Preis der Robert-Bosch-Stiftung : Schleswig-Holsteins beste Schule

Jubel an der Waldstraße in der großen Pause: Auch die Waldschüler in Flensburg jubeln über den Preis.
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Jubel an der Waldstraße in der großen Pause: Auch die Waldschüler in Flensburg jubeln über den Preis.

Die Waldschule holt in Berlin den Deutschen Schulpreis und 25 000 Euro – weil man hier im Unterricht verschieden schnell lernen darf.

shz.de von
11. Juni 2015, 13:03 Uhr

Am Schluss drängen zwei Dutzend Kinder der preisgekrönten Schulen zum Gruppenfoto auf die Bühne – und auf den besten Plätzen finden sich plötzlich Nike Mumm und Leni Englert von der Waldschule wieder: Die Drittklässlerinnen rahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel links und rechts ein. „Ich wollte sie nach einem Autogramm fragen“, erzählt Nike anschließend. „Aber irgendwie hab’ ich’s dann doch nicht gemacht.“ Toll war’s trotzdem: „Man kennt die ja sonst nur aus dem Fernsehen. Neben ihr zu stehen – das ist ein Erlebnis, das man nie vergisst.“

Nie vergessen wird den gestrigen Tag wohl die ganze Delegation der Waldschule, die unter Leitung von Rektor Volker Masuhr nach Berlin gereist ist. Denn die Grundschule hat ihrer beachtlichen Reihe von schon vier Preisen den bisher bedeutendsten hinzugefügt: Sie hat den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung gewonnen, die angesehenste Auszeichnung, die eine Schule erhalten kann. Daher sind auch die Kanzlerin und Landeskultusministerin Britta Ernst zur Siegerehrung in die Berliner Heilig-Kreuz-Kirche gekommen – und daher überträgt das Fernsehen live. So können auch die vielen zuhause gebliebenen Drittklässler der Waldschule die Feier in einem Videoraum mitverfolgen.

Den Schulpreis gibt es für vorbildliche Leistungen und Konzepte. An der Waldschule mit 320 Schülern überzeugt die Juroren vor allem, wie sie es schafft, allen Kindern in den bunt zusammengesetzten Klassen gerecht zu werden – auch denen mit Behinderung oder hohem Förderbedarf. „Dass hier alle Schüler mitgenommen und zu individuellen Erfolgen geführt werden, ist selbstverständlich“, lobt die Jury.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Schule ihr Motto konsequent beherzigt. „Es ist normal, verschieden zu sein“ lautet es – und daher dürfen die Schüler auch im Unterricht verschieden schnell sein. „Alle dürfen nach eigenem Tempo arbeiten“, sagt Jakob Krüger (10) auf die Frage, was ihm an seiner Schule am besten gefällt. Sein Rektor hält das für den Schlüssel des Erfolgs: „Seit nicht mehr alle Schüler zur gleichen Zeit das gleiche machen sollen, gehen die Verhaltensauffälligkeiten gegen Null“, sagt Masuhr. Inzwischen würden sich Besucher oft wundern, wie ruhig es an seiner Schule zugeht. Dabei hilft, dass Masuhr vier Sonderpädagoginnen und sieben Integrationshelfer als zweite Kräfte in den Klassenzimmern einsetzen kann.

Wegen des guten Rufs schicken inzwischen auch Eltern aus anderen Stadtteilen ihre Kinder auf die Schule im Flensburger Norden. „Früher eher gemieden, ist die Schule heute am Rande ihrer Aufnahmekapazität“, stellt die Jury fest. Masuhr musste zuletzt sogar Bewerber ablehnen. Auch das Interesse von anderen Schulen, Wissenschaftlern und Journalisten steigt. Allein im laufenden Halbjahr waren schon 200 Besucher an der Schule, um das Erfolgsrezept zu studieren. Und gestern kamen mit dem NDR, RTL und RSH gleich drei Sender ins Haus. Anerkennung kam außerdem von Ministerin Ernst: „Die engagierte Arbeit der Schule hat ihre verdiente Würdigung erfahren“, sagte sie.

Was die Waldschule mit ihrem Preisgeld von 25  000 Euro macht, weiß Masuhr noch nicht: „Da sollen auch Kinder und Eltern mitreden“, sagt er. Neben seiner Schule erhalten gestern noch vier andere der nominierten 15 Schulen 25  000 Euro – darunter das Hamburger Ganztagsgymnasium Klosterschule. Und die Gesamtschule Barmen in Wuppertal bekommt sogar 100  000 Euro, den Hauptpreis. Einen Trostpreis von 2000 Euro erhalten die nicht prämierten Schulen wie die Kieler Gorch-Fock-Grundschule.

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