Flensburg : Schlecker: Jeder zweite Laden ist dicht

Ingrid Redlefsen
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Ingrid Redlefsen

Viele Flensburger Filialen der insolventen Drogeriekette haben in den letzten Jahren geschlossen / Sechs sind noch am Markt

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24. Januar 2012, 06:35 Uhr

Flensburg | Die Wartezeit an der Kasse ist verbraucherfreundlich. Es ist nicht viel los bei Schlecker um die Ecke. Die Verkäuferin hat Zeit, zwischen zwei Kunden die Berichterstattung im Tageblatt zu lesen. "Niemand will Schlecker haben", steht da. Die Verkäuferin trägt es scheinbar mit Fassung. Die Regale mit Duschzubehör und Haarpflege sind noch gut gefüllt, andere schon deutlich gelichtet. Viele Preise sind reduziert. Endzeitstimmung? Eigentlich war es immer so bei Schlecker.

Die Verkäuferin weiß nicht, was aus ihr und dem Laden wird. Aber sie darf und möchte gar nichts sagen, sucht stattdessen die Telefonnummer des Pressesprechers heraus. In einer anderen Filiale in Flensburg werden die Kolleginnen deutlicher und drohen mit der Polizei.

"Die Kollegen sind wütend und enttäuscht", sagt Nora Münstermann von der Gewerkschaft Verdi, die sich um die Schlecker-Mitarbeiter im Raum Flensburg kümmert. "Seit Freitag klingelt hier ununterbrochen das Telefon." Man habe aus der Zeitung und von Kunden von der Insolvenz erfahren, sagt Betriebsrätin Ingrid Ries, die Information sei "mehr als schlecht". Die größte Angst: "Kommt mein nächstes Gehalt?" Viele befürchten, keinen adäquaten Job zu finden, falls es bei Schlecker nicht weiter geht.

Sechs Läden gibt es noch in Flensburg, es dürften noch vor wenigen Jahren mehr als doppelt so viele gewesen sein. Wie viele genau? "Wir geben im Moment keine Auskünfte zu einzelnen Läden und Standorten", sagt Alexander Guettler und bittet um Verständnis. Er ist bei Schlecker für Pressearbeit zuständig. Man wolle sich derzeit ganz auf die Bearbeitung der Insolvenz konzentrieren, erläutert er.

Wen man auch befragt in der Stadt: Jeder hat seinen Schlecker-Markt um die Ecke und, ja, der ist auch noch geöffnet. Zum Beispiel in Fruerlund in der Ladenzeile an der Travestraße. Falsch, seit 28. Dezember geschlossen. Aber der an der Norderstraße, der vor über zehn Jahren ein paar mal überfallen wurde, der ist doch noch da, oder? Nein, auch dicht. Was ist mit den Läden in der Twedter-Plack-Passage, am Breedlandweg und an der Osterallee? Alle weg. Der Niedergang der blauen Drogeriekette lässt sich fast schon am Stadtbild ablesen. Es scheint, als hätte es sich hier ausgeschleckert.

"Die Konkurrenz stärker, die Märkte abgelegen und unattraktiv": Ziemlich deutlich bringt eine Kundin im Markt in Jürgensby ihr Urteil auf den Punkt. Ihre Meinung teilen weitere Kunden, wie beispielsweise Ingrid Redlefsen, die zugibt, nur bei Schlecker eingekauft zu haben, weil sie zufällig in der Nähe war und nur eine Kleinigkeit zu besorgen hatte. Jürgen Jung würde es bedauern, wenn der Schlecker in seiner Nähe schließt. Doch auch er übt Kritik: "Die Aufmachung und die Warenauslage wirken schlecht und unorganisiert." Eine Kundin allerdings lobt ausdrücklich die Freundlichkeit der Mitarbeiter.

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