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Experiment : Schiffbrücke hat ihre Parkplätze zurück

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt zieht nach der autofreien Woche positive Bilanz: Keine eindeutige Positionierung in der Parkraum-Frage – aber viele Anregungen

Ab heute gehört der Parkplatz an der Schiffbrücke wieder voll und ganz den Autofahrern, aber ob das für weitere 50 Jahre der Fall sein wird, ist nach dem jetzt abgeschlossenen Versuch nicht sicher. Gestern Nachmittag endete ein für Flensburg einmaliges Partizipationsverfahren: Für eine Woche verbannte die Stadt ein Drittel der Autos von dem Parkplatz an der Hafenkante der Schiffbrücke und fragte ihre Bürger: Was soll Flensburg mit seiner Wasserkante machen?

Um es vorweg zu nehmen: Eine eindeutige Antwort gab es am Ende nicht. Bürgermeister Henning Brüggemann, Planungs-Chef Peter Schroeders und Stefanie Bremer von der Projekt-begleitenden Hamburger Planungsagentur Orange Edge zeigten sich gestern dennoch weit mehr als nur zufrieden mit dem Verlauf der Aktion. Über 600 Menschen hatten die Gelegenheit genutzt und die Fläche zwischen Oluf-Samson-Gang und Museumswerft kreativ besiedelt. Rollrasen statt Pflastersteine, Poetry Slam statt Parksuchverkehr, Stadtgarten statt Abgas –die Resonanz der Bürger, so Stefanie Bremer, war sehr kreativ und überwiegend positiv. „Ich habe heute endlich das Gefühl vermittelt bekommen, dass meine Stimme als Bürger doch gehört wird“, war der Kommentar eines Besuchers – und zwar nicht der einzige, der in diese Richtung ging. „Durch derartige Verfahren erweitern wir die rechtsförmliche Bürgerbeteiligung“, so Schroeders. „Wir müssen aus Ereignissen wie Stuttgart 21 lernen und uns schon im Vorfeld von Planungen offener aufstellen.“

Mit über 600 Menschen erreichte die Aktion weitaus mehr Menschen als erwartet worden war. 75 kamen zur Auftaktveranstaltung, 362 beantworteten die Fragebögen, 153 reichten konkrete Vorschläge ein – eine derartige Mobilisierung habe sie nicht erwartet, so Stefanie Bremer.

Dennoch konnte die große Beteiligung die Frage nach der künftigen Nutzung der Schiffbrücke nicht eindeutig klären. 20 Prozent der Befragten wollen, dass alles bleibt wie es ist, 25 Prozent die Parkplätze ersatzlos streichen. Viel interessanter finden Schroeders und Bremer aber die große Schnittmenge von Befragten aus beiden „Lagern“, die sich für wohl überlegte und gut begründete Alternativen offen zeigen – nämlich 80 Prozent. Das dürfte für die Stadtplanung der eigentliche Auftrag sein. „Wir können sehr gut damit leben, diese Fragestellung offen zu lassen“, sagt Schroeders. So könnte sich der Leiter der Stadtplanung beispielsweise vorstellen nach dem Vorbild von Eckernförde die 1-A-Fläche am Hafen befristet für andere Nutzungen zu reservieren. Genügend Parkraum-Puffer dafür, auch das zeigte der Versuch, war zumindest während des Testzeitraums vorhanden. In der Woche gab es immer noch freie Plätze auf der verkleinerten Fläche. Dennoch: Ein radikaler Wechsel steht nicht bevor. Eine weitere wesentliche Erkenntnis im Bürger-Dialog war, Veränderungen schrittweise anzugehen. Der große Reiz der autofreien Woche an der Schiffbrücke dürfte gewesen sein, nach 50 Jahren Parkplatznutzung das Undenkbare zu sehen. Ein Ereignis vergleichbar mit der Verbannung des Verkehrs aus Holm und Großer Straße, findet Schroeders. „Das galt damals auch als der Untergang des Abendlandes.“

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erstellt am 29.Sep.2014 | 15:00 Uhr

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