Flensburger Neustadt : Schlachthof im Dornröschenschlaf

Derzeit eher etwas für Biologen als für Gourmets: Die Adresse Brauereiweg 17, einst das Tor zum städtischen Schlachthof, hat schon bessere Tage gesehen.
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Derzeit eher etwas für Biologen als für Gourmets: Die Adresse Brauereiweg 17, einst das Tor zum städtischen Schlachthof, hat schon bessere Tage gesehen.

Was wird aus den ehemaligen Verwaltungsvillen? Die Stadt will die beiden Gebäude im Herbst verkaufen

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18. Januar 2017, 11:15 Uhr

Flensburg | Es muss kein trüber Januartag sein, um die Tristesse zu begreifen, die die beiden gelbgeklinkerten Schlachthofgebäude von 1898/99 am Brauereiweg nach jahrzehntelangem Leerstand verbreiten. Einst bildeten die zweigeschossigen Verwaltungsvillen am Brauereiweg 17 das stolze Entree zum städtischen Schlachthof. Später machte der „Alte Schlachthof“ dann als fast legendäres Szene-Restaurant Furore. Von 1960 bis 1990 schwang hier Hans Braas mit seiner Frau Hildegard das Zepter – und Willy Egehave den Kochlöffel. Danach passierte hier nicht mehr viel. Während die Sportpiraten westlich davon seit 2001 in vielen kleinen und größeren Schritten den BMX- und Skatepark entwickelten, versanken die die historischen Schlachthofgebäude buchstäblich im Dornröschenschlaf. Aus nahezu allen Eingängen sprießt mehr oder minder Grünes.

Dabei hat es an Ideen auch in den vergangenen Jahren nicht gemangelt. Es gab Anfragen für ein Hostel, Überlegungen für eine neue gastronomische Nutzung – und auch die Mürwiker Werkstätten liebäugelten einst mit der hafennahen Immobilie. Das Kulturbüro der Stadt besichtigte die Räumlichkeiten sogar schon mal auf der Suche nach Probenräumen für lokale Bands. Und die Flüchtlingshilfe bewarb sich, unterstützt von den Sportpiraten, mit Blick auf die Schlachthofvillen um das Bundesprojekt „Haus der Ressourcen“. Die Idee: Haupt- und ehrenamtliche Kräfte in der Neustadt in einem Haus mit kurzen Wegen, verschiedensten Ansprechpartnern und Besprechungsmöglichkeiten bündeln – Flüchtlingshilfe, Refugees Welcome, AAK, Sportpiraten, Jobcenter, Uni und weitere Partner hätten dabei sein können. Doch die Flensburger Initiative bekam bei dem Bundesprojekt nicht den Zuschlag. Dirk Dillmann von den Sportpiraten will zunächst lieber das eigene Projekt BMX- und Skatepark vorantreiben: „Seit 2013 gibt es einen politischen Beschluss zur Erweiterung des Schlachthofgeländes“, sagt er: „Wir wollen jetzt ein Stück weiterkommen.“

Von den Jahrhundertwendebauten indes will die Stadt sich noch in diesem Jahr trennen. „Beide Gebäude müssen eher als schwierig betrachtet werden, was den baulichen Zustand angeht“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Nach dem jahrelangen Leerstand war in den Gebäuden auch geplündert worden – Dachrinnen, Kabel, vieles wurde hier einfach entwendet.

„Das nördliche Gebäude ist deutlich schlechter als das südliche“, berichtet Teschendorf weiter. Es gehe nun darum, die Gebäudehülle zu schützen. Der Verkauf sei für diesen Herbst vorgesehen: „Es gibt eine Liste mit Interessenten.“

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