Schleswigs Theater wird geräumt

Generalintendant Peter Grisebach  weiß im Moment noch nicht, wie es am Stadttheater weiter gehen soll. Foto: Bühmann (3)
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Generalintendant Peter Grisebach weiß im Moment noch nicht, wie es am Stadttheater weiter gehen soll. Foto: Bühmann (3)

Statiker ermittelt hohes Gefährdungspotenzial / 70 Mitarbeiter benötigen innerhalb weniger Tage neue Arbeitsstätten

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06. Dezember 2012, 07:28 Uhr

Schleswig | Die Hiobsbotschaft kam vor wenigen Tagen: Schleswigs Bürgermeister Thorsten Dahl hatte nach einer neuerliche Untersuchung der Statik angeordnet, dass das seit einenhalb Jahren ungenutze Stadttheater mit allen Nebengebäuden komplett geräumt werden muss. Die Mitarbeiter des Landestheaters stellen sich jetzt darauf ein, bereits an diesem Wochenende ihre Büros und Werkstätten verlassen zu müssen. Generalintendant Peter Grisebach hofft, dass er zumindest das Haus im Lollfuß 51, in dem sich unter anderem sein eigenes Büro befindet, weiter nutzen kann. Dass Maske, Schneiderei und Technik ihre Räume, die direkt an das Haupthaus angrenzen, verlassen müssen, hält er unterdessen für nahezu sicher.

"Ich weiß nicht, wo ich auf die Schnelle ein Umzugsunternehmen finden soll, das diese Aufgabe bewältigt", sagt Grisebach. Er hat bereits mehrere Ausweichquartiere besichtigt. Unter anderem die Seniorenbegegnungsstätte in der Langen Straße 6 und das Rathaus-Nebengebäude in der Fischbrückstraße. Beide Gebäude gehören der Stadt Schleswig, und dort sind Räume frei, in die die Theaterverwaltung einziehen könnte. "Wir benötigen aber auch Räume im näheren Umkreis der Bühne im Slesvighus", betont der Intendant. Hier hat die Stadt selbst keine Immobilien.

Bürgermeister Dahl begründete die Sperrung so: "Bei einer Begehung des Theaters mit Ingenieuren und Mitarbeitern des Bauamtes hat sich herausgestellt, dass die Standsicherheit des Gebäudes nicht gewährleistet ist."

Derzeit macht sich ein Statiker ein exaktes Bild von der Gefährdungslage, die vom Theatergebäude am Lollfuß ausgeht. Bisher liege nur eine "erste Grobeinschätzung" vor, so Dahl. Doch fühle er sich als Bürgermeister der Stadt zum schnellen Handeln verpflichtet, da die Sicherheit für die Nutzer und Besucher des Theatergebäudes eingeschränkt sei. Dahl: "Ich habe durch das Brandunglück der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt schließlich vor Augen, was passieren kann." Dahl kündigte an, am kommenden Montag die Ratsmitglieder über den Stand der Dinge zu informieren.

Nach derzeitigem Stand müssen Schneiderei, Maskenbildnerei, Dramaturgie, Verwaltung, künstlerisches Betriebsbüro und Werbeabteilung geräumt werden. Dort sind insgesamt etwa 70 Mitarbeiter beschäftigt. Wo sollen sie nun hin? Wo kommen neue Arbeitsstätten her? Und wohin mit den ganzen Theater-Utensilien? Muss eine Container-Lösung gefunden werden? Viele nicht gelöste Probleme. "Ich bin ratlos", sagte Landestheater-Generalintendant Peter Grisebach.

Ratlos, weil er von heute auf morgen eine gigantische Räumungsaktion organisieren muss - "und das mitten in der laufenden Theatersaison mit vielen Aufführungen im ganzen Land." Für diese plötzliche Sperrung des Theaterhauses habe er kein Verständnis, so Griesebach. Natürlich wolle auch er niemanden einer Gefahr aussetzen, sagt er. Aber: "Wenn man Dahls These einer Einsturzgefahr des Daches und in der Folge auch der Seitenwände des alten Theatertrakts ernst nimmt, dann müssten auch die Straße und die angrenzenden Gebäude gesperrt werden." Auf jeden Fall plädiert Grisebach dafür, bei dieser weitreichenden Entscheidung einer Komplett-Sperrung eine zweite Expertenmeinung einzuholen. Ein bauliches Desaster zeichnet sich ab. Grisebach: "In meinen kühnsten Albträumen habe ich mir das nicht vorgestellt."

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