zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

24. August 2017 | 05:10 Uhr

Schlachtengemälde aus der Luft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ungewöhnliches Kunstprojekt zur Passionszeit in Flensburgs Kirche St. Nikolai: Uwe Appold zeigt Bilder gegen den Krieg

Uwe Appold ist wie kaum ein anderer Künstler aus dem Norden in Ausstellungen quer durch Deutschland präsent. Waren es im vergangenen Jahr vor allem seine mehrmonatigen Kunstprojekte im thüringischen Apolda und in Trier, so sind Werke von ihm in diesem Jahr unter anderem in Osnabrück, Lingen, Meppen und Detmold zu sehen. Und erstmals seit 2012 werden Arbeiten des Malers und Bildhauers, der sein Atelier im Angeliter Museumsdorf Unewatt hat, auch wieder in seiner Heimatstadt Flensburg gezeigt. Eröffnet wird die Ausstellung „14/18 – Landschaft als Gedächtnis des Krieges“ am Mittwoch, 10. Februar, um 19 Uhr in der St. Nikolaikirche am Südermarkt durch Kulturministerin Anke Spoorendonk.

Appolds Bilderzyklus zur Schlacht um Verdun reizt schon wegen des Ortes, an dem die Werke zu sehen sind. Sind doch in der südlichen Gedenkkapelle von St. Nikolai Wandmalereien von Georg Christoph August Wilckens aus dem Jahre 1929 zu sehen, in denen dieser nach dem Ersten Weltkrieg den millionenfachen Tod von Soldaten und Zivilisten eher heldenhaft verklärte und mit der Verkündigung von Tod und Auferstehung verknüpfte. „Ich möchte diesen Fresken meine Arbeiten als Dialog gegenüberstellen“, sagt Appold und verweist darauf, dass Wilckens die Wandmalereien zu einer Zeit schuf, als zum Beispiel der Versailler Vertrag, der Deutschland die alleinige Kriegsschuld zuwies, für heftige politische Debatten sorgte.

Mehrfach hat Appold die Höhenzüge von Verdun in der Lorraine bereist, die endlosen Soldatenfriedhöfe oder das Beinhaus von Douaumont besucht, in dem die Gebeine von allein 130  000 unbekannten Soldaten zusammengetragen sind. Rund 700  000 deutsche und französische Soldaten sind bei der Offensive, die am 21. Februar 1916 mit einem Artilleriebombardement der Deutschen aus 1500 Kanonen auf 13 Kilometer Frontlinie begann, ums Leben gekommen. „Verdun ist als eine der blutigsten Schlachten in die Militärgeschichte eingegangen“, sagt Appold und erinnert sich, wie er im Wald von Vaux Erde in einen Eimer füllte, um sie in seinen Bildern zu verarbeiten: „An vielen Stätten in Europa habe ich das schon getan. Doch nirgendwo habe ich vor dem ersten Spatenstich so lange innegehalten wie in diesem Moment. Die Geschichte der Erde unter meinen Füßen ließ mich erschauern, und ich war froh, als ich mit dem gefüllten Eimer wieder die Straße erreicht hatte“, erinnert sich der Künstler.

Seine Werke nähern sich dem Geschehen vor hundert Jahren auf ungewöhnlich, scheinbar unspektakuläre Weise. „Die Landschaft ist das Gedächtnis des Krieges“, sagt Appold. So stellt er die Höhenzüge aus der Luft dar, man sieht Festungen, Bombenkrater, erahnt die „säuische Trichterwelt“, von der Arnold Zweig in seinem Buch „Erziehung vor Verdun“ schreibt. Dieser literarischen Vorlage folgt Appold in seinem Bilderzyklus. Menschen sind auf seinen Werken nicht zu erkennen. „Das Leiden der Männer in der Schlacht von Verdun lässt sich nicht darstellen“, sagt der Künstler und verweist auf die sogenannte „Rote Zone“, ein Gebiet in der ehemaligen Kampfregion, das bis heute nicht betretbar ist, weil dort in der Schlacht des Ersten Weltkriegs Giftgas eingesetzt wurde, wo Munition und Blindgänger einhundert Jahre nach dem Geschehen noch nicht geborgen sind. Auf dem Schlussbild von Appolds Zyklus ist schließlich ein verschütteter französischer Soldat zu erahnen. Zu sehen sind sein Feldmantel und die Umhängetasche, während der Schützengraben unter einer grellen Explosion zusammenbricht.

Dass die Ausstellung am Aschermittwoch beginnt und in die Passionszeit fällt, zeigt die Bandbreite und inhaltliche Tiefe des Projekts. So endet die Ausstellung, die von Führungen mit dem Künstler, Friedensgebeten, Lesungen und einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kirche und Kunst“ begleitet wird, am Sonntag, 13. März, um 9.30 Uhr mit einem Passionsgottesdienst. Der Chor von St. Nikolai wird darin Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Andreas Hammerschmidt und Rudolf Mauersberger singen. Die Ausstellungseröffnung am kommenden Mittwoch wird musikalisch von Kirchenmusikdirektor Michael Mages (Orgel) und Gabriel Koeppen (Saxophon) begleitet. Der Eintritt ist frei.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Feb.2016 | 18:22 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert