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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 08:21 Uhr

Richtig Bäume fällen : Schlimme Schnitte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Naturschutzbehörden von Stadt und Kreis weisen zum Beginn der Baumfällsaison auf die größten Fehler hin.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Gekappte Pappeln, Rotbuchen oder Linden, bei denen nur noch die blanken Stämme traurig in den Himmel ragen: Oliver Fritzsche hat gemeinsam mit seinen Kollegen aus dem Kreis Schleswig-Flensburg einige besonders üble Beispiele irreparabler Abholzungen aus Stadt und Kreis zusammengetragen: „Die Verluste an prägenden Bäumen nehmen immer mehr zu“, sagt der Mann von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt. Mit dem Ulmensterben in den 90ern habe in Flensburg der Niedergang einer großen Baumart begonnen. Und auch gegen das aktuelle Eschensterben sei derzeit leider kein Mittel zu finden. Da sei es um so ärgerlicher, wenn durch unsachgemäße Schnittarbeiten zahlreiche zusätzliche Gehölze verloren gingen.

Fritzsche, seine Schleswiger Kollegin Rosemarie Holst sowie die Naturschutzbeauftragten Jürgen Uwe Maßheimer (Stadt) und Edmund Link (Kreis) haben allerdings den Eindruck gewonnen, viele dieser nicht fachgerechten Baumschnitte passierten vor allem aus Unwissenheit. Deshalb wollen sie vor allem die privaten Grundstücksbesitzer zum Beginn der Fäll- und Schnittsaison informieren. „Teilweise fehlt einfach die Sensibilität, wenn Bäume für den Rest des Lebens verunstaltet werden“, sagt Edmund Link. Die schlimmste Unart dabei sei die Kappung der ausgewachsenen Bäume, also das komplette Absägen der Krone, schimpft Rosemarie Holst. Dann habe der Austrieb nämlich gar keine echte Verbindung mehr zum ursprünglichen Baum, Fäulnis bilde sich, und ohne Krone verliere der Baum auch die Fähigkeit zur Fotosynthese. Ergebnis: Der Baum, der in der Hoffnung gekappt worden sei, die Stabilität zu sichern, sei von seinem Bearbeiter nun in genau die gegenteilige Situation gebracht worden. Er werde unweigerlich instabil und einsturzgefährdet. „Die Bäume sind auch gefährdeter gegen Pilze und haben einen höheren Pflegeaufwand“, berichtet Oliver Fritzsche. Der junge Baum dagegen könne einen „Erziehungsschnitt“ gut vertragen.

Mit schlechten Beispielen ermunterten sich Hobbygärtner gegenseitig zum Abnehmen de Baumkronen ohne Verluste. Und noch etwas hat Rosemarie Holst in den vergangenen knapp zwei Jahren beobachtet: „Die Angst der Menschen nach Sturm Christian war sehr massiv.“

Wichtig sei, dass alle größeren Fäll- und Schnittarbeiten von einem Fachmann erledigt würden, sagt Oliver Fritzsche. Und Jürgen Uwe Maßheimer nennt die Bibel des Baumschnitts – die ZTV Baumpflege (die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege). Eine Faustregel lautet zum Beispiel: Nie mehr als 20 Prozent des Baumes wegschneiden. Und wenn Äste fallen müssen, dann lieber von unten als von oben wegschneiden. So wie es in der Stadt immer wieder geschieht, wenn Alleebäume Straßen für den durchfahrenden Bus- und Lastwagenverkehr eine minimale Asthöhe von gut vier Metern notwendig machten. „Aufasten“ nennt das der Fachmann.

Jürgen Uwe Maßheimer will keine Namen nennen. Er berichtet aber, es gebe auch Firmen am Markt, bei denen die Fachkenntnis fehle – von ZTV Baumpflege hätten manche noch nie etwas gehört. „Wer das nicht bieten kann, sollte keinen Auftrag bekommen.“

 

 

 

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