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Flensburger Lehrfilme für Kinder : Schildkröten im Kühlschrank

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Master-Studenten der Europa-Uni drehen sechs Kurzfilme exklusiv für das Naturwissenschaftliche Museum über von Eiszeit bis Seehund

Marie zieht sich warm an. Sehnsüchtig blickt die blonde Naturliebhaberin den Zugvögeln nach, die einfach gen Süden ziehen, wenn es ihnen zu kalt wird. Marie ist die Hauptfigur in dem kurzen Dokumentarfilm „Wie überwintern Tiere“. Das Besondere daran: Studenten der Europa-Universität Flensburg, die im zweiten Master-Semester studieren und künftig an Grundschulen Sachunterricht geben, haben die Filme gedreht. Sobald die letzten Korrekturen bis Mitte Juli umgesetzt und die nötigen Vorbereitungen im Naturwissenschaftlichen Museum auf dem Museumsberg abgeschlossen sind, laufen die Filme dort im jeweils zum Thema passenden Ausstellungsraum über die Monitore.

Die ersten, die sie schon am Montag probesehen durften, waren rund 70 Kinder aus Flensburger Grundschulen – bei einer Art Naturfilmfestival in der Aula des Hans-Christiansen-Hauses. Die Dritt- und Viertklässler wählten auch gleich ihren Publikumsliebling. Der Kurzfilm mit Marie übers Überwintern war mit Abstand der beliebteste, und aus den Fragebögen der Kinder geht hervor, dass die beliebten Schildkröten ihren Teil dazu beigetragen haben. Filmfigur Marie hat nämlich welche als Haustiere und füttert sie im Film mit Blättern. Und sie erklärt, dass ihre Schildkröten im Kühlschrank den Winter verbringen – sie halten „Winterstarre“ ebenso wie Frösche oder Eidechsen, erfährt der Zuschauer und lernt den Unterschied zu Winterruhe und Winterschlaf. Die studentischen Filmemacher bedienen sich bewegter Bilder und Tierfotos, Grafiken, Zeichnungen und Musik.

Modelle nutzt auch die Kurzdoku über die Eiszeit, sagt Mika Janzen. Der Zehnjährige besucht die Grundschule Adelby und durfte als „Käpt’n“ die Leitfragen im Film stellen. So viele Zuschauer zu haben, war für ihn „ein schönes Gefühl“, sagt Mika bei der Uraufführung.

Die 25-jährige Leonie Scholz zählt zum Team, das sich dem Specht gewidmet hat. Ein jeder habe zunächst für sich Informationen gesammelt, berichtet die Studentin, deren Kommilitonen allesamt Biologie im Bachelor als Hintergrund mitbringen. Möglicherweise deshalb sei mehr Wissen vorhanden als in einem Kurzfilm Platz findet. So sei wichtig gewesen zu sehen, „wie stark man Dinge vereinfachen und reduzieren muss“, resümiert Scholz. Nach dem Ausprobieren wurden die Aufgaben aufgeteilt, einer übernahm den handlichen Camcorder, ein anderer empfahl sich für die Rolle des moderierenden Naturfreundes. Die Sprechrolle kam einer Kommilitonin zu, die ruhig und deutlich redet, erklärt die 25-Jährige. Nur die „Hauptfigur“ machte Schwierigkeiten. Denn die Gruppe bekam bei ihren Drehs in der Marienhölzung einfach keinen Specht zu Gesicht! „Wir hatten Glück“, kann Leonie Scholz schließlich auflösen. Denn einer anderen Gruppe gelangen zufällig sehr gute Aufnahmen zweier Buntspechte, und sie überließ der Crew das Filmmaterial.

„Da ist einfach alles drin“, freut sich Projektleiterin Beate Blaseio und Professorin für Didaktik des Sachunterrichts an der Europa-Uni, über den Gehalt des Seminars „Sachfilme für Kinder drehen“. Die Studenten müssten sich Gedanken machen, wie sie Sachverhalte erklären und zeigen; sie arbeiten mit Vergleich, Wiederholung, Modellen – und üben Teamarbeit in den vier- bis sechsköpfigen Gruppen. Nicht zu vergessen die Filmtechnik, die sie erlernen und nutzen. Es gebe so viele Projekte im Umfeld „Filme drehen mit Kindern“ in der Grundschule, sagt Blaseio. Technischer „Support“ kam aus dem eigenen Hause, dem Zentrum für Informations- und Medientechnologien der Uni, und vom Scheersberg. Mit dem Chef des Naturwissenschaftlichen Museums, Dr. Werner Barkemeyer, hatten die Filmer inhaltliche und fachliche Unterstützung. Die Idee sei aus einem Vorgängerprojekt von Uni und Museum hervorgegangen, erinnert sich Blaseio.

Die sechs Kurzfilme – die übrigen Themen sind Singvögel, Dachs und Seehund – sind exklusiv für das Museum entstanden. Sie sollen auf das jeweilige Objekt hinführen, erklärt Barkemeyer, ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis und hofft auf viele Schulklassen, die sich das ansehen möchten.

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erstellt am 28.Jun.2017 | 10:00 Uhr

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