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Greylogix Flensburg : Schlechtes Zeugnis für den Bachelor

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ministerpräsident Torsten Albig besucht Bilfinger Greylogix in Flensburg. Der Geschäftsführer Lars Malter kritisiert die Ingenieurs-Ausbildung als praxisfern.

Flensburg | Da sprach die alte Schule, am Freitag bei Bilfinger GreyLogix in der Conrad-Röntgen-Straße. Lars Malter, neben Gerd Witzel Geschäftsführer des Flensburger Unternehmens, ging mit der Ausbildung des Ingenieursnachwuchses hart ins Gericht. „Unser Unternehmen braucht erstklassige Ingenieure. Leider ist die Entwicklung nicht zu unseren Gunsten verlaufen“, sagte Malter anlässlich eines Besuchs von Ministerpräsident Torsten Albig.

Malter, Diplom-Ingenieur, zielte dabei in Richtung der Bachelor-Ausbildung, die er – mit Blick auf die Eignung für das eigene Unternehmen – für viel zu theorielastig hält. „Eine klare Fehlentwicklung“, stellte er fest. „Die Leute, die kommen, können nichts, können weniger als ein Elektroniker.“ Auch die FH Flensburg mache bei diesem System-bedingten Qualitätsverlust keine Ausnahme. Malter beklagte den Verlust hochwertiger Studiengänge in Flensburg (Automatisierungstechnik komplett weggefallen, Elektrotechnik und Informationstechnik jetzt an der Westküsten-Uni in Heide). Das Unternehmen hat die Konsequenz gezogen. „Wir müssen die Schwächen im System ausgleichen“, so Malter. Greylogix bietet mittlerweile in allen relevanten Unternehmensfeldern Ausbildungen nach dem Dualen System an. Bachelor Ausbildung, ergänzt durch Praxis-orientierte Ausbildungsinhalte in eigenen Ausbildungsstätten der großen Bilfingergruppe, der Greylogix angehört.

Ob Torsten Albig sich sekundenlang wohl erträumte, wie schön es wohl wäre, komplizierte politische Prozesse auch so ingenieursmäßig, so zielorientiert zu steuern wie hier? Albig bekannte, er sei neugierig geworden auf GreyLogix, auf die Unternehmensgründer Malter und Witzel, auf die Erfolgsstory des 15 Jahre alten Mittelstand-Startups, das längst in der Liga der Großen spielt und von den Großen einige schon abgehängt hat. „Wir haben uns gefragt“, schmeichelte Albig, „was so die spannenden Unternehmen im Lande sind. Und da sind sie dabei.“

Nun denn. Eine spannende vor allem schnelle Unternehmensgeschichte. hörte Albig auch. Malter erzählte dem MP von den Urgründen des Unternehmens. Von zwei Flensburger Fachhochschulabsolventen. Der eine, Witzel, Technischer Informatiker, der andere, Malter, Maschinenbau-Ingenieur. Vom Angestelltsein in einer ersten Firma, die zwar einen genialen Daniel Düsentrieb zum Chef – aber niemals Geld hatte. Malter erzählte vom Nahen der Jahrtausendwende und der ebenfalls nahenden ersten Vaterschaft, von dem Wunsch, als junge Väter nicht ständig mehr pleite zu sein und dem entscheidenden Schritt, der diesen unerfreulichen Zustand im Idealfall für immer beendete: Die Gründung von GreyLogix im April 2000. Danach ging alles ganz fix. 2007 wurde Greylogix zu groß für den Wirtschaftskindergarten Technologie- und Gewerbezentrum an der Lise-Meitner-Straße wurde. Die Firma bezog eigene Wände und blieb als Spezialist für Automatisierungslösungen bis heute in der Vorwärtsbewegung. Präsent an 21 Standorten mit 550 Mitarbeitern, 70 Millonen Euro Umsatz pro Jahr.

Greylogix-Systeme steuern automatisierte Verfahrenstechnik in Kraftwerken und Chemie- und Pharmaindustrie, in Anlagen der Windenergie- und Biogas-Technologie, kommen in der Nahrungs- und Genussmittelherstellung, bei Anlagen der Wärme- und Kältetechnik oder der Wasser- und Abwasserbehandlung zum Einsatz. Auch das Internet der Dinge, fein justierbare automatisierte Regelkreisläufe etwa für die Haushaltstechnik, steht ganz oben auf der Agenda. Zu den Geschäftspartnern gehören Branchenschwergewichte wie Jacobs Kaffee,Bayer, Flensburger Pilsener, Behn, RWE, Nordstream und Open Grid.

Während das Mutterschiff Bilfinger im Zuge der Energiewende in schwieriges Fahrwasser geraten ist, blicken Malter und Witzel für die Flensburger Tochter selbstbewusst und optimistisch in die Zukunft. Greylogix ist eine Braut, die man nicht einmal aufzuhübschen braucht.

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erstellt am 14.Sep.2015 | 14:30 Uhr

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