Zwei Läden schließen : Schlecker: Mitarbeiterinnen zwischen Hoffen und Bangen

Vorne Baustelle - und hinten bald auch: Die Tage des Schlecker-Marktes an der Bachstraße sind gezählt. Im Laden hängen bereits die rosafarbenen Sonderrabattschilder. Am 24. März soll Schluss sein. Foto: jol
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Vorne Baustelle - und hinten bald auch: Die Tage des Schlecker-Marktes an der Bachstraße sind gezählt. Im Laden hängen bereits die rosafarbenen Sonderrabattschilder. Am 24. März soll Schluss sein. Foto: jol

In Flensburg trifft es womöglich weniger Läden als befürchtet - zunächst nur auf Jürgensby und in Engelsby

shz.de von
15. März 2012, 10:58 Uhr

Flensburg | Die einzige gute Nachricht für die Schlecker-Kundschaft auf Jürgensby lautet: "Ab sofort gibt’s 30 Prozent auf alles." Gestern Mittag hingen im Laden an der Bachstraße bereits die Rabattschilder: "Einzelartikel bis 50 Prozent reduziert." Doch die positive Nachricht hat ein ziemlich rasches Verfallsdatum: Am Sonnabend in einer Woche ist hier bereits Schluss mit Waschmittel, Toilettenpapier, Tierfutter & Co. Auch die Filiale an der Engelsbyer Straße gehört zu den bundesweit rund 2000 Läden, die bis zum 24. März ratzfatz schließen sollen.
Ingrid Ries und ihren Kolleginnen vom Flensburger Schlecker-Betriebsrat bleibt dennoch der Trost, dass ihr Kampf der vergangenen Woche wohl nicht umsonst war. Statt wie ursprünglich vorgesehen vier oder sogar fünf von sechs Flensburger Schlecker-Filialen schließen zunächst nur die Filialen auf Jürgensby und in Engelsby - sowie Husby und Schafflund im Umland. So schlecht können also die Argumente von Ingrid Ries und Kolleginnen nicht gewesen sein: "Wir können leider nicht jeden Arbeitsplatz retten", sagt Ries.
Eine schwerer Schlag - vor allem für Jürgensby
86 Mitarbeiterinnen zwischen Flensburg, Langballig und Niebüll in bislang 19 Läden zittern um ihre Jobs. Gestern Abend wurden sie bei einer Betriebsversammlung im Verdi-Büro an der Roten Straße informiert. Wen es trifft, wissen sie noch nicht. Frühestens der Montag könnte Klarheit bringen. Klar ist, dass die Läden am Ochsenweg in Weiche, an der Gertrudenstraße auf der Westlichen Höhe und an der Beethovenstraße zunächst gerettet sind. In der Zentrale haben sie wohl gemerkt, dass die örtlichen Betriebsrätinnen die Zahlen und die Lage am Ochsenweg oder an der Gertrudenstraße besser bewerten können als der Insolvenzverwalter und die Unternehmensberater von McKenzie.
Vor allem für Jürgensby ist es dennoch ein schwerer Schlag. Hier um die Ecke haben in den 90er Jahren bereits zwei Spar-Läden und ein Bäcker geschlossen. Mit Schlecker geht der vielfach älteren Nachbarschaft wieder ein Stück Infrastruktur im Viertel verloren. Einkaufen findet auf Jürgensby fast gar nicht mehr statt. Der "Lütte Koopmann" neben Schlecker, von der Größe her bestenfalls ein Viertel des Drogeriemarkts ist der letzte Kaufmann im Quartier.
"Das ist schon traurig", sagt eine Kundin: "Dann muss ich künftig runter in die Stadt zum Einkaufen", sagt sie. Ursula Evers wohnt direkt nebenan und weiß den Schlecker-Markt zu schätzen: "Da konnte man schnell mal Hundefutter oder Klopapier holen." Und Enkelkind Tjark (3) durfte mitkommen. Wo künftig eingekauft wird, ist noch unklar. Vielleicht in Wees. Auf jeden Fall muss Tjark dann mit Mama mit dem Auto fahren.

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