Flensburg : Schlüsseldienst-Abzocke: Es geht noch teurer

Bei Anruf teuer: Viele obskure Schlüsseldienste tummeln sich auf dem Markt. Foto: sh:z
Bei Anruf teuer: Viele obskure Schlüsseldienste tummeln sich auf dem Markt. Foto: sh:z

In punkto Schlüsselnotdienste liegt Flensburg ganz vorne - im negativen Sinn. Stundenlöhne der Notdienste lagen mitunter bei 350 Euro.

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20. Juni 2011, 10:20 Uhr

Flensburg | Nach unserem am Donnerstag erschienenen Artikel "Schlüsseldienst-Wucher an der Förde" gibt es zahlreiche Leserreaktionen. So weist der SBV Flensburg darauf hin, dass der Schlüsseldienst für Mitglieder während der allgemeinen Öffnungszeiten kostenfrei sei. Während des Notdienstes zahlen Mitglieder eine Pauschale von 50 Euro.
Der Flensburger Hans-Werner Praetorius schildert dagegen die Erfahrungen seiner Tochter, die im Februar dieses Jahres einen Schlüsseldienst in Anspruch nehmen musste. Sie hatte sich an einem Sonntag ausgesperrt, den Schlüssel stecken lassen. Der Klassiker.
Tür geöffnet, neues Schloss: 734 Euro
Eine Hilfe versprechende Telefonnummer habe die Auskunft geliefert. Die Tochter unterschrieb eine Kostenübernahme, in dem Glauben, es handele sich um eine seriöse, ortsansässige Firma. Tatsächlich habe der AEG Schloss- und Schlüsseldienst seinen Sitz jedoch im süddeutschen Raum.
Nachdem die Tür geöffnet und ein neues Schloss (im Wert von 60 Euro) eingebaut war, zückte der Mitarbeiter sein mitgebrachtes EC-Lesegerät. Die Kosten: 734 Euro. "Kein Scherz" , sagt Praetorius, "die ganze Sache hat etwa eine halbe Stunde Arbeit erfordert." Da erscheint selbst der in einer Studie angeprangerte, in Flensburg ermittelte Durchschnittslohn von 350 Euro geradezu harmlos.
Ermittlungen der Flensburger Kripo laufen
"Selbstverständlich haben wir die Polizei eingeschaltet, die wiederum von der Staatsanwaltschaft den Auftrag bekommen hat, die Sache weiter zu verfolgen," sagt Praetorius. Handwerkskammer und Verbraucherschutz wurden ebenfalls informiert - ohne Reaktion. "Ich habe keine Hoffnung, das Geld wiederzusehen", resümiert Praetorius. Gleichwohl dürfe man einen solchen Wucher nicht auf sich beruhen lassen.
Im Fall Praetorius laufen die Ermittlungen der Flensburger Kripo, wie am Donnerstag eine Sprecherin bestätigte. Anzeigen wegen unseriöser Schlüsseldienste habe es ansonsten in diesem Jahr noch nicht gegeben. Die Kripo empfiehlt, sich die Nummern ortsansässiger Anbieter zu sichern, bevor es zum Fall der Fälle kommt.
(gudo, shz)

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