka war, „skurrilerweise“ ein paar Mal im Freien beim Malen wieder getroffen und sich mit ihm angefreundet. Runge, so erzählt der Vater zweier kleiner Kinder, habe ihm die Malerei als Handwerk nähergebracht.

Die alte Spachteltechnik, die Künstler schon vor 200 Jahren anwandten, verleihen den Werken eine dritte Dimension, erklärt Stefan Dobritz. Aufgrund dieser Struktur entfalten die Bilder „je nach Licht immer eine andere Wirkung“, das höre er auch häufig von Betrachtern.

Wie das aussieht, ist seit der Vernissage gestern Abend in der Galerie Bilder im Hof in der Roten Straße zu sehen. Die Ausstellung zeige eine große Bandbreite des Schaffens, sagt Galeristin Karen Kaul, die Dobritz zu den besten Realisten des Landes zählt und ihn schon lange kennt. Überwiegend sei der Lübecker zwar Landschaftsmaler, „er kann aber auch Stillleben“, sagt Kaul und deutet auf drei Exemplare, darunter ein Tulpen-Arrangement, bei dem der Künstler „schön mit dem Licht spielt“. Viele Stimmungen habe Dobritz festgehalten, wenn er so oft es geht im Freien malt – die aufwühlenden sind besonders bemerkenswert. Etwa das vom Steilufer an der Ostsee mit dem schüttenden Regen, das der Urheber selbst als sein Lieblingsbild nennt. „Jedes Bild ist ein Tag meines Lebens“, sagt er und, dass er sich an die Momente erinnert, als sie entstanden. Das schlicht „Flensburg“ genannte ist – zumal im Kontrast zu dem Werk darunter vom friedlichen Hafenostufer – ein weiteres Beispiel für Dramatik. Die dunklen Wolken, die Lichtbrechungen und die Größe von 80 mal 160 Zentimetern sorgen dafür.

Karen Kaul hebt zudem das häufig reduziert Plakative hervor, macht auf den Mohn in großer, roter Schönheit aufmerksam, auf komplementäre Farbflächen und auch auf ein hinreißendes Bild namens St. Peter Ording. „Fast monochrom“ in zart rötlichem, fast warmen Grau bringt es dennoch die diffusen Lichtverhältnisse heraus, die so typisch sind. Und unauffällige pastose Akzente geben dem Bild Tiefe.

Ganz viel Sylt (Dobritz betreibt dort eine Galerie mit Peter Witt) mit Sand und Gischt, Strand und Strandkörben, aber auch ein Bild vom Hamburger Hafen und Winter im Harz sind bis zum 25. November bei Bilder im Hof zu sehen, natürlich Flensburg-Motive, darunter die Rote Straße. „Wenn ich nicht in Lübeck wohnen würde, dann in Flensburg“, behauptet Stefan Dobritz. Auch ein Werk von Jürgen Runge hat er mitgebracht.

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