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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 22:20 Uhr

FSG : Schiffbau in der Dauerkrise

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit dem Wandel zu einer Hightech-Branche ändert sich die Qualifikationsstruktur: Hoch qualifiziertes Personal wird gebraucht

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 13:30 Uhr

Der Schiffbau ist seit den 50er Jahren in einer Dauerkrise, das hat in der Branche zu einem enormen Strukturwandel geführt. Ursachen sind Überkapazitäten mit zu vielen Schiffen – 6400 Neubauten standen im Juni 2014 in den Auftragsbüchern, die meisten davon werden in China, Japan und Korea gebaut. Die Erträge aus der Schifffahrt, die 2008 noch bei 50  000 Dollar pro Tag lagen, sind auf ein Viertel gesunken – rund 12  000 Dollar. Und die Anzahl der aktiven Seeschiffswerften hat sich beinahe halbiert: von 1168 in 2009 auf 686 im Jahr 2013.

Torsten Ludwig von der Agentur für Struktur- und Personalentwicklung hat im Auftrag der Gewerkschaften eine Branchenstudie über den Schiffbau in Norddeutschland vorgelegt, die er auf Einladung des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB in der Dänischen Bibliothek Flensburg vorstellte. „Trotz der ständigen Krisensituation ist die Entwicklung des Schiffbaus in Deutschland ziemlich stabil geblieben, die 41 Werftstandorte sind bis heute erhalten“, sagt Torsten Ludwig, „allerdings arbeiten sie mit veränderten Schiffstypen, ökologischer Modernisierung und flexibler Begleitung von Markt- und Kundenbedürfnissen“. Während die Werften in Asien als „Stahlbrätereien“ beschrieben werden, haben ihre europäischen Kollegen auf Innovation und Know-how bei der Entwicklung und im Bau von technologisch anspruchsvollen Schiffstypen gesetzt.

„Spezialschiffe für Offshore-Industrie im Bereich der Windenergie und der Öl- und Gasförderung werden gebraucht, der Fokus liegt aber auch auf ressourcen- und umweltschonenden, energieeffizienten Technologien“, stellt Torsten Ludwig fest.

In diesem Bereich sind deutsche Werften und Zulieferer auf dem neusten Stand der Entwicklung. Politische Vorgaben bei Umwelt- und Sicherheitsstandards könnten die Nachfrage steigern.

Die Beschäftigungsentwicklung im Schiffbau ist jedoch insgesamt rückläufig: Waren 2007 noch 4665 Menschen auf den Werften in Schleswig-Holstein beschäftigt, sind es heute elf Prozent weniger. Der steigende Bedarf an Spezialschiffen lasse die Zuliefererindustrie aufblühen. Mit dem Wandel im Schiffbau zu einer Hightech-Branche habe sich auch die Qualifikationsstruktur geändert. Hochqualifiziertes Personal und mehr Ingenieure werden gebraucht.

Diesen Trend bestätigt Ralf Sasse als Betriebsratsvorsitzender der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG), die nach krisenhaften Zeiten gerade von der norwegischen Siem Industries übernommen wurde. „Die FSG ist Schiffbau mit langer Tradition und gewachsenen Arbeitsbeziehungen, wir stellen ein tolles Produkt her, die Beschäftigten sind hoch motiviert und freuen sich auf neue Herausforderungen“, macht Sasse deutlich. Die Mitarbeiter fühlen sich verantwortlich für die hohe Qualität „ihrer“ Schiffe, ihr Expertenwissen muss von der Geschäftsführung wiederentdeckt und einbezogen werden, mahnt Michael Schmidt von der IG Metall.

Mit einem Zukunfts-Tarifvertrag sei die Ausbildungsquote erhöht, die Mitbestimmungsrechte erweitert und Budgetbeauftragte eingesetzt worden. „Gute Arbeit“, aktive Mitwirkung und Transparenz spielten im Wettbewerb um Fachkräfte und Nachwuchssicherung eine bedeutende Rolle: „Die Stärke einer guten Geschäftsführung ist es, eine Kultur des Dialogs mit den Beschäftigten zu entwickeln – das ist bei der FSG noch ausbaufähig“, sagen Ralf Sasse und Michael Schmidt, „aber wir sind auf einem guten Weg.“

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